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wiki:flucht

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norbert
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 Wer sich derart unvermittelt in Feindesland wiederfand konnte mit etwas Glück, Papieren, Geld und schneller Entschlußkraft noch in neutrale Länder ausreisen. Walter-Eberhard Freiherr von Medem hat soviel Glück, als er kurz vor der Kriegserklärung Englands noch an Bord eines deutschen Dampfers kommt. John Hagenbeck empört sich über seine Ausweisung aus Ceylon, wo er schon viele Jahre lebte, doch die zurückgebliebenen Deutschen wurden entgegen aller Zusagen interniert. Nur selten gelang es Reisenden, im jeweiligen Aufenthaltsland zu bleiben und normal zu leben: Hans Helfritz war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Südamerika,​ blieb dort zwanzig Jahre und nahm die chilenische Staatsangehörigkeit an. Solches gelang am ehesten in südamerikanischen Ländern. Wer sich derart unvermittelt in Feindesland wiederfand konnte mit etwas Glück, Papieren, Geld und schneller Entschlußkraft noch in neutrale Länder ausreisen. Walter-Eberhard Freiherr von Medem hat soviel Glück, als er kurz vor der Kriegserklärung Englands noch an Bord eines deutschen Dampfers kommt. John Hagenbeck empört sich über seine Ausweisung aus Ceylon, wo er schon viele Jahre lebte, doch die zurückgebliebenen Deutschen wurden entgegen aller Zusagen interniert. Nur selten gelang es Reisenden, im jeweiligen Aufenthaltsland zu bleiben und normal zu leben: Hans Helfritz war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Südamerika,​ blieb dort zwanzig Jahre und nahm die chilenische Staatsangehörigkeit an. Solches gelang am ehesten in südamerikanischen Ländern.
  
-Wer es nicht schaffte, sich rechtzeitig abzusetzen, dem drohte neben dem Unwillen der Bevölkerung Hausarrest, die Internierung in Gefängnis, Zuchthaus oder Konzentrationslager. Concentration camps gab es bei den Engländern bereits im Ersten Weltkrieg - allerdings waren diese nicht mit den Konzentrationslagern der Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen. Auch die Vichy-Regierung im besetzten Frankreich richtete Konzentrationslager ein:  //„In diesen Lagern ... werden gespeist, gekleidet und zu nützlicher Arbeit angehalten alle jene unerwünschten und nicht anpassungsfähigen Elemente, die sich anders nicht weiterhelfen könnten: alle jene, die sonst in die Fremdenlegion eingetreten wären, Landstreicher und Heruntergekommene,​ die sich verelendet in den Städten herumtrieben,​ potentielle Verbrecher und unerwünschte [[wiki:​auslaender|Ausländer]].“//​ ((Rosenthal,​ Einmal Legionär, 263)) ((''​Andrzej Szczypiorski''​ erklärt die Entstehung des Lagerkonzeptes://​ „Man kann sagen, das Lager sei als Folge der Dummheit entstanden. Der Mensch ist von Natur aus schwach und fürchtet sich darum vor der Wirklichkeit. Je geringer sein Wissen um die ihn umgebende Welt, desto größere Ängste hat er. Angst erzeugt Aggression. Was ich nicht kenne, ist mir fremd. Das Fremde ist für mich feindlich, bedrohlich und erfüllt mich mit Furcht. Ich müßte also das Fremde von meiner Welt isolieren, es aus meiner Welt eliminieren. Das Lager ist ein guter Ort, um in ihm meine Ängste einzuschließen. ... Das Lager habe ich mit Stacheldraht umgeben, Wachen aufgestellt,​ meine Welt ist gereinigt von fremden Elementen. Ich atme erleichtert auf, weil ich die Sphäre meiner Ängste begrenzt habe.“// (in: „Das Ende aller Zivilisation“) ))+Wer es nicht schaffte, sich rechtzeitig abzusetzen, dem drohte neben dem Unwillen der Bevölkerung Hausarrest, die Internierung in Gefängnis, Zuchthaus oder Konzentrationslager. Concentration camps gab es bei den Engländern bereits im Ersten Weltkrieg - allerdings waren diese nicht mit den Konzentrationslagern der Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen. Auch die Vichy-Regierung im besetzten Frankreich richtete Konzentrationslager ein:  //„In diesen Lagern ... werden gespeist, gekleidet und zu nützlicher Arbeit angehalten alle jene unerwünschten und nicht anpassungsfähigen Elemente, die sich anders nicht weiterhelfen könnten: alle jene, die sonst in die Fremdenlegion eingetreten wären, Landstreicher und Heruntergekommene,​ die sich verelendet in den Städten herumtrieben,​ potentielle Verbrecher und unerwünschte [[wiki:​auslaender|Ausländer]].“//​ ((Rosenthal,​ Einmal Legionär, 263)) ((''​Andrzej Szczypiorski''​ erklärt die Entstehung des Lagerkonzeptes://​ „Man kann sagen, das Lager sei als Folge der Dummheit entstanden. Der Mensch ist von Natur aus schwach und fürchtet sich darum vor der Wirklichkeit. Je geringer sein [[wiki:​wissen|Wissen]] um die ihn umgebende Welt, desto größere Ängste hat er. Angst erzeugt Aggression. Was ich nicht kenne, ist mir fremd. Das Fremde ist für mich feindlich, bedrohlich und erfüllt mich mit Furcht. Ich müßte also das Fremde von meiner Welt isolieren, es aus meiner Welt eliminieren. Das Lager ist ein guter Ort, um in ihm meine Ängste einzuschließen. ... Das Lager habe ich mit Stacheldraht umgeben, Wachen aufgestellt,​ meine Welt ist gereinigt von fremden Elementen. Ich atme erleichtert auf, weil ich die Sphäre meiner Ängste begrenzt habe.“// (in: „Das Ende aller Zivilisation“) ))
  
 Die Lagersysteme glichen sich überall auf der Welt und machten den Internierten das Leben mal mehr, mal weniger schwer. Zunächst einmal waren es tatsächlich „Konzentrationslager“:​ Wer sich in den englischen Kolonialgebieten Afrikas oder Asiens befand, kam mit ziemlicher Sicherheit in eines der indischen Lager, nach Ahmednagar oder Dehra-Dun, lediglich in Ägypten scheint es zusätzliche Lager der Engländer gegeben zu haben. Die Russen brachten die Internierten hinter den Ural, also nach Sibirien, dort konnte man in einem der vielen Lager zwischen Omsk und Sachalin landen, die teils Arbeitslager waren, teils mußten sich die Internierten in normalen Dörfern einquartieren ((Wie die Lagersysteme der Sowjetunion bis in die 80er Jahre hinein aussahen, wo sie lagen und was dort geschah, ist ausführlich nachzulesen in ''​A. Shifrin'':​ //​Reiseführer durch Gefängnisse und Konzentrationslager in der Sowjetunion//​)). Die Franzosen waren nach dem Waffenstillstand 1942 Erfüllungsgehilfen des deutschen NS-Regimes und besaßen Lager in Marokko und Westafrika. Erwähnt wird, daß auch die Holländer Internierungslager hatten: ''​Max Dauthendey''​ (*25.7.1867 in Würzburg), Weltreisender und berühmter Verfasser von Erzählungen und Romanen zu Anfang dieses Jahrhunderts,​ starb 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs in niederländischer Internierung in Malang auf Java. Franzosen und Russen führten überwiegend Arbeitslager,​ die Engländer unterschieden zwischen gut geführten Lagern (z.B. Dehra-Dun), härteren und Straflagern (z.B. Deoli). Man konnte sich also durchaus verschlechtern oder verbessern. Franzosen und Engländer hatten auch Erholungslager (z.B. Ramandrugh) für solche Internierten,​ die schwer erkrankt waren. Die Lagersysteme glichen sich überall auf der Welt und machten den Internierten das Leben mal mehr, mal weniger schwer. Zunächst einmal waren es tatsächlich „Konzentrationslager“:​ Wer sich in den englischen Kolonialgebieten Afrikas oder Asiens befand, kam mit ziemlicher Sicherheit in eines der indischen Lager, nach Ahmednagar oder Dehra-Dun, lediglich in Ägypten scheint es zusätzliche Lager der Engländer gegeben zu haben. Die Russen brachten die Internierten hinter den Ural, also nach Sibirien, dort konnte man in einem der vielen Lager zwischen Omsk und Sachalin landen, die teils Arbeitslager waren, teils mußten sich die Internierten in normalen Dörfern einquartieren ((Wie die Lagersysteme der Sowjetunion bis in die 80er Jahre hinein aussahen, wo sie lagen und was dort geschah, ist ausführlich nachzulesen in ''​A. Shifrin'':​ //​Reiseführer durch Gefängnisse und Konzentrationslager in der Sowjetunion//​)). Die Franzosen waren nach dem Waffenstillstand 1942 Erfüllungsgehilfen des deutschen NS-Regimes und besaßen Lager in Marokko und Westafrika. Erwähnt wird, daß auch die Holländer Internierungslager hatten: ''​Max Dauthendey''​ (*25.7.1867 in Würzburg), Weltreisender und berühmter Verfasser von Erzählungen und Romanen zu Anfang dieses Jahrhunderts,​ starb 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs in niederländischer Internierung in Malang auf Java. Franzosen und Russen führten überwiegend Arbeitslager,​ die Engländer unterschieden zwischen gut geführten Lagern (z.B. Dehra-Dun), härteren und Straflagern (z.B. Deoli). Man konnte sich also durchaus verschlechtern oder verbessern. Franzosen und Engländer hatten auch Erholungslager (z.B. Ramandrugh) für solche Internierten,​ die schwer erkrankt waren.
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