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wiki:almasy

Almásy, Ladislaus E.

Ladislaus E. Almásy
Schwimmer in der Wüste
Auf der Suche nach der Oase Zarzura
Neuauflage des Werks „Unbekannte Sahara“ von 1939.
Mit einem Vorwort von Raoul Schrott und Michael Farin,
ergänzenden Kapiteln aus der ungarischen Ausgabe von 1934
sowie einem Geheimdokument über Almásys „Operation Salam“ von 1942.
Innsbruck: Haymon 1999
Pappband mit Umschlag 15x23 cm: 256 Seiten, 
24 Tafeln mit 70 Fotos, 4 farbige Aquarelle, 1 Karte, Bibliographie

Das ist wieder eines der Reisebücher nach meinem Geschmack – geschichtsträchtig verflochten mit Zeiten und Menschen in vielerlei Hinsicht.

Die erste Geschichte: Wer hat den oskarprämierten “Englischen Patienten” gesehen? Das verbrannte Gesicht des Piloten ließ kaum Emotionen erkennen, seine eingeblendeten Erinnerungen führten in die sonnendurchglühte Libysche Sahara … Grundlage des Films war der gleichnamige Roman von Michael Ondaatje, einem begnadeten Schriftsteller, der immer wieder romanhaftes zu erzählen weiß von Reisen, Ländern, Völkern. Seinen englischen Patienten gab es indes wirklich, es war der Sohn eines ungarischen Adeligen und einer Steirerin, ein Pilot und Berater der Autofabrik Steyr, einer der besten Kenner der Sahara zwischen Libyen und Nil. Er starb 1951 in Salzburg an einer nicht ausgeheilten Amöbenruhr.

Die zweite Geschichte: Die libysche Wüste ist bis heute gut für Entdeckungen. Ihr Gebiet berührt im Süden das sudanesische Darfur, wird im Osten durch den Nil begrenzt, verliert sich im Westen in der Sahara. Die seit gut 10.000 Jahren zunehmende Trockenheit verleiht den wenigen Brunnen und Oasen einen Inselcharakter: Menschen, Tiere, Pflanzen finden dort eine letzte Zuflucht und bewahren ein uraltes Erbe. Manche Felszeichnungen aber zeigen schwimmende Menschen und verweisen auf Erzählungen aus einer Zeit des Reichtums und des Überflusses. Mythen berichten von Heeren mit zehntausenden Soldaten, die auf der Suche nach den Schätzen der Oasenstädte in der Wüste verschollen sind. Schrecklich aber war die Wüste immer nur für die Fremden. Die dort lebten, beherrschten die Kunst des Überlebens und bewahrten die Gehemnisse der Wüste. Für die Tibbu waren die Oasen und Brunnen nie verschollen.

Die dritte Geschichte: Seit dem 7. nachchristlichen Jahrhundert machten immer wieder Berichte einer besonderen Oase die Runde, Zarzura sollte sie heißen, von einer hohen Ringmauer umgeben sein und mit gewaltigen Eisentoren verschlossen, deren Schlüssel jedoch von einem kleinen steinernen Vogel bewahrt wurde. Diese Geschichte zog viele Sucher, Abenteurer und Reisende an. Einer war Almásy. Er suchte und fand die Oase Zarzura.

Die vierte Geschichte durchzieht die letzten Trotter. Seit Libyen und Tschad ihre Wüstengebiete den Autotouristen wieder zaghaft geöffnet haben, sind die von Almásy bereisten Gebiete wieder einfacher (aber nicht einfach) zugänglich. Die Gebiete um Jebel Uweinat und Gilf Kebir sind auch heute noch ein Abenteuer. Auch die Straße der 40 Tage ist wiederzuentdecken. Almásy hat sie als erster mit dem Wagen befahren und nach ihm waren kaum mehr als eine Handvoll Menschen dort (auch ein Lkw mit dzg’lern, 1984, illegal). Reisen in diesen Regionen müssen Expeditionscharakter haben und werden selten erlaubt. Rucksacktouristen gelangen bis El Charga und können in einem Bogen mehrere Oasen verbinden. Weiter östlich ist die Wüste dem Militär vorbehalten.

Ein sorgfältig ediertes Werk, das weit über einen Nachdruck der Erstauflage hinausgeht, sondern andere Quellen mit heranzieht. Lesbar als spannendes Abenteuer und doch sorgfältig kommentiert und ergänzt. Wenig brauchbar ist der Abdruck einer alten Karte im Maßstab 1:9.750.000, die überdies nicht dem Text angepaßt wurde. Die alte deutsche Ausgabe dieses Werks wurde bearbeitet von Hansjoachim von der Esch, selbst Autor eines spannenden Werkes über die Libysche Wüste “Weenak - die Karawane ruft. Auf verschollenen Pfaden durch Ägyptens Wüsten” – leider ebenfalls nur noch antiquarisch zu haben. Ich hatte das Vergnügen, dieses Werk zwischen den Oasen El Charga und Selima im Sudan zu lesen. Den “Schwimmer in der Wüste” würde ich auch dorthin mitnehmen.

Walter Grond
Almasy
Roman
1. Auflage Innsbruck: Haymon 2002
Pappband mit Umschlag 12,5 x 20,5 cm: 320 Seiten

Reiseführer müssen nützlich sein, Romane unterhaltsam. Dies ist ein unterhaltsamer Roman, denn ich habe mich sofort festgelesen. Worum es geht?

Ladislaus E. Almasy ist bekannt geworden als Hauptfigur im Film »Der englische Patient«. In den 30er bis 40er Jahren zog er durch die Libysche Wüste und wurde deren bester Kenner. Als solcher war er im Krieg bei Briten und Deutschen gefragt. Die Suche nach der Oase Zarzura beschrieb er 1939 in dem Buch Schwimmer in der Wüste, das erst 1997 bei Haymon neu aufgelegt wurde (siehe Trotter 95).

Auch hat als erster die „Darb el Arbain“, die Straße der 40 Tage, mit einem Auto befahren. Auf der alten britischen Militärkarte, die ich von einer früheren Reise aufbewahrt habe, findet sich an diesem Karawanenweg der Hinweis: »Camel route one mile wide marked by white bones«.

Walter Grond versucht hier in Romanform eine freie Biographie Almasys zu rekonstruieren. Die Nachbemerkung läßt auf eine mühsame Recherche schließen, denn Almasy spielt auch in den Büchern anderer Zeitgenossen eine große Rolle, etwa bei Richard Bermann und Hans Joachim von der Esch.

So kommt weniger Almasy direkt zu Wort als seine Bekanntschaften; mehrere Zeithorizonte sind miteinander verwoben. Manchmal fehlen die Verben, Kommata ersetzen Punkte: das erzeugt ein hohes Erzähltempo, mir erschien es gar zu atemlos, zu hastig.

Mag sein, er will Almasy als Getriebenen darstellen. 1992 veröffentlichte Walter Grond unter dem Titel »Stimmen. Ein Roman als Konzept« den Plan einer Odyssee-Travestie. Er versuchte, die Frage der Modernität als fortgesetzte Irrfahrt erneut auszuloten. Die Reise des Odysseus bietet eine exzellente Metapher, um die Beschleunigung und Enträumlichung der Welt zu einem globalen Dorf zu beleuchten. Das scheint sich hier vor dem Hintergrund der Wüste fortzusetzen.


siehe auch
* Durch die Libysche Wüste
* Geländefahrzeuge

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