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Pazifik

Nathaniel Philbrick
Dämonen der See
Die dramatische Expedition der Erschließung des Pazifiks und der Antarktis 1838-1842
1. Auflage, Aus dem Amerikanischen (Sea of Glory, 2003) von Enrico Heinemann und Andreas Kann.
München: K. Blessing 2004
Pappband mit Lesebändchen und Umschlag 13x21,5 cm
505 Seiten, 24 Bildtafeln, Karten auf den Vorsätzen
Anhang: Ausgewählte und kommentierte Literatur, Anmerkungen, weitere Literatur,
Quellen, Glossar nautischer Begriffe, Personenregister

Es fällt auf, daß sich Bücher zur Entdeckungsgeschichte in den letzten Jahren zunehmend mit amerikanischen Expeditionen befassen. Nathaniel Philbrick legt nun nach »Im Herzen der See« bereits sein zweites Werk zur amerikanischen Seefahrtsgeschichte vor. Der Direktor des Egan Institute of Maritime Studies ist ein leidenschaftlicher Segler. So trug er nicht nur eine Fülle historischer Details zusammen, sondern rekonstruiert die Geschichte dieser Expedition auch vor dem Hintergrund eigener praktischer Erfahrungen auf See. Ich bin sicher, daß das erheblich dazu beiträgt, die gesicherten Fakten zu einem überzeugendes Gesamtbild zu arrangieren.

Die hierzulande nahezu unbekannte Expedition (U.S. Exploring Expedition, 1838-1842) gehörte mit sechs Schiffen und 350 Mann Besatzung zu den größten See-Expeditionen der Geschichte überhaupt. Sie wurde zehn Jahre vorbereitet. In den vier Jahren wurde alle Ozeane durchsegelt (86.000 Seemeilen), 280 pazifischen Inseln kartiert, die Antarktis entdeckt und 1300 Seemeilen ihrer Küste vermessen. Politisch entscheidend war die Vermessung des Columbia-River, da daraus der Anspruch der USA auf diesen Teil Amerikas erwuchs. Die vielen tausend mitgebrachten Exponate waren die Grundlage für etliche Museen, daraus hervor gingen das Washingtoner Nationalmuseum, der US Botanic Garden, das Hydrographische Institut und das Marineobservatorium. Die Expedition steht gleichrangig neben dem Bau des Panamakanals und der Transkontinentalen Eisenbahn.

Dennoch wurde die Expedition in ihrer Zeit nicht als solche Leistung gepriesen, der Expeditionsleiter Wilkes fiel in Ungnade. Die Ursache dafür ist einerseits in Wilkes’ Charakter zu suchen: er war unsicher, egoistisch, schürte Konflikte und säte Zwietracht – dies ließ seine Leistungen in einem ungünstigen Licht erscheinen. Andererseits war Wilkes nur ein Spielball politischer Kräfte, denen es für ihre persönlichen Ziele günstig erschien, die Expedition öffentlich zu demontieren. Die direkte Nachgeschichte der Expedition zog sich mit Prozessen und Publikationen 20 Jahre hin.

Der Autor hat die enorme Leistung vollbracht, aus einer Flut von bisher unbekannten Quellenbelegen erstmals die Geschichte dieser Expedition zu rekonstruieren. Neben der maritimen Geschichte erzählt er eine spannende Geschichte über das konfliktreiche Leben auf den sechs Schiffen und er bindet die Expedition in die Zeitgeschichte der USA ein. Es ist ihm hervorragend gelungen, ein äußerst komplexes Geschehen mit vielen Dutzend Akteuren über ein halbes Menschenleben hinweg klar, unterhaltsam und spannend zu schildern.

Die U.S. Exploring Expedition, kurz: U.S. Ex. Ex., auch: Wilkes Expedition war die erste US-amerikanische Weltumrundung: Erkundungsfahrt: 1. Hampton Roads – 2. Madeira – 3. Rio de Janeiro – 4. Tierra del Fuego – 5. Valparaíso – 6. Callao – 7. Samoa – 8. Fiji – 9. Sydney – 10. Antarctica – 11. Sandwich Islands und Rückreise: 1. Puget Sound – 2. Columbia River – 3. San Francisco – 4. Polynesia – 5. Philippines – 6. Borneo – 7. Singapore – 8. Cape of Good Hope – 9. New York


Liebersohn, Harry: The Travelers' World. Europe to the Pacific. Cambridge 2006 , Rezension von Uwe Pfullmann in: Connections. A Journal for Historians and Area Specialists, 15.12.2006

wiki/pazifik.txt · Zuletzt geändert: 2018/11/30 07:27 von norbert