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wiki:einfach_leben

Der Traum vom Einfachen Leben

Globetrottern erklärt sich die Idee sofort – wir alle haben reichlich Erfahrungen mit Loslassen und Ballast abwerfen. Selten wird dieser Reisestil jedoch auch daheim so radikal praktiziert, doch neu ist das nicht.

Als Ahnherr solcher Bestrebungen gilt Henry David Thoreau (1817-1862), der am 4. Juli 1845 eine selbstgebaute Blockhütte bei Concord am Walden-See bezog, auf einem Grundstück Ralph Waldo Emersons. Das zweijährige einfache Leben, das er alleine und selbständig dort führte, beschrieb er in Walden. Or life in the Woods:

»Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben,
dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, 
ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, 
wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. 
Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. 
Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. 
Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, 
so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht leben war, 
in die Flucht geschlagen wurde.«

Zwischen den beiden Weltkriegen lebte diese Idee wieder auf. Der Vagabund wurde zum Ideal, mit Gregor Gog gab es einen »König der Vagabunden«. 1930 schrieb Ernst Wiechert Das einfache Leben, den Versuch eines Mannes, der den Sinn seines Lebens durch ein entsagendes Dasein im Einklang mit der Natur als Fischer an den Masurischen Seen sucht. Ländliche Idylle und Freundschaft werden als Werte beschworen.

Mit den Hippies, der 68er-Bewegung, den Alternativen und Grünen wurde die Idee erneut hip: Selbstversorgung auf dem Lande ist eine von mehreren Möglichkeiten, das dazu nötige Basiswissen faßte schon in den 1970er Jahren John Seymour zusammen (Das grosse Buch vom Leben auf dem Lande. Ein praktisches Handbuch für Realisten und Träumer) 1997 in 19. Auflage beim Otto Maier Verlag.

Anne Donath
Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann
Bericht über ein einfaches Leben
1. Auflage Malik/Piper München 2006
Pappband 12x20,5 cm: 190 Seiten, 49 Textabb. 

Anne Donath lebt von weniger als 400 Euro im Monat und hat alles abgelegt, was sie nicht unbedingt benötigt: Kein Strom. Kein Telefon. Kein Gas. Kein Auto. Sie lebt in einer Holzhütte auf weniger als 20 Quadratmetern und finanziert mit gut 50 Arbeitstagen jährlich ihren Lebensstil. Das fand bereits 2003 die ZEIT so spannend, daß sie darüber berichtete (Die Frau, die einfach nur lebt). Andere Medien folgten und so war es wohl unvermeidlich, daß ein Buch erscheinen mußte. Von dessen 190 Seiten beschreiben knapp 40 Seiten ihr »einfaches Leben«, der Rest ist mit Fotos, »Gedichten« und viel Luft gefüllt. Schade.


siehe auch:
* Frugalismus
* FIRE-Konzept
* Tiny Houses
* Do it Yourself
* Reparieren
* Lebensreisestil

wiki/einfach_leben.txt · Zuletzt geändert: 2019/09/22 07:54 von norbert