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Anywheres

Englisch, als Personenbezeichnung eine soziologische Denkfigur anywhere, hier im Sinne von »Überall-Menschen«. im Gegensatz zu Somewheres, hier im Sinne von »Irgendwo-Menschen«. 2017 geprägt von David Goodhart in seinem Buch The Road to Somewhere: The Populist Revolt and the Future of Politics.

Hintergrund sind die Folgen der Makrophänomene Globalisierung und Digitalisierung. Die Folgen der Folgen kommen letztlich bei den einzelnen Menschen an, sie beeinflussen jeden und lassen sich nicht abwehren. Sie öffnen Möglichkeiten und Risiken. Je nach Bildung, Alter, gesellschaftlicher Situation kann der eine sie nutzen, der andere nicht. Was also für den einen eine Chance ist, die zu Erfolg führt, bedeutet für den anderen Angst und Verlust, der eine ist Hammer, der andere Amboss, man fühlt sich als Held oder als Opfer. Werden diese Phänomene massenhaft deutlich, so zeigt sich ein Riss in der Gesellschaft, letztlich bilden sich Schichten.

Die »Anywheres« sind gebildet, sprechen mehrere Sprachen, leben international. Aufbruch aus einer gewohnten Situation und Umgebung ist für sie nicht ungewöhnlich, sich anzupassen und umzulernen wird Teil des Alltags.

Die »Somewheres« bleiben zurück und schauen in eine ungewisse, weil sich schnell ändernde Zukunft, für die sie sich nicht gewappnet fühlen. Zukunft und Änderung wird als Bedrohung empfunden und erzeugt Neid, Ressentiments, Angst. Daraus kann Abwehr entstehen von allem, was ins Gewohnte eindringt: neue Regeln, neue Technik, Migranten.

Was im 19. Jahrhundert Bürgertum und Proletariat war, wird heute zu Anywheres und Somewheres: Zu den Somewheres gehören dann alle, die verwurzelt sind, also ortsfest, sozial gebunden, verpflichtet sind, ganz gleich, ob angestellt oder verbeamtet, Hausfrau oder Arbeitsloser, Bauer oder Arbeiter. Die Anywheres fühlen sich dagegen gut gebildet, frei in einem urbanen Umfeld, ihre Fähigkeiten sind gefragt und gut bezahlt, sie sind mobil und ihre Vorstellungen prägen Medien und Politik. Den Übergang zwischen beiden Stereotypen bildet der markenorientierte Konsument, der jeden * Hype-Cycle mitnimmt: Man ist, was man hat. Nach unten tretend und nach oben gierend übernimmt er die Rolle des früheren Kleinbürgers, der am Übergang zwischen Bürger und Prolet stand.

So gibt es beispielsweise eine Termin-Definition für bei internationale Konferenzen oder Vereinbarungen, die Anywhere on Earth AoE.


  • Jeder will eine Insel sein. Bettina Fernsebner-Kokert und Walter Osztovics in Die Zeit 15. Januar 2018
  • Arena-Analyse 2018: Wir und die anderen
  • Carlo Strenger: Diese verdammten liberalen Eliten. Wer sie sind und warum wir sie brauchen. Suhrkamp Verlag, Berlin 2019. 172 S.
  • J.D. Vance: Hillbilly-Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise.

Aus dem Amerikanischen von Gregor Hens. Ullstein, Berlin 2017. 304 Seiten

wiki/anywheres.txt · Zuletzt geändert: 2019/09/15 06:51 von norbert