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MacGuffin

Ein MacGuffin ist ein Begriff, ein Objekt oder eine Person von erheblicher Bedeutung, doch ohne jeden sachlichen Inhalt. Es lebt davon, dass der Leser oder Zuschauer an seine Bedeutung glaubt, dass Gefühle wie Ehrfurcht oder Angst, Sehnsucht oder Grauen ausgelöst werden, eben weil man nichts genaues weiß.

In der Abenteuerliteratur gilt beispielsweise der Heilige Gral als MacGuffin. Der Held setzt sein Leben aufs Spiel um ihn zu finden ohne zu wissen, ob es ihn gibt. Vermutlich gibt es keine Abenteuergeschichte ohne MacGuffin. Das kann eine Schatzkarte sein, ein Schatz, ein Ring, ein Schlüssel, ein beliebiges Geheimnis oder auch ein unbekannter Bereich des eigenen Selbst, vor dem man flieht oder den man sucht. Entscheidend ist, dass der Abenteurer daran glaubt und ihm eine solche Bedeutung zumisst, dass er aufbricht.

Bekannt wurde der Begriff MacGuffin durch den Filmregisseur Alfred Hitchcock (1899 – 1980); Schöpfer des Begriffs war vermutlich der mit Hitchcock zusammenarbeitende Drehbuchautor Angus MacPhail (1903 – 1962). Hitchcock setzte den MacGuffin als dramaturgisches Werkzeug ein, um mit dem geringstmöglichen Aufwand den größtmöglichen Effekt zu erzielen.

Psychologisch lässt es sich deuten als das Objekt klein a des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan (1901 - 1981). Dies ist dasjenige Objekt, auf das sich Begehren und Begierde richten und dass zu gewaltigen Anstrengungen und Handlungen motiviert, gerade eben weil es unerreichbar scheint. Der tschechische Philosoph und Lancan-Übersetzer Slavoj Žižek meint: »MacGuffin ist eindeutig objet petit a: der Mangel, das Überbleibsel des Realen, das die symbolische Bewegung der Interpretation in Gang setzt, eine Lücke im Zentrum der symbolischen Ordnung, der bloße Anschein eines zu erklärenden, zu interpretierenden „Geheimnisses“« 1)


siehe auch * Unobtainium

1)
Slavoj Žižek: Liebe dein Symptom wie dich selbst. Berlin 1991, S. 58
wiki/macguffin.txt · Zuletzt geändert: 2018/12/30 17:42 von norbert