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wiki:flucht

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wiki:flucht [2019/06/14 12:50]
norbert [Wer konnte reisen?]
wiki:flucht [2019/08/13 07:47] (aktuell)
norbert [Wer konnte reisen?]
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 ==== Warum flüchten? ====  ==== Warum flüchten? ==== 
 ''​Sattler''​ findet das Lager gut geführt und mit zahlreichen Annehmlichkeiten ausgestattet. Auch Kopp lobt das Lager, die Offiziere behandelten sie gut und menschlich, die Verpflegung war großartig, Schneiderei,​ Bügelei, Wäscherei und Schuhmacherwerkstatt standen zur Verfügung; ein Orchester spielte auf, Theater wurde gegeben, Filme gezeigt, die verschiedensten Sportarten waren möglich. Deutsche Tropenärzte leiteten ein Hospital und ein Zahnlabor. // „Wir durften zweimal in der Woche Spaziergänge außerhalb des Lagers machen, hatten Unterhaltung und Sport. Zweimal wöchentlich spielte ein für uns gebautes und eingerichtetes Kino. Es gab eine große Bibliothek, die Bücher in fast allen Sprachen der Welt umfaßte. Eine Schule, Vorträge aller Art, Theater, Arbeitsräume für jeden nur erdenklichen Handwerksberuf - kurzum, wir hatten alles, was ein zivilisierter Europäer zu seiner Zufriedenheit braucht.“//​ ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ... , 12))  ''​Sattler''​ findet das Lager gut geführt und mit zahlreichen Annehmlichkeiten ausgestattet. Auch Kopp lobt das Lager, die Offiziere behandelten sie gut und menschlich, die Verpflegung war großartig, Schneiderei,​ Bügelei, Wäscherei und Schuhmacherwerkstatt standen zur Verfügung; ein Orchester spielte auf, Theater wurde gegeben, Filme gezeigt, die verschiedensten Sportarten waren möglich. Deutsche Tropenärzte leiteten ein Hospital und ein Zahnlabor. // „Wir durften zweimal in der Woche Spaziergänge außerhalb des Lagers machen, hatten Unterhaltung und Sport. Zweimal wöchentlich spielte ein für uns gebautes und eingerichtetes Kino. Es gab eine große Bibliothek, die Bücher in fast allen Sprachen der Welt umfaßte. Eine Schule, Vorträge aller Art, Theater, Arbeitsräume für jeden nur erdenklichen Handwerksberuf - kurzum, wir hatten alles, was ein zivilisierter Europäer zu seiner Zufriedenheit braucht.“//​ ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ... , 12)) 
-Weswegen also fliehen? Der Drang zur Freiheit, Abenteuerlust,​ das intellektuelle Vergnügen, gesetzte Schranken zumindest geistig zu überwinden,​ der Glaube an eine offene Zukunft - viele Motive waren möglich, jenseits praktischer Erwägungen: ​ //„Wenn ich mich trotzdem mit Fluchtgedanken trug, so bedarf das keiner näheren Erläuterung:​ jeder, der einmal längere Zeit hinter Stacheldraht lebte, wird das verstehen. Das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins,​ des nutzlosen Ausharrens in einer klimatisch so ungünstigen Zone und auch ein Körnchen Abenteuerlust waren die wichtigsten Beweggründe für meinen Plan...“//​ ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ... , 12)) +Weswegen also fliehen? Der Drang zur [[wiki:​freiheit|Freiheit]][[wiki:​abenteuer|Abenteuerlust]], das intellektuelle Vergnügen, gesetzte Schranken zumindest geistig zu überwinden,​ der Glaube an eine offene Zukunft - viele Motive waren möglich, jenseits praktischer Erwägungen: ​ //„Wenn ich mich trotzdem mit Fluchtgedanken trug, so bedarf das keiner näheren Erläuterung:​ jeder, der einmal längere Zeit hinter Stacheldraht lebte, wird das verstehen. Das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins,​ des nutzlosen Ausharrens in einer klimatisch so ungünstigen Zone und auch ein Körnchen Abenteuerlust waren die wichtigsten Beweggründe für meinen Plan...“//​ ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ... , 12)) 
 Auch für ''​Hans Kopp''​ war die Sache klar: // „Von jeher galt mir Freiheit als das Höchste. Schon als Kind begriff ich etwas von ihrem unschätzbarem Wert und fühlte mich nur dort wohl, wo ich meine eigenen Wege gehen und tun und lassen konnte, was ich wollte. Jedem Zwang verschloß ich mich oder suchte ihm zu entrinnen. Soweit ich zurückdenken kann, beseelten mich Abenteuerlust und eine unbändige Sehnsucht nach Unabhängigkeit,​ Wesenszüge,​ die denn auch mein ganzes bisheriges Leben mitbestimmten.“//​ ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 5)) Auch für ''​Hans Kopp''​ war die Sache klar: // „Von jeher galt mir Freiheit als das Höchste. Schon als Kind begriff ich etwas von ihrem unschätzbarem Wert und fühlte mich nur dort wohl, wo ich meine eigenen Wege gehen und tun und lassen konnte, was ich wollte. Jedem Zwang verschloß ich mich oder suchte ihm zu entrinnen. Soweit ich zurückdenken kann, beseelten mich Abenteuerlust und eine unbändige Sehnsucht nach Unabhängigkeit,​ Wesenszüge,​ die denn auch mein ganzes bisheriges Leben mitbestimmten.“//​ ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 5))
  
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 Am 24. Juni trafen Kopp und Harrer in Tibet wieder auf Aufschnaiter,​ doch während Kopp sich freute, war Harrer mißmutig und wollte zuerst nicht mit Aufschnaiter zusammen weiterziehen. ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 141)) Harrer dagegen betonte in seinem Buch, daß Aufschnaiter nicht mit ihnen weiterziehen wollte. Und obwohl sich die beiden nicht sehr zugetan sind, werden sie mehrere Jahre mehr oder weniger gemeinsam in Tibet verbringen. Bei Harrer werden Konflikte nicht thematisiert:​ Wo er im Landschaftlichen schwelgt, beschreibt Kopp Details im Zwischenmenschlichen. Wenn sich Harrer auf ein allgemeines „wir“ zurückzieht,​ nennt Kopp Namen, legt den Finger auf offene Wunden, auf eigene Unzulänglichkeiten,​ nennt Disharmonien,​ Ängste und Mißgeschicke beim Namen. Harrer schönt an diesen Stellen, schweigt oder wird doppeldeutig,​ überspielt Mißverständnisse und Streit. Während er sagt: //​„...Aufschnaiter und Treipel waren etwas zurückgeblieben,​ Kopp und ich bildeten die Vorhut ...“// ((Harrer, Sieben Jahre in Tibet, 22)), heißt das bei Kopp: // „Leider war es in diesen Tagen dann und wann zu kleinen Mißhelligkeiten gekommen, so daß Harrer, als Aufschnaiter und Treipl am nächsten Morgen mit Kochen und Packen nicht rechtzeitig fertig wurden, sich dafür entschied, nicht länger auf sie zu warten.“//​ ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 117)) Am 24. Juni trafen Kopp und Harrer in Tibet wieder auf Aufschnaiter,​ doch während Kopp sich freute, war Harrer mißmutig und wollte zuerst nicht mit Aufschnaiter zusammen weiterziehen. ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 141)) Harrer dagegen betonte in seinem Buch, daß Aufschnaiter nicht mit ihnen weiterziehen wollte. Und obwohl sich die beiden nicht sehr zugetan sind, werden sie mehrere Jahre mehr oder weniger gemeinsam in Tibet verbringen. Bei Harrer werden Konflikte nicht thematisiert:​ Wo er im Landschaftlichen schwelgt, beschreibt Kopp Details im Zwischenmenschlichen. Wenn sich Harrer auf ein allgemeines „wir“ zurückzieht,​ nennt Kopp Namen, legt den Finger auf offene Wunden, auf eigene Unzulänglichkeiten,​ nennt Disharmonien,​ Ängste und Mißgeschicke beim Namen. Harrer schönt an diesen Stellen, schweigt oder wird doppeldeutig,​ überspielt Mißverständnisse und Streit. Während er sagt: //​„...Aufschnaiter und Treipel waren etwas zurückgeblieben,​ Kopp und ich bildeten die Vorhut ...“// ((Harrer, Sieben Jahre in Tibet, 22)), heißt das bei Kopp: // „Leider war es in diesen Tagen dann und wann zu kleinen Mißhelligkeiten gekommen, so daß Harrer, als Aufschnaiter und Treipl am nächsten Morgen mit Kochen und Packen nicht rechtzeitig fertig wurden, sich dafür entschied, nicht länger auf sie zu warten.“//​ ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 117))
  
-In Gartok erhielten unsere drei Reisenden erstmals einen Reisepaß für Tibet, der die einzelnen Stationen ihrer Reise auswies und für die Ausreise nach Nepal galt. Alle drei schworen, sich daran zu halten und brachen am 13. Juli auf. Mehrere Wochen waren sie nun unterwegs mit ''​Norbu'',​ ihrem tibetischen Begleiter und Aufpasser. Ihr Paß war gültig bis Gyabnak. Im nächsten Ort, in Tradün, wandten sie sich an den örtlichen Bönpo, den höchsten Beamten und handelten um die Erlaubnis, nach Lhasa ziehen zu dürfen. Sie erfuhren weder Ablehnung noch Zusage und durften einen Brief nach Lhasa schreiben, um ihr Anliegen vorzubringen. Sie erhielten eine Unterkunft, reichlich Lebensmittel und eine gewisse Bewegungsfreiheit. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate. Aufschnaiter hatte mittlerweile fast sein ganzes Geld verbraucht. Er kaufte sich von seinem letzten Geld einige Lastschafe und wollte mit ihnen ins Landesinnere ziehen. Doch schon in der ersten Nacht wurden bis auf eines alle von Wölfen gerissen.+In Gartok erhielten unsere drei Reisenden erstmals einen Reisepaß für Tibet, der die einzelnen Stationen ihrer Reise auswies und für die Ausreise nach Nepal galt. Alle drei schworen, sich daran zu halten und brachen am 13. Juli auf. Mehrere Wochen waren sie nun unterwegs mit ''​Norbu'',​ ihrem tibetischen Begleiter und Aufpasser. Ihr Paß war gültig bis Gyabnak. Im nächsten Ort, in Tradün, wandten sie sich an den örtlichen Bönpo, den höchsten Beamten und handelten um die Erlaubnis, nach Lhasa ziehen zu dürfen. Sie erfuhren weder Ablehnung noch Zusage und durften einen Brief nach Lhasa schreiben, um ihr Anliegen vorzubringen. Sie erhielten eine Unterkunft, reichlich Lebensmittel und eine gewisse ​[[wiki:​reisefreiheit|Bewegungsfreiheit]]. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate. Aufschnaiter hatte mittlerweile fast sein ganzes Geld verbraucht. Er kaufte sich von seinem letzten Geld einige Lastschafe und wollte mit ihnen ins Landesinnere ziehen. Doch schon in der ersten Nacht wurden bis auf eines alle von Wölfen gerissen.
 Als nach drei Monaten die Antwort eintraf, hatte sich Kopp bereits verabschiedet und war unterwegs nach Nepal. Harrer, der noch über genügend Geld verfügte, blieb mit dem erfahrenen und sprachkundigen Aufschnaiter zurück:​  ​ //„Harrer besaß jedoch bedeutend mehr als ich, und er bot mir an, gemeinsam zu wirtschaften. Ein kleines Einkommen hatten wir aus unserer ärztlichen Tätigkeit, wobei es allerdings keine sensationellen Erfolge zu verzeichnen gab.“// ((Brauen, Peter Aufschnaiter. Sein Leben in Tibet, 41)) Als nach drei Monaten die Antwort eintraf, hatte sich Kopp bereits verabschiedet und war unterwegs nach Nepal. Harrer, der noch über genügend Geld verfügte, blieb mit dem erfahrenen und sprachkundigen Aufschnaiter zurück:​  ​ //„Harrer besaß jedoch bedeutend mehr als ich, und er bot mir an, gemeinsam zu wirtschaften. Ein kleines Einkommen hatten wir aus unserer ärztlichen Tätigkeit, wobei es allerdings keine sensationellen Erfolge zu verzeichnen gab.“// ((Brauen, Peter Aufschnaiter. Sein Leben in Tibet, 41))
  
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 Wichtiger als die unterschiedlichen Ziele ist das Maß der Selbstbestimmtheit,​ das Soldaten und Reisende unterscheidet. Der wirklich Reisende „kämpft“ zwar mit äußeren Zwängen - er sucht sie jedoch durch Form und Stil seiner Reise selber aus und bestimmt so den Rahmen der Unwägbarkeiten und den Grad des Risikos. Seine Handlungen sind ausschließlich dem eigenen Willen und Wollen unterworfen;​ ob er damit sein Ziel erreicht, ist eine sekundäre Frage. Dagegen ist der Soldat nahezu ausschließlich befehlsgeleitet,​ ein eigener Wille unerwünscht. Und während der Reisende seine Reise jederzeit abbrechen kann, wird Desertion beim Soldaten mit dem Tode bestraft. Wichtiger als die unterschiedlichen Ziele ist das Maß der Selbstbestimmtheit,​ das Soldaten und Reisende unterscheidet. Der wirklich Reisende „kämpft“ zwar mit äußeren Zwängen - er sucht sie jedoch durch Form und Stil seiner Reise selber aus und bestimmt so den Rahmen der Unwägbarkeiten und den Grad des Risikos. Seine Handlungen sind ausschließlich dem eigenen Willen und Wollen unterworfen;​ ob er damit sein Ziel erreicht, ist eine sekundäre Frage. Dagegen ist der Soldat nahezu ausschließlich befehlsgeleitet,​ ein eigener Wille unerwünscht. Und während der Reisende seine Reise jederzeit abbrechen kann, wird Desertion beim Soldaten mit dem Tode bestraft.
  
-Reisende werden in Kriegszeiten wie Soldaten, Gefangene, Spione behandelt (Aram, Harrer, Sattler). Reisende sind in Kriegszeiten nun einmal häufig nicht mehr selbstbestimmt,​ Zwänge bestimmen ihr Dasein, Unterordnung ihr Verhalten. Sie sind Befehlen unterworfen,​ ihre Handlungsfreiheit ist marginalisiert,​ die Reise nicht mehr abbrechbar, wenngleich meist beendet.+Reisende werden in Kriegszeiten wie Soldaten, Gefangene, Spione behandelt (Aram, Harrer, Sattler). Reisende sind in Kriegszeiten nun einmal häufig nicht mehr selbstbestimmt,​ Zwänge bestimmen ihr Dasein, Unterordnung ihr Verhalten. Sie sind Befehlen unterworfen,​ ihre [[wiki:​grundfreiheiten|Handlungsfreiheit]] ist marginalisiert,​ die Reise nicht mehr abbrechbar, wenngleich meist beendet.
  
 Ein Flüchtiger wandelt auf der Grenze zwischen beiden Extremen. Have bemerkt das bereits auf der Flucht: // „Erst jahrelang als Gefangener reines Objekt, das alles mit sich geschehen läßt, dann plötzlich, das Geschick an sich reißend, selbstbestimmter,​ eigenmächtiger Akteur! Aber welch labiles Gleichgewicht zwischen eigenem Handeln und den sich darbietenden,​ entgegenkommenden Situationen!“//​ ((Magener, Die Chance war Null, 51)) Ein Flüchtiger wandelt auf der Grenze zwischen beiden Extremen. Have bemerkt das bereits auf der Flucht: // „Erst jahrelang als Gefangener reines Objekt, das alles mit sich geschehen läßt, dann plötzlich, das Geschick an sich reißend, selbstbestimmter,​ eigenmächtiger Akteur! Aber welch labiles Gleichgewicht zwischen eigenem Handeln und den sich darbietenden,​ entgegenkommenden Situationen!“//​ ((Magener, Die Chance war Null, 51))
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 ==== Wer konnte reisen? ====  ==== Wer konnte reisen? ==== 
-Bei der ersten und zweiten Situation war es mit der Freiheit des Reisens dann auf einige Zeit vorbei, in der dritten Situation war zumindest ein fremdes Land zum „Gefängnis“ geworden. Nur für wehruntaugliche Bürger (z.B. Kurt Faber) und Frauen der kriegführenden Nationen bestand zumindest theoretisch die Möglichkeit zu reisen, und dann nur in befreundeten Ländern. Selbst offiziell neutrale Länder waren häufig nicht wirklich souverän in ihrer Neutralität;​ so wurde Kopp von Nepal an die Engländer ausgeliefert. Im während des Ersten Weltkriegs neutralen Amerika war die öffentliche Stimmung sehr gegen die Deutschen eingestellt,​ so daß man dort als deutscher Reisender auch kein leichtes Leben hatte. ''​Colin Ross'',​ bekannter Reiseschriftsteller und Viel-Reisender,​ verstand sich so gut mit den Machthabern des Dritten Reiches, daß er 1944 durch die besetzten Gebiete in Marokko, Algerien und Tunesien reiste und den Krieg als Retter heruntergekommener Gebiete feierte ((Ross, Umkämpftes Afrika.)) Auch dies dürfte nur ein Einzelfall gewesen sein.+Bei der ersten und zweiten Situation war es mit der [[wiki:​reisefreiheit|Freiheit des Reisens]] dann auf einige Zeit vorbei, in der dritten Situation war zumindest ein fremdes Land zum „Gefängnis“ geworden. Nur für wehruntaugliche Bürger (z.B. Kurt Faber) und Frauen der kriegführenden Nationen bestand zumindest theoretisch die Möglichkeit zu reisen, und dann nur in befreundeten Ländern. Selbst offiziell neutrale Länder waren häufig nicht wirklich souverän in ihrer Neutralität;​ so wurde ''​Kopp'' ​von Nepal an die Engländer ausgeliefert. Im während des Ersten Weltkriegs neutralen Amerika war die öffentliche Stimmung sehr gegen die Deutschen eingestellt,​ so daß man dort als deutscher Reisender auch kein leichtes Leben hatte. ''​Colin Ross'',​ bekannter Reiseschriftsteller und Viel-Reisender,​ verstand sich so gut mit den Machthabern des Dritten Reiches, daß er 1944 durch die besetzten Gebiete in Marokko, Algerien und Tunesien reiste und den Krieg als Retter heruntergekommener Gebiete feierte ((Ross, Umkämpftes Afrika.)) Auch dies dürfte nur ein Einzelfall gewesen sein.
  
-Weitergehende Reisefreiheit hatten Bürger der neutralen Länder und so ist es kein Zufall, daß das einzige Beispiel eines freiwillig während des zweiten Weltkriegs Reisenden von einem Schweizer stammt (Hans von Meiss-Teuffen). Da aber auch diese Länder eine Armee unterhielten,​ mußte man schon wehruntauglich sein. Probleme der Grenzüberschreitung,​ der schnell wechselnden Machtverhältnisse,​ Willkür von Vollzugsbeamten,​ Devisenschwierigkeiten lassen sich am besten auf den Meeren „umschiffen“. Außerhalb der Dreimeilenzone befindet man sich in internationalen Gewässern, außerhalb aller Grenzen. Und in den Hafen einlaufend, gelten die Planken des Schiffes als exterritorialer Boden. Diese Vorteile nutzte Meiss-Teuffen ebenso wie die deutschen Schiffe, die sich zu Anfang des Krieges in holländische Häfen in Asien geflüchtet hatten.+Weitergehende Reisefreiheit hatten Bürger der neutralen Länder und so ist es kein Zufall, daß das einzige Beispiel eines freiwillig während des zweiten Weltkriegs Reisenden von einem Schweizer stammt (''​Hans von Meiss-Teuffen''​). Da aber auch diese Länder eine Armee unterhielten,​ mußte man schon wehruntauglich sein. Probleme der Grenzüberschreitung,​ der schnell wechselnden Machtverhältnisse,​ Willkür von Vollzugsbeamten,​ Devisenschwierigkeiten lassen sich am besten auf den Meeren „umschiffen“. Außerhalb der Dreimeilenzone befindet man sich in internationalen Gewässern, außerhalb aller Grenzen. Und in den Hafen einlaufend, gelten die Planken des Schiffes als exterritorialer Boden. Diese Vorteile nutzte ​''​Meiss-Teuffen'' ​ebenso wie die deutschen Schiffe, die sich zu Anfang des Krieges in holländische Häfen in Asien geflüchtet hatten.
  
-Bei einigen der durch Krieg jahrelang von der Heimat ferngebliebenen Deutschen hatte die lange Abwesenheit den Effekt, daß sie sich nach der [[wiki:​heimkehr|Heimkehr]] in Deutschland nicht mehr wohlfühlten:​ Pritzke ist nur kurz in Berlin und geht dann wieder nach Beirut, um sich dort niederzulassen;​ Kopp verläßt Deutschland nach knapp zwei Jahren wieder, arbeitet und wohnt im Ausland; Peter Aufschnaiter kehrt über Jahrzehnte hinweg nur zu kurzen Urlauben nach Österreich zurück. Harrer wohnt zwar in Österreich,​ ist aber jedes Jahr unterwegs, ähnlich halten es Ross und Plüschow.+Bei einigen der durch Krieg jahrelang von der Heimat ferngebliebenen Deutschen hatte die lange Abwesenheit den Effekt, daß sie sich nach der [[wiki:​heimkehr|Heimkehr]] in Deutschland nicht mehr wohlfühlten: ​''​Pritzke'' ​ist nur kurz in Berlin und geht dann wieder nach Beirut, um sich dort niederzulassen; ​''​Kopp'' ​verläßt Deutschland nach knapp zwei Jahren wieder, arbeitet und wohnt im Ausland; ​''​Peter Aufschnaiter'' ​kehrt über Jahrzehnte hinweg nur zu kurzen Urlauben nach Österreich zurück. ​''​Harrer'' ​wohnt zwar in Österreich,​ ist aber jedes Jahr unterwegs, ähnlich halten es ''​Ross'' ​und ''​Plüschow''​.
  
 ==== Strategien der Flucht ==== ==== Strategien der Flucht ====
wiki/flucht.1560509433.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/06/14 12:50 von norbert