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Erde

Die Entdeckungsgeschichte der Erde

in der Rückschau begann der Homo erectus vor 1-2 Millionen Jahren, den eurasischen Kontinent zu entdecken. Dann kam der Homo sapiens und entdeckte die Erde, ziemlich lange und oft mehrmals 1).

Der Erste seiner Art: Wanderungen

Die Entdeckung war immer so lange neu, wie das Wissen über die Entdeckung nicht allgemein zugänglich war. Irgendwann setzte der erste Homo sapiens seinen Fuss auf das amerikanische Festland. Rückblickend war er der erste. Aber hat er Amerika entdeckt? Schließlich hat er weder nach Amerika gesucht noch gewusst, dass es einen amerikanischen Kontinent gibt. Seine Nachfahren besiedelten den ganzen Kontinent, waren sich dessen aber nicht bewusst; so wenig wie sie wussten, dass es noch andere Kontinente gibt.

Übers Meer nach Amerika: Zufall & Neugier

Die Wikinger gingen dabei einen Schritt weiter 2) denn sie suchten nicht nur nach neuem Land, sondern kehrten zurück, gaben das Wissen weiter und lösten damit erneute Fahrten aus: Bjarni Herjólfsson (* um 966) berichtete von seiner Entdeckung, ging aber nicht an Land, Leif Eriksson ( ca 970 - 1020) wiederholte die Fahrt und betrat das Land als Erster; ihm folgten Thorvald Erikson († ca 1005), Thorfinn Karlsefni (980? - 1035?) und andere. Ihre Berichte wurden aufgezeichnet und weitergegeben 3), allerdings gab es auch zu dieser Zeit noch nicht die Vorstellung von Kontinenten. Ihre Entdeckung wurde vergessen, weil sie folgenlos blieb, weder zu einer dauerhaften Besiedlung noch zu Handel führte.

Die Suche nach dem kürzeren Weg: Aneignen und Erobern

Dagegen gilt Columbus (1451 - 1506) heute als * Entdecker Amerikas 1492, obwohl er es weder suchte noch die Küsten als * Kontinent oder gar als »Neue Welt« einordnete sondern bis zu seinem Tod als Teil Asiens betrachtete 4) Amerigo Vespucci (1452 bis 1512) postulierte als erster, es handele sich um einen neuen Kontinent. Den Beweis dafür erbrachte Vasco Núñez de Balboa am 25. September 1513, als er Panama durchquerte und am Pazifik stand.

Eine Welt wird erschaffen: Wissen & Erkenntnis

Jede Expedition brachte neues Wissen zurück und erst die Geographen und * Kartographen setzten daraus ein neues * Weltbild zusammen 5). Martin Waldseemüller (1472 bis 1520) studierte Geographie und erstellte 1507 als Erster eine Weltkarte auf der Basis der neuen Entdeckungsberichte: Universalis cosmographia secundum Ptholomaei traditionem et Americi Vespucii aliorumque lustrationes. Seine Wertschätzung für Amerigo Vespucci war größer als die für Columbus, also nannte er den neuen Kontinent Amerika und nicht Columbia. Dieselbe Karte wurde gleichzeitig auch als Erdglobus erstellt. Beides veränderte den Blick auf die Welt grundlegend.

Die Entdeckung besteht also nicht daran, dass jemand den ersten Fuss auf dieses Land setzte oder das Neuartige erkannte oder ihm einen Namen gab. Dies sind vielmehr notwendige Voraussetzungen dafür, dass sich daraus folgend das Weltbild der Menschen insgesamt erweiterte. Solche Voraussetzungen für die Erweiterung des geographischen Weltbildes wurden ab 1492 weit überwiegend durch Europäer geschaffen. Ideologisch motiviert wird dies häufig als »eurozentrisch« abgewertet. Zu Unrecht. Über viele Zwischenstufen entstand daraus das heutige Weltbild der Geographie auf wissenschaftlicher Grundlage, das weltweit anerkannt ist: es gibt weder chinesische Wendekreise noch einen amerikanischen Äquator; die Festlegung von Nordpol und Südpol erfolgt nicht interessegeleitet und ist keine Frage des Glaubens.

Die geographische Form der Erde

Von weitem betrachtet erscheint der Planet Erde als blaue Kugel, die um die Sonne kreist. Aber aus der Nähe betrachtet wird daraus eine bucklige, abgeplattete Kugel mit Bauch, die sich auf der schiefen Bahn befindet.

Pole, Äquator und Meereshöhe

Weil die Erde in 24 Stunden einmal rotiert, gibt es eine 12.713 km lange Polachse zwischen Nord- und Südpol. Am Bauch, also in der Äquatorebene, ist die Kugel rund 43 km dicker, also ist eigentlich der Chimborazo (6267 m) in den Anden der höchste Berg der Erde, weil er vom Erdmittelpunkt weiter entfernt ist als der Mount Everest (8848 m). Noch höher ist eigentlich der Mauna Kea (10.203 m vom Meeresboden), weil dessen größter Teil unter Wasser liegt. Allerdings werden die Berghöhen als Abstand zur »mittleren Meeresoberfläche« (Meeresspiegel) angegeben. Die zu definieren ist nicht einfach und führt zu Ungenauigkeiten, zumal Gezeiten und Strömungen das Niveau beeinflussen. Weil auch das Schwerefeld der Erde ungleichmäßig ist, liegt die Meeresoberfläche des Indischen Ozeans um Sri Lanka mehr als 100 Meter unter dem theoretischen Meeresspiegel. Wie hoch ist dann der Adams Peak auf Ceylon wirklich?

Jahreszeiten, Klimazonen, Tag und Nacht

Der Kreis um die Sonne ist in Wirklichkeit eine Ellipse und die Erdkugel rotiert um eine schiefe Achse, die einen viertel rechten Winkel (23,75°) zur Rotationsfläche um die Sonne (Ebene der Erdbahn oder Ekliptik) geneigt ist. Die Ellipse und die schiefe Achse sind Schuld an Jahreszeiten, Klimazonen und unterschiedlichen Tages- und Nachtlängen. Deswegen gibt es:

Kalendermerkmal Datum Sonnenstand
Sommersonnenwende 21. Juni über dem südlichen Wendekreis
Wintersonnenwende 21. Dezemberüber dem nördlichen Wendekreis
Tag-und-Nacht-Gleiche 19./21. März & 22./23. Septemberüber dem Äquator

Anders formuliert: Zwischen den Wendekreisen kann die Sonne im Zenit stehen. Daher wird der Bereich zwischen den Wendekreisen als Tropen definiert.

BreitenkreisBezeichnung Breite
nördlicher WendekreisWendekreis des KrebsesN 23° 26′ 05″
südlicher WendekreisWendekreis des SteinbocksS 23° 26′ 05″

Die Wendekreise von Krebs und Steinbock

Der nördliche Wendekreis verläuft durch: Atlantik, Westsahara, Mauretanien, Mali, Algerien, Niger, Libyen/Tschad, Ägypten, Rotes Meer, Saudi-Arabien, Emirat Abu Dhabi, Oman, Indischer Ozean, Indien (Gujarat bis Mizoram), Bangladesch, Myanmar, Volksrepublik China (Yunnan, Guangxi, Guangdong), Straße von Taiwan, Republik China (Taiwan), Pazifik, Hawaii, Vereinigte Staaten, Mexiko, Golf von Kalifornien, Mexiko (Sinaloa bis Tamaulipas), Golf von Mexiko , Atlantik, Anguilla Cays (Bahamas), Santaren Channel, Bahamas, Atlantik

Der südliche Wendekreis verläuft durch: Atlantik, Namibia, Botswana, Südafrika (Limpopo), Mosambik (Gaza, Inhambane), Indischer Ozean, Madagaskar (Toliara, Fianarantsoa), Indischer Ozean, Australien (Western, Northern Territory, Queensland) Korallenmeer, Pazifik (zwischen Tonga und Französisch-Polynesien), Chile (Antofagasta), Argentinien (Jujuy, Salta, Formosa), Paraguay (Boquerón bis Amambay), Brasilien (Mato Grosso do Sul, Paraná, São Paulo), Atlantik

Die Wendekreise trennen die Nord- und Südhalbkugeln der Erde auch klimatisch, denn im Bereich der Tropen findet eine weitgehend geschlossene Luftzirkulation statt. Da die abgekühlten und trockenen Luftmassen an den Wendekreisen absinken, bilden sich dort bevorzugt Wendekreiswüsten 6) wie:

  • Sahara, Rub al-Chali, Nefud, Gobi am nördlichen Wendekreis
  • Namib, Kalahari, Simpson, Gibson, Atacama am südlichen Wendekreis

Zwischen den Wendekreisen bilden sich die Passatwinde aus als eine erdumspannende Luftströmung (Passatzirkulation):

  • Für Segelschiffe ergibt sich daraus die Passatroute für eine Weltumsegelung mit gut vorhersehbaren Winden.
  • Im Indischen Ozean ergab sich daraus bis in die Neuzeit der Schiffsverkehr mit den Dhaus in einem Bogen entlang der afrikanischen, arabischen, indischen Küsten.
  • Die Segelschifffahrt im Atlantik nutzte bis ins 19. Jahrhundert den Nordostpassat von der afrikanischen Küste für die Überfahrt nach Südamerika; dort eine Meeresströmung nach Norden und im Nordatlantik die vorherrschenden Westwinde mit dem Golfstrom für die Rückfahrt nach Europa.

Die Verbreitung des Homo sapiens

Von außen betrachtet ist die Erde das Verbreitungsgebiet des Homo sapiens als einziger noch überlebender Art der Gattung Homo.

Die Out-of-Africa-Theorie 7) ist in der Fachwelt weithin anerkannt und wird durch archäologische, lingustische und genetische Befunde gestützt. Danach haben Gruppen der Gattung des Homo sapiens vor rund 70.000 Jahren Afrika verlassen, über die Meerenge am Horn von Afrika hinüber auf die Arabische Halbinsel und/oder über die Meerenge bei Suez auf die Sinai-Halbinsel. Vor etwa 45.000 Jahren findet sich der Homo sapiens bereits in allen Teilen Eurasiens.

Für Diskussionen sorgen zum einen die genauen Verbreitungswege. Zum anderen traf der Homo sapiens in Eurasien auf den Neandertaler und in Zentralasien auf den Denisova-Menschen und vielleicht auch auf den Homo floriensis (»Hobbit«) in Südostasien. Bei diesen Kontakten kann es Austausch gegeben haben und Vermischung, schlussendlich verdrängte der Homo sapiens die anderen Arten 8).
In Australien vor etwa 60.000 Jahren und in Amerika vor mindestens 15.000 Jahren fand der Homo sapiens keine anderen Arten der Gattung Homo vor, wohl aber überlagerten sich in Amerika mehrere Besiedlungswellen des Homo sapiens 9). Genetisch nachgewiesen ist, dass sich eine dieser Besiedlungswellen in 1.400 Jahren von Alaska nach Chile ausdehnte, also wären grob für 56 Generationen jeweils rund 500 Kilometer Wanderung zu veranschlagen.

Als Wiege des Homo sapiens erscheint Ostafrika vor mehr als 200.000 Jahren, etwa im Raum von Äthiopien und Kenia. Berechnungen auf der Basis genetischer Befunde ergaben eine Ursprungspopulation von rund 18.000 Menschen, von denen alle heutigen Menschen abstammen.
Als Wiege der Gattung Mensch erscheint Südafrika. Rund ein Drittel aller Vormenschenfunde befinden sich auf einem kleinen Gebiet 50 Kilometer nordwestlich von Johannesburg, das als cradle of humankind bezeichnet wird.


1)
Robert Foley: Menschen vor Homo sapiens. Wie und warum unsere Art sich durchsetzte. Aus dem Englischen von Beate Mittmann. Herausgegeben und mit einem Geleitwort versehen von Wighart von Koenigswald. Species Band 5. J. Thorbecke Stuttgart 2000
2)
Die Polynesier vermutlich auch. Dass dies mit ihren technischen Möglichkeiten seit Jahrtausenden möglich gewesen wäre, zeigte der Norweger Thor Heyerdahl 1947 experimentell, indem er mit einem Floß aus Balsaholz, der Kon-Tiki, von Lima aus über den Pazifik segelte. Das Floss ist im Kon-Tiki-Museum in Oslo zu besichtigen.
Thor Heyerdahl: Kon-Tiki. Ein Floß treibt über den Pazifik.
Aus dem Norweg. (Kon-Tiki Ekspedisjonen) von Karl Jettmar
Ullstein Wien 1949
288 S. 66 Abb., 2 Kt.
3)
Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum, Grænlendinga saga
4)
Das Vorgehen von Columbus war mindestens durch zwei Faktoren kanalisiert:
Erstens eignet er sich die neuen Länder für die spanische Krone nach einem vorgegebenen Verfahren an [Greenblatt]: Nach dem Betreten eines Strandes wird die spanische Fahne gehisst, in einem Text der Anspruch der spanischen Krone verlesen. Gibt es keinen Widerspruch, gilt das verlesene Recht als gesetzt.
Zweitens ordnet er alles Neue einer »finalistischen Interpretationsstrategie« unter [Todorov]. Er weiß, was er sucht und akzeptiert nur Indizien, die seine Erwartung bestätigen.
5)
Hanno Beck analysiert die Zusammenhänge zwischen Entdecker und Geograph, zwischen Entdeckungsgeschichte und Geschichte der Geographie gründlich : »Entdeckungsgeschichte und geographische Disziplinhistorie« in: Erdkunde Bd 9 Heft 3 (1955) 197-204
6)
jährlicher Niederschlag unter 250 mm im Jahr
7)
1982 von Günter Bräuer auf dem 1. Internationalen Kongress für Paläoanthropologie; benannt nach dem Roman Out of Africa (Jenseits von Afrika) von Tanja Blixen
8)
Manch eine Art wird allein über einen einsamen Zahn definiert. An solchen Ansichten arbeit der Zahn der Zeit. Besonders berühmt wurde das Skelett eines sündigen Kindes aus den Zeiten vor der Sündflut, das 1725 bei Öhningen gefunden wurde. Der Züricher Arzt Jacob Scheuchzer ordnete dieses Skelett der Art Homo diluvii testis zu, gut begründet in seiner Schrift: Homo diluvii testis zu et theoskopos Byrgklinus Zürich 1726. Heute wird dieses Skelett eingeordnet als »ein großwüchsiger Vertreter der Schwanzlurche aus der Familie der Riesensalamander« und trägt den Namen Andrias scheuchzeri.
9)
Gesichert sind mindestens zwei Besiedlungswellen aus Sibirien. Weitere Siedler aus dem pazifischen Raum in Südamerika wären möglich und würden manche Befunde erklären. Über weitere Siedlerströme wird spekuliert
wiki/erde.txt · Zuletzt geändert: 2018/12/11 08:42 von norbert