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Deutsche Zentrale für Globetrotter e.V.

Wer nie geht, kehrt nie heim

In Vereinen wird gemeinsam gerudert, Schach gespielt, geschwommen … Die größte idelle Gemeinschaft von Globetrottern in Europa ist anders. Sie reisen individuell, oft allein. Gemeinsam verbindet sie ein Lebensgefühl des »Unterwegs-Seins«. Also freut man sich zwischen den Reisen auf den Hafen fürs Fernweh, auf Globetrottertreffen und findet Backpacker mit Zelten, Reiseräder neben Motorrädern, historische VW-Busse, Wohnmobile, Fernreisemobil-Kolosse.

Man muss sein eigener Columbus sein

Hier gilt als selbstverständlich, was außerhalb als Abenteuer erscheint. Sie radeln mitdem Fahrrad um den Globus, durchqueren die Wüsten Afrikas mit dem Landrover oder zuckeln mit ihrer »Ente« zum Himalaja. Blasen am Fuß und Blutegel am Bein sind keine Katastrophe. Kaum zu Hause, planen sie schon die nächste Reise.

40 Jahre gemeinsam unterwegs

Die Mitglieder waren Initiatoren und wirkten als Katalysatoren. Ihre Ideen vom Reisen als Lebensstil lösten Mitte der Siebziger Jahre eine mächtige Welle aus:

  • Die Club-Zeitschrift Der Trotter ist die älteste noch erscheinende Reise-Zeitschrift (außer Merian) mit 16.000 redaktionellen Seiten seit 1975.
  • Viele Mitglieder wurden zu Autoren und Verlegern. Die 21 Bände der Reihe Globetrotter schreiben für Globetrotter drückten das Reisegefühl der Nachkriegsgeneration aus. In der Buchlandschaft der Reiseführer wirkten sie wie ein Tsunami.
  • Andere Mitglieder gründeten Ausrüsterläden: Klaus Därr, Bernd Tesch, Klaus Denart, Wolfgang Maas, Ed Kreutzer …
  • Das Forum von globetrotter.org der dzg ist das älteste im deutschsprachigen Raum, eingerichtet von Thomas Simoneit und Thomas Schindel im August 1997.

Ein beeindruckender Medienspiegel mit mehr als 700 Beiträgen zeigt die öffentliche Resonanz ebenso wie Dutzende von Webseiten, die von den Mitgliedern betrieben werden.

Gründungsgeschichte

(1) Ludmilla Tüting bezeichnet sich im Impressum der Erstauflage (1972/73) von »Traumstraße der Welt« als »Zentralstelle für Globetrotter und solche, die es werden wollen: Suchen Sie einen passenden Partner? Brauchen Sie weitere Auskünfte? Auch über andere Kontinente? Schreiben Sie.«

(2) Großes Globetrottertreffen 21.-24.6.1974 bei Ludmilla Tüting. Ludmilla nennt handschriftlich Reinhold Korte als aktiven Initiator der Clubgründung. Hier entsteht die Idee zur dzg, man »will eine gemeinsame Basis schaffen«. Ludmilla: »Auf dieser Fete wurde die dzg beschlossen.« Das Foto (separat) zeigt Bernd Tesch und Friedemann von Engel neben Ludmilla; die Westfalenpost hebt diese drei als Buchautoren hervor. Von links nach rechts hinten: Jochen von Hesse, Gerhard Pansegrau, Werner Göcke, Wolfgang Köhler, Erich Drönner, Hanne Vasel, Peter Fritze, Siegfried Patzewitz; vorn: Friedemann von Engel, Ludmilla Tüting, Bernd Tesch

(3) Eine von Ludmilla vor September 74 verschickte Liste nennt vermutlich die 40 Teilnehmer dieses Treffens mit ihren bisherigen sowie den geplanten Reisen: Hans-J. Aubert, Martin Bigter, Jürgen Brand, Erich Drönner, Friedemann von Engel, Lutz Fehling, Klaus Fenger, Peter Fritze, Rolf & Monika Germeroth, Ester & Klaus Gnoth, Werner Göcke, Werner & Ruth Gremse, Erhard Gringel, Rudi Inkmann, Leslie Kai, Wolfgang Köhler, Reinhold Korte, Charlotte & Erhard Pansegrau, Siegfried Patzewitz, Mechthild & Hartmut Raffel, Gerd Roetes, Margret & Walter Schneider, Hyazinthe Stöger, Bernd Tesch, Hendrik Tschammer, Ludmilla Tüting, Hannelore Vasel, Günther Viehl, Margret & Dieter Vornholz, Günther Wehenpohl, Arndt Wesolowski, Anne Wolf. Nicht genannt sind die beiden Engländer, die laut Westfalenpost anwesend waren – es mag also noch mehr Teilnehmer gegeben haben.

(4) Vorbereitungstreffen im kleinen Kreis im August bei Friedemann von Engel in Berlin-Tiergarten: Ludmilla („bring Aubert mit“), Lutz und „die Dortmunder“.

(5) Gründungstreffen am 1.9.74 in Haarstorf, Kreis Uelzen. Als Vorbild diente der englische Globetrotters Club. »Wir hatten die Nase voll! Immer war es schwierig, die richtigen Informationen für große Reisen zu bekommen. Deshalb haben wir uns zusammen getan und die erste Globetrotterzentrale im deutschsprachigen Raum gegründet.« So Friedemann nach der Gründung im ersten Infoflyer.

(6) Den Durchbruch bringt im Oktober das Zeit-Magazin (Nr. 43) mit einem mehrseitigen Extra »Erst reisten sie, dann schrieben sie: Jetzt sind sie gute Ratgeber – auch für Normal-Touristen«. Die Presse stürzt sich auf den Club, jede Woche bringt zahlreiche Pressemeldungen und Interviews. Viele Rundfunkanstalten senden ein zweistündiges Interview des Hessischen Rundfunks mit Reinhold Korte und Friedemann von Engel.

Hintergrund 1971 bis 1976

1971 gibt Bernd Tesch Aachen - Kapstadt heraus (Ludmilla Tüting schreibt dazu rückblickend im Globetrotter 2 auf S. 24: »Er war der erste Selbstverleger«). Ab 1972 erscheint das Werk unter dem Titel Afrika-Führer für Selbstfahrer, der die Abgrenzung zu Pauschalreisen ebenso deutlicht macht, wie seine Botschaft: »Es ist möglich, auch Du kannst es!« Nur wenige Monate später erscheint Ludmilla Tütings Von Alaska bis Feuerland, 1973 dann Robert (und Gisela) Treichlers Der billigste Trip nach Indien, Afghanistan & Nepal..

Viele bieten handgeschriebene Tips an, so z.B. Dietrich Gorgs Tips für den VW in Afrika. Jürgen Bischoff (dzg) informiert ab Pfingsten 1974 im zunächst kostenlosen On the road Tramper-lnfo unter dem erhobenen Daumen über europäische Ziele. Im Arena-Verlag erscheint 1976 Wo die Welt noch wild ist« mit Beiträgen mehrerer dzg’ler und und 1976 Burkhard Dreyers Indien-Nepal-Ceylon.

Heribert Seul und Ludmilla Tüting präsentieren 1975 erstmals auf der Frankfurter Buchmesse unter der Bezeichnung »Globetrotter-Selbstverlag«. Friedemann von Engels Tips für Trips, Ludmilla Tütings Von Alaska nach Feuerland, Transsahara von Klaus & Erika Därr sowie Rolf Schettlers 100.000 km Orient. Ludmilla Tüting erinnert sich: „Campingstühle und -tische bildeten unseren Stand. Unser erster Interessent, ein Buchhändler aus Hagen, fiel gleich durch den morschen Stoff … Zu unserem ersten Geschäftsessen luden uns die Partner der Geographischen Buchhandlung München, Günter Nelles und Rainer Michels. Sie wollten unsere Titel kaufen und boten uns 1 DM pro Exemplar. Ich lehnte ab, Rainer tobte. Als er sich dann wieder zu uns setzte, wurde mir klar, daß wir auf einen neuen, wichtigen Trend gestoßen waren.“

1976 taten sich die Autoren der ersten und erfolgreichsten Bücher zu einer Gruppe zusammen und gaben insgesamt 21 Bände mit dem Label „Globetrotter schreiben für Globetrotter“ heraus. Diese Reihe drückte die Reiselust einer ganzen Generation aus und war bahnbrechend für eine neue Art zu reisen. Das merken auch andere; schon 1976 bringt der große Kölner Kunstbuchverlag DuMont seine ersten Richtig reisen-Bände heraus. Prompt unterliegt er damit auch gleich einem Mißverständnis. Den Globetrottern geht es zwar ums Selberreisen, vielleicht auch ums Anderssein, belehren hingegen wollten sie nicht; denn wie geht das: Richtig reisen?

1980 springt Rowohlt mit Anders reisen auf, als erster Band (7501) erscheint Tips und Tricks für Tramps und Travellers von Michael Cannain (dzg). Die Reihe beschränkt sich lange auf europäische Ziele.

Die 2000er Jahre

Die dzg war als Club der Globetrotter bereits ein »soziales Netzwerk« bevor man wußte, dass es so etwas gibt. Die Mitglieder des Clubs reisen selbstbestimmt wohin sie wollen, in allen Ländern der Erde. Die »Globalisierung« wurde von ihnen vorweggenommen. Seit der Gründung des Clubs haben viele Mitglieder als Autoren, als Journalisten und als Verleger die touristische Medienlandschaft in Deutschland entscheidend geprägt.

Das Reisen der Globetrotter wurde durch den industrialisierten Tourismus verändert, es wurde durch die Globalisierung verändert und durch einen an Reiseinformationen gesättigten Buchmarkt. Heute verändert das Internet die Einstellungen der Reisenden und die Art des Reisens in unabsehbarem Maße. Es verändert den Tourismus und den Umgang mit Reiseinformationen, es verdrängt vielleicht die Reiseführer.

Geblieben ist der Club der Globetrotter. Bislang funktioniert die dzg gut bei den über 40-Jährigen. Sie besuchen Globetrottertreffen, lesen den Trotter, nutzen die Mitgliederliste (auf Papier) – und ab und an auch das Internet, punktuell und selektiv. Und doch begänne das langsame Sterben dieser Gemeinschaft, wenn alles so bliebe wie es ist. Damit sie auch für den Nachwuchs interessant und bedeutsam wird, muss die dzg ihre Rolle im und mit dem Internet aktiv finden. Damit haben wir zwar schon 1997 begonnen. Doch damals war das Internet ein anarchischer, herrschaftsfreier Raum für Individualisten, mit einer den Globetrottern vertrauten Mentalität. Das ist vorbei. Wir fragen uns: Wie kann die dzg ihren Platz im Internet gestalten?

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