Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:katastrophe

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu der Vergleichsansicht

Beide Seiten, vorherige Überarbeitung Vorherige Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorherige Überarbeitung
wiki:katastrophe [2019/11/25 17:01]
norbert
wiki:katastrophe [2020/05/23 07:43] (aktuell)
norbert [Handlungsmöglichkeiten]
Zeile 1: Zeile 1:
 ====== Katastrophe ====== ====== Katastrophe ======
 Der Begriff kommt über das lateinische //​catastropha//​ aus dem altgriechischen //​katastrophḗ//​ und ist dort zusammengesetzt aus //κατά katá// (herab-, nieder-) und //​στρέφειν stréphein//​ (wenden). Der Begriff kommt über das lateinische //​catastropha//​ aus dem altgriechischen //​katastrophḗ//​ und ist dort zusammengesetzt aus //κατά katá// (herab-, nieder-) und //​στρέφειν stréphein//​ (wenden).
- 
-Gemeint ist damit eine Situation, die sich in einer **Krise** entwickelt, einen bedrohlichen Höhepunkt erreicht, einen »kritischen Punkt«, vielleicht gar Scheide zwischen Sein und Nicht-Sein. Derart angewandt wurde der Begriff bereits in der Antike sowohl für Krankheitskrisen als auch für den dramatischen Höhepunkt in der Tragödie. 
- 
-Die Krise ist die Folge eines gestörten Gleichgewichts:​ gesundheitlich,​ sozial, spirituell oder auch in der Natur. Das Ergebnis ist immer eine Wende, weil anschließend nichts mehr so ist, wie es war. Einerseits wird immer etwas zerstört, andererseits entsteht wieder ein neues **Gleichgewicht** bis zur nächsten Katastrophe - nichts hält ewig an. In der Zerstörung des Bestehenden liegt jedoch auch die Chance für Neues. In der griechischen Sage entstand die Welt aus dem Chaos; auch der Phoenix verbrennt und entsteht aus seiner Asche neu. Die christliche Kirche kennt dies als Kunst, gut zu sterben: //»Vita mutandur, non tollitur«//​ (Das Leben ändert sich, aber es endet nicht). 
- 
-Der Katastrophenbegriff ist heute nahezu ausschließlich negativ besetzt, wird mit *[[wiki:​gefahr|Gefahren]] assoziiert und löst * [[wiki:​angst|Angst]] aus. Eine Katastrophe gilt als verheerend und droht mit Zusammenbruch und Untergang, jedenfalls mit dem Verlust von Sicherheit. Dieses Begriffsverständnis wird gefördert, weil der Nachrichtenwert solcher Ereignisse hoch ist, führt jedoch zu einem //gap// zwischen [[wiki:​real_life_oder_virtual_reality|real life und virtual reality]]. 
- 
-Der Historiker ''​Hans-Peter Schwarz''​ schrieb 1990 in seinem Essay //Die ausgebliebene Katastrophe//,​ die Geschichte der Bundesrepublik wäre unentwegt von kollektiven Ängsten bestimmt gewesen, unter zyklisch aufwallender Alarmhaltung:​ vor dem atomaren Holocaust 1962, Notstandsgesetze 1968, Ölkrise und Grenzen des Wachstums 1972, RAF-Terror 1970-93, Weltbedrohung Saurer Regen 1985 und Waldsterben,​ Rüstungswettlauf bis 1989 und no-future-Punk 1980er), Vogelgrippe 2013 - das //Goldene Zeitalter// dagegen war immer nur in der Erinnerung. 2019 setzt ''​Frank Biess''​ die Erzählung fort in seinem Buch »Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik« ((Rowohlt, ISBN 9783498006785,​ 624 Seiten)). 
  
 Das //Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI// stellt den Begriff der Katastrophe an die Spitze einer Begriffshierarchie ((BSI-Standards 100-4)), die sich in abgewandelter Form auch auf Katastrophen außerhalb der Informatik anwenden lässt: Das //Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI// stellt den Begriff der Katastrophe an die Spitze einer Begriffshierarchie ((BSI-Standards 100-4)), die sich in abgewandelter Form auch auf Katastrophen außerhalb der Informatik anwenden lässt:
 ^ Vorfallsart^Erläuterung^Behandlung^ ​ ^ Vorfallsart^Erläuterung^Behandlung^ ​
 ^ Störung|Kurzzeitiger Ausfall von (Prozessen, Ressourcen ...), geringer Schaden| handwerkliche Störungsbehebung| ​ ^ Störung|Kurzzeitiger Ausfall von (Prozessen, Ressourcen ...), geringer Schaden| handwerkliche Störungsbehebung| ​
-^ Notfall|Längerer Ausfall, hoher Schaden| Notfallorganisation| ​+^ Notfall|Längerer Ausfall, hoher Schaden| [[wiki:​notlage|Notfallorganisation]]
 ^ Krise| existentieller Schaden möglich, mit begrenztem zeitlichem und räumlichem Ausmaß | Krisenmanagement| ​ ^ Krise| existentieller Schaden möglich, mit begrenztem zeitlichem und räumlichem Ausmaß | Krisenmanagement| ​
 ^ Katastrophe| Zerstörungen,​ die räumlich und zeitlich kaum zu begrenzen sind | Schadensbegrenzung| ​ ^ Katastrophe| Zerstörungen,​ die räumlich und zeitlich kaum zu begrenzen sind | Schadensbegrenzung| ​
  
-----+==== Gleichgewicht und Wandel ==== 
 +Gemeint ist mit Katastrophe also der Höhepunkt einer **[[wiki:​Krise|Krise]]**,​ der Übergang zu etwas Neuem, der Scheide zwischen Sein und Nicht-Sein. Das Ergebnis ist immer eine Wende, weil anschließend nichts mehr so ist, wie es war. Einerseits wird immer etwas zerstört, andererseits entsteht wieder ein neues **Gleichgewicht** bis zur nächsten Katastrophe ​nichts hält ewig an. In der Zerstörung des Bestehenden liegt jedoch auch die Chance für Neues. In der griechischen Sage entstand die Welt aus dem Chaos; auch der Phoenix verbrennt und entsteht aus seiner Asche neu. Die christliche Kirche kennt dies als Kunst, gut zu sterben: //»Vita mutandur, non tollitur«//​ (Das Leben ändert sich, aber es endet nicht). 
 + 
 +==== Angst und Sicherheit ==== 
 +Der Katastrophenbegriff ist heute nahezu ausschließlich negativ besetzt, wird mit *[[wiki:​gefahr|Gefahren]] assoziiert und löst * [[wiki:​angst|Angst]] aus. Eine Katastrophe gilt als verheerend und droht mit Zusammenbruch und Untergang, jedenfalls mit dem Verlust von Sicherheit. Dieses Begriffsverständnis wird gefördert, weil der Nachrichtenwert solcher Ereignisse hoch ist, führt jedoch zu einem //gap// zwischen [[wiki:​real_life_oder_virtual_reality|real life und virtual reality]].
  
 +Der Historiker ''​Hans-Peter Schwarz''​ schrieb 1990 in seinem Essay //Die ausgebliebene Katastrophe//​ ((Die  ausgebliebene Katastrophe. Eine  Problemskizze zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,​ S. 151-174 in:   ​Hermann Rudolph [Hrsg.]:Den Staat denken. 1990 Berlin: Siedler)), die Geschichte der Bundesrepublik wäre unentwegt von kollektiven Ängsten bestimmt gewesen, unter zyklisch aufwallender Alarmhaltung:​ vor dem atomaren Holocaust 1962, Notstandsgesetze 1968, Ölkrise und Grenzen des Wachstums 1972, RAF-Terror 1970-93, Weltbedrohung Saurer Regen 1985 und Waldsterben,​ Rüstungswettlauf bis 1989 und no-future-Punk 1980er), Vogelgrippe 2013 - das //Goldene Zeitalter// dagegen war immer nur in der Erinnerung. 2019 setzt ''​Frank Biess''​ die Erzählung fort in seinem Buch »Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik« ((Rowohlt, ISBN 9783498006785,​ 624 Seiten)). Die »Corona-Pandemie« wurde 2020 tatsächlich zur Katastrophe mit weltweiten Auswirkungen,​ die in ihrer Intensität immer wieder mit dem Zweiten Weltkrieg verglichen wurde.
 +==== Handlungsmöglichkeiten ====
 +Einfache Gemüter handeln nach dem *[[wiki:​sankt-florian-prinzip|Sankt-Florian-Prinzip]]. In begrenztem Maße ist *[[wiki:​vorsorge|Vorsorge]] möglich, diese erfordert eine *[[wiki:​risikoanalyse|Risikoanalyse]]. Für Reisende in Kriegszeiten ist immerhin die *[[wiki:​flucht|Flucht]] möglich, während sie sich in der Corona-Pandemie in einer *[[wiki:​robinson-situation|Robinson-Situation]] wiederfanden. In jwedem Fall führt die Katastrophe zu [[wiki:​problemloeseverhalten|Problemen]],​ die gelöst werden sollten.
wiki/katastrophe.1574697717.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/11/25 17:01 von norbert