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Fernreisemobile

mobil fern reisen

von Norbert Lüdtke Mai 2009, überarbeitet Juli 2016

Globetrotter bezeichnen damit einen fahrbaren Untersatz, der nicht nur mobil macht, sondern auch selbstbestimmtes Reisen ermöglicht. Ein Fernreisemobil macht also unabhängig von Hotels und Restaurants, so dass touristische Strukturen und überlaufene Regionen gemieden werden können. Dennoch bleiben die Grundbedürfnisse gesichert: Schutz vor dem Wetter, Schlaf, Essen, Trinken und auch der Rückzug ins Schneckenhaus. Tatsächlich wurzeln die Ursprünge im mobilen Wohnen, am Wohnwagen erkannten die Menschen seit Jahrhunderten das Fahrende Volk. Das jedoch war sozial eher im Abseits, ob Zirkusleute oder irische Traveller.

Fernreisemobil läßt sich kaum ins Englische, Französische oder Niederländische (Kampeertruck) übersetzen. Dort landet man beim schlichten mobile home. Doch ist das mobile home in den USA oft ein mobiles Haus für einen Lebensabschnitt, in dem die Familie in trailer parks lebt.

Caravaning

Davon wollte man sich absetzen, also mußten neue Begriffe her: Globetrotter, Camping und Caravan waren im englischen Sprachraum bereits verbreitet, bevor sie in Deutschland attraktiv wurden. Der Faltbootbauer Hans Berger produzierte 1935 den Zeltanhänger Hausdabei. Aus einem Anhänger konnte ein Zelt aufgeklappt werden. 1937 entwickelte Berger das Modell Karawane, einen Wohnwagen – der Form wegen als Wanderniere verrufen.

Richtig populär wurden Camping und Caravan erst nach 1950. Der Begriff »Landyacht« deutet an, zu welcher Klasse man zählen wollte. Den Begriff Caravan entlehnten die Engländer aus dem arabisch-persischen Sprachraum. Geschäftsleute bildeten eine Karawane zum Schutz und der war auf der Seidenstraße bitter nötig (pers. Kervan, der Schutz eines Geschäftes). Heute schützen Caravans eher vor fremden Blicken.

The dogs bark, but the caravan passes. Das in vielen Ländern verbreitete Sprichwort transportiert eine weitere Eigenschaft von Karawanen: behäbig und unaufhaltsam zieht sie ihres Weges, unbeeindruckt vom Geschehen am Straßenrand. Das hat sie mit dem Stau gemeinsam, Karawanen von Caravans ziehen nicht nur im Sommer von der Nordsee zum Mittelmeer. Das ist Caravaning.

Die südafrikanische Antwort auf Caravaning ist der Expeditionsanhänger. Mit zwei Kühl- und einem Gefrierschrank kann man selbst in der Central Kalahari vier Wochen liegenbleiben. Wesentlich leichter und nicht weniger geländegängig sind Selbstbaulösungen.

Reisewagen und Wohnauto

Das Wohnmobil

Wer sich aber Mobilität ohne ein rollendes Wohnzimmer gar nicht vorstellen kann, landet beim Reisemobil oder Wohnmobil. Es bietet beim Reisen in dicht besiedelten Regionen ein Höchstmaß an Privatheit, Intimität oder gar ein Heim bei monate- oder jahrelangen Reisen.

Trefflich spekulieren kann man darüber, weshalb die Wohnmobilbesitzer in Australiengrey nomads genannt und in Frankreich néo aventurier oder nono, nouveau-nomade. Manche Menschen mögen die »Weiße Flotte« nicht, die Hymer und Dethleffs gelten als »Tupperware« oder »Plastikschüssel«. Den ersten Wohnwagen Deutschlands baute übrigens Dethleffs 1931/32.

Das Bedürfnis nach Individualität, das Interesse am Straßenrand und Neugier, was wohl abseits des Weges zu entdecken sein mag, kennzeichnet die Globetrotter und ihre Fernreisemobile, einzigartige mobile Behausungen. Den Staat interessieren die feinen Unterschiede nicht. Im Kraftfahrzeugsteuergesetz vom Dezember 2006 wird die Wohnmobilsteuer geregelt und der Begriff erstmals gesetzlich definiert. Ein Kraftfahrzeug ist dann ein Wohnmobil, wenn es eindeutig zu Wohnzwecken dienen kann. Verkehrsrechtlich anerkannt wird es, wenn es mindestens enthält: Sitzgelegenheit mit Tisch; Schlafplätze, Küche mit Spüle und Kochstelle sowie Stauraum. Die Einrichtungen müssen mit Ausnahme des Tisches fest eingebaut sein. Was dabei technisch zugelassen wird, entscheidet der TÜV.

Busse

Ausgemusterte Omnibusse bieten mehr Wohn- und weniger Reisecharakter. Die großen Glasflächen fördern das Sightseeing, jedoch auf Kosten von Hitze- und Kälteproblemen. Die Geländegängigkeit ist eingeschränkt, dafür ist die Luftfederung luxuriös. Feuchte Wiesen und erst recht Offroad-Gelände sind keine gute Idee für Busse. Gefangenen-, Bücher- oder Röntgenbusse bieten durch die kleinen hochgelegenen Fenster wiederum mehr Intimität und werden zum Wohnbus.

Transporter

Die höchste Mobilität bieten kleine Reisemobile auf der Basis von Transportern. Sie entfalten ihre Vorteile in kleinen Dörfern und bleiben in Altstädten und Einkaufszonen als Lieferwagen unauffällig, auch wenn sie dort über Nacht stehen. Urahn ist der VW-Bully, mit dem man es durch die Sahara und bis zum Himalaya schaffte. Er war ein Hippiemobil.

Nutzfahrzeuge (etwa Paketdienste) fahren in wenigen Jahren mehrere hunderttausend Kilometer. Langlebigkeit ist in diesem Segment nachgeordnet und so verzichten manche Hersteller auf eine verzinkte Karosserie oder dicke Lackschichten - also Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf: Rostnester in den Radläufen, Schwellern, Schiebetürschienen, Front und Heckfenster …

Als Fahrzeugbasis kann ein Kleintransporter dienen, in der ursprünglichsten Form als Kastenwagen, mit teilintegriertem Fahrraum als Van, mit oder ohne Hubdach, oder raumoptimiert mit Alkoven über dem Führerhaus (»Nasenbär«) oder mit einer Kabine auf dem Chassis, dann sind Wohnraum und Fahrraum getrennt. Am oberen Ende dieser Gewichtsklasse bis 7,49t finden sich leichte Lkw.

Die heutigen Transporter (VW LT und seit 2006 der Crafter, Mercedes Sprinter, Fiat Ducato, Ford Transit, Peugeot Boxer …) kommen eher sachlich daher, in Längen von L1 bis L3 und in Höhen von H1 bis H3; erst ab L2/H2 kommen sie als WoMo in Frage. Deren Nutzlast liegt über 1000kg, mit dem Transit am unteren und dem Sprinter am oberen Ende der Belastbarkeit.

Größere Einsatzleitwagen (ELW 2 und 3) sind oft nicht viel gefahren, aber gut ausgerüstet, insbesondere die der Analytischen Task Force (ATF) haben manchmal 4×4, begehbares Dach, Außenbeleuchtung, Stromaggregat … Weit verbreitet sind Düdo und die »Berliner Wanne«

Allrad-Transporter und Geländewagen

Einen »Urahn« aller Geländewagen wird man vergeblich suchen, jedoch gilt als vorbildlicher Allrad-Transporter der Toyota-Hilux von 1968, im südlichen Afrika schätzen ihn die Farmer als »african workhorse«.

Marktführer in Deutschland sind die bis 2016 weitgehend baugleichen VW-Crafter (als Nachfolger des LT) und Mercedes-Sprinter (Motor und Kühlersystem sind unterschiedlich). In dieser Klasse fahren auch der Nissan NV400 und der Iveco Daily 4×4. Deren Allrad-Ausführungen stammen von Achleitner, Oberaigner und Iglhaut.

Geländewagenfahrer sind sozusagen die Backpacker unter den Fernreisemobilisten. Während der »normale Outdoorer« minimalistisch mit Zelt und Rucksack versucht abseits der Wege klarzukommen, will der motorisierte Globetrotter seine Bedürfnisse nicht ganz so weit zurückschrauben. Gelebt wird vor dem Wagen, geschlafen wird oft im Dachzelt, das Wageninnere ist Stauraum, alles zusammen ist der Geländewagen meist überladen.

Der erste reisefähige Geländewagen war der Land Rover (1948), man musste jedoch alle Ersatzteile mitführen, insbesondere Steckachsen. Reparieren konnte ihn jeder Buschmechaniker. Seit 2016 wird der »Landy« nicht mehr hergestellt. Die Eigentümer dieser mobilen Behausungen sind dadurch vereint, dass sie ein gewisses technisches Geschick mitbringen müssen. Schraubermentalität und das Komfortbedürfnis der besseren Hälfte suchen dann einen Ausgleich. Eine zweite große Geländewagengemeinde versammelt das Buschtaxi um sich, der Toyota Landcruiser.

Expeditionsmobile

Groß oder klein? Beides geht, will aber genau überlegt und geplant sein.

Die stürmischen Winde Patagoniens lassen ein Zeltleben nicht zu; im dichtbevölkerten Indien lernt man die distanzierende Wirkung des Wohnkoffers schätzen; in vielen städtischen Regionen dieser Welt sind hochgelegene Fenster und massive Schließanlagen kein Luxus.

Zwar hat man es mit zunehmendem Alter gerne etwas bequemer, aber auch bei den anderen Verrichtungen des Alltags wird das mitteleuropäische Intimitätsbedürfnis nicht überall verstanden - in erster Linie wurde der Tourist doch zur Unterhaltung der Einheimischen geschickt. Bei diesen jedoch hinterlässt die staubige Piste bei Fahrzeugtemperaturen um 50 Grad Spuren und erzeugt Bedürfnisse, die man nicht gerne mit den heraneilenden Nomadenkindern teilen möchte.

Auch wer größere Mengen Wasser und Treibstoff für mehrwöchige Fahrten abseits ausgefahrener Pisten benötigt, benötigt mehr als einen Transporter oder Geländewagen. Der zweite oder gar dritte Reservereifen, die Werkzeugkiste(n), Lubricants und Ersatzteile, Kompressor … Mit den Anforderungen an Reichweite und Autonomie wächst die Gewichtsklasse schnell: Unimog, Bremach, Pinzgauer (»Pinzi«), Robur …

Geländegängige Kraftpakete sind aber keine Leichtgewichte und so wächst die Nutzlast nicht im gleichen Maße. In der Wohnmobilklasse bis 3,5 Tonnen hat man vielleicht 350 kg Nutzlast, meist weniger. Das reicht knapp für den üblichen Urlaubsbedarf. Manchmal reicht aber kein Kleintransporter.

Der nächste Schritt führt zu Kleinlastwagen bis 7,49t mit Allradantrieb. Hanomagisch anziehend wirkte der Hanomag AL-28. Seit 1958 wurde er vor allem vom THW eingesetzt und bis 1971 hergestellt. Ausgemustert erwies er sich als hervorragendes Allrad-Expeditions-Basisfahrzeug für Afrikadurchquerungen: Hano-mag-ich!
Das Fernreisemobiltreffen begann als Hanomag A-L 28-Treffen, gegründet 1980 von »Sahara-Willy« Janssen. 1997 kam das Aus für Willys Hanomag A-L 28. Der Neue war das »Büffelchen« von Willy & Marianne Janssen, ein Kurzhauber von 1966. Ab 1998 wurde daher das A-L-28-Treffen zu Willys Fernreisemobiltreffen.

Mit dem Expeditionsmobil lassen sich Gebiete erschließen, die dem Backpacker verschlossen bleiben. Preiswerte Ausgangsbasis sind ausgemusterte Lkw, oft gut erhaltene und stabile Einsatzfahrzeuge von Deutscher Bahn, Feuerwehr, THW, DRK, Bundeswehr, NVA … Nach 1989 fanden die IFA, Tatra, Robur oder Ural ihren Weg nach Westen. Als bestes Basisfahrzeug in diesem Segment gelten heute die Steyr - sie lösen in ihrer Beliebtheit die Rundhauber und Kurzhauber … der vorherigen Jahrzehnte zunehmend ab.

Aber Vorsicht beim Kauf: Für viele Fahrzeuge der Bundeswehr, Polizei usw. bedarf es anschließend einer neuen Vollabnahme beim TÜV, manchmal auch einer Unbedenklichkeitsbescheinigung der Zentralen Militärkraftfahrtstelle. Die Tagesleuchtfarbe muss ab. Auch Sondersignalanlagen wie die blaue Rundumkennleuchte oder das Folgetonhorn müssen abgebaut werden, während das Blaulicht nur abgedeckt und beim Martinshorn das Kabel unterbrochen werden muss - ein »Schrauber« ist gefragt.

Manchmal ist es günstiger, das Wohnmobil als Lkw zuzulassen. Das geht aber nicht immer und nicht überall gleichermaßen: Ein Lkw hat eine Ladefläche und eine feste Bodenplatte, aber keine Sitzgelegenheiten hinten … Fenster müssen undurchsichtig sein oder verschweißt. Die Ladefläche muss größer sein als der Fahrgastraum, dazwischen gibt es eine Lastensicherung (Trennwand …) Es kommt auf die Zahl der Sitze an, auf die Airbags …

Auffällig ist, dass gerade die Selbstausbauten Namen erhalten sowie eine eigenwillige Bemalung. Das Fahrzeug drückt einen Teil der Persönlichkeit aus. Sogar einige herausragende Fahrzeugtypen erhalten zärtliche Spitznamen: Buschtaxi, Landy, Breitmaul, Pinzi

Ein richtiges Expeditionsmobil verlangt jedoch nach einem neuwertigen Fahrgestell, meist MAN. Darauf einen Zwischenrahmen und eine Kabine, die voll auf die persönlichen Ansprüche zugeschnitten ist, Elektro- und Solartechnik vom Feinsten. Nach der Reise werden die Narben der Pisten stolz getragen - wer Schrammen und Dellen hat, kann auch was erzählen.

Die Farbe

Nicht unwesentlich ist die Frage der Farbe:

  • Militärisches Olivgrün kann die Einreise in ein Land verhindern. Wer in der Wüste nicht auffallen möchte, wählt vermutlich etwas beige-sandfarbenes, jedoch fand die britischen Armee heraus, dass Pink die unauffälligste Farbe in der Wüste sei.
  • Weiß ist zwar in der Stadt unauffällig und reflektiert hervorragend Sonnenstrahlung, ist jedoch aus demselben Grund in der Steppe weithin sichtbar.
  • Postgelbes RAL 1004 (CH), 1021 (A), 1032 (D) bleibt gerade wegen seiner Auffälligkeit in Städten unbeachtet und darf überall stehen.
  • Wer nach Afrika fährt, denkt vielleicht über weiß-schwarze Zebramuster nach.
  • In letzter Zeit scheinen edle Grautöne dazu zu dienen, die technische Opulenz optisch etwas bescheidener wirken zu lassen.
  • Die Farbe Lila schließlich verdrängt jeden militärischen Aspekt und wird zum Alleinstellungsmerkmal.

Jenseits nützlicher Überlegungen wird das Wagenäußere zur Projektionsfläche: man trägt bunt. Von der zurückhaltenden Linienoptik bis zum Gesamtkunstwerk ist alles möglich. Kaum etwas ist möglich für H-Fahrzeuge - da ist das THW-Blau (RAL 5002) oder Feuerwehr-Rot (RAL 3000) ein Muss.

Schließlich finden wir in diesem Spektrum auch die »Bauwagenszene«. Das Reisen tritt in den Hintergrund, stattdessen wird ein mobiles Wohnen und Leben gepflegt, das über eine minimalistische Philosophie mit dem Reisen und Leben der Globetrotter verwandt ist.

Was sind eigentlich »Historische Fahrzeuge«?

Man erkennt sie am H am Ende des Kfz-Kennzeichens. Das Fahrzeug muss mindestens dreißig Jahre alt sein. Das H-Kennzeichen wird erst nach einer technischen Untersuchung zugeteilt, in der der originale bzw. zeitgenössische und gut erhaltene Zustand des Fahrzeugs bestätigt wird. Bei veränderten Fahrzeugen (Leistungssteigerung, Fahrwerksumbauten) oder bei durch alltägliche Verwendung stark abgenutzten Altfahrzeugen verweigern die technischen Prüfer oftmals den H-Status.

  • Der Vorteil dieses Status liegt in einer pauschalen Kfz-Steuer (191,73 Euro im Jahr).
  • Auch die Versicherungskosten sind oftmals niedriger, soweit das Angemeldetsein eines weiteren „normalen“ Alltags-Fahrzeugs darauf hindeutet, dass der Oldie nur zum Vergnügen unterhalten wird.
  • Alle Fahrzeuge, die vor dem 1. Juli 1969 gebaut bzw. erstzugelassen wurden, sind auch von der Abgasuntersuchung befreit.
  • Ein weiterer Vorteil des H-Kennzeichens ist, dass die EU-Abgasnormen nicht angewandt werden und damit das Fahren in Umweltzonen erlaubt ist.

niederländisch: Kampeertrucks

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