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Reisegenerationen

Zu jeder Zeit gab es Reisende, die freiwillig reisten, ausgestoßen waren oder auf der Flucht, beruflich unterwegs waren, suchten oder pilgerten. Auffällig ist es jedoch, dass zu unterschiedlichen Zeiten bestimmte Reiseformen gesellschaftlich besondere Bedeutung erhielten und sich mit bestimmten zeittypischen Lebensstilen verbanden. Solche jeweiligen Arten des Unterwegs-Seins wurden literarisch überhöht, musikalisch verklärt, ideologisch überhöht, soziologisch untersucht. Der *Hype Cycle wurde in der Moderne erkennbar kürzer, etwa:

  • Digitale Nomaden
    ab 1997
    urban nomad, multilokales Leben 1)
  • Backpacker
    ab 1996
    ein amerikanisches Magazin seit 1973, eine australische TV-Serie seit 2006
  • Alternativ Reisende
    ab 1975
    Dritte-Welt-Bewegung, Friedensbewegung, Solidaritätsreisen (Nicaragua)
  • Hippies
    ab 1964
    Hippie Trail, San Francisco, Summer of Love, Gammler, Tiny Stricker: Trip Generation
  • Beat Generation
    ab 1950
    Beatniks, Kerouac: On the Road, Michener: Die Kinder von Torremolinos
  • Lost Generation
    die Vorkriegsgeneration
    Hemingway (Paris, Fiesta, Afrika)
  • Hoboes
    USA bis 1950
    Charlie Chaplin, Jack London, John Steinbeck
  • Vagabunden
    bis 1933
    Bruderschaft der Vagabunden, Gregor Gog
  • Alpinisten & Wandervögel
    ab 1857
    Wandervereine, Naturfreunde; Wandervögel
  • Bildungsreise & Gentleman's Tour
    ab etwa 1750
    Italienreisen, Milton: Paradise Lost, Laurence Stern: Empfindsame Reisen, Goethe: Arkadien
  • Kavalierstour (Junkerfahrt), peregrinatio academica, Gelehrtenreise
    ab etwa 1550
    Grand Tour, groote tour, große Tour 2)
  • Erforscher & Entdecker
    ab 1415
    Heinrich der Seefahrer; Zeitalter der Entdeckungen
  • Vaganten
    Mittelalter
  • Aventiure
    Mittelalter
  • Pilgerreisen
    insbesondere Hochmittelalter
    Reliquien, Rom, Jakobswege ab 997

Als roter Faden erkennbar ist die Suche nach einem Lebensreisestil im Unterschied zu Lebensphasenreisen.

Literatur

Cord Pagenstecher
Der bundesdeutsche Tourismus
Ansätze zu einer Visual History: Urlaubsprospekte, Reiseführer, Fotoalben 1950–1990
2. korrigierte und aktualisierte Auflage
Studien zur Zeitgeschichte, Band 86
Hamburg 2012, 626 Seiten
ISBN 978-3-8300-6301-8

Isabel Richter
Alternativer Tourismus in den 1960er und 1970er Jahren
in: Alexander Gallus/Axel Schildt/Detlef Siegfried (Hg.)
Deutsche Zeitgeschichte – transnational
Göttingen 2015, S. 155-178

Anja Bertsch
Alternative (in) Bewegung
Distinktion und transnationale Vergemeinschaftung im alternativen Tourismus
in: Sven Reichardt/Detlef Siegfried (Hg.)
Das Alternative Milieu
Antibürgerlicher Lebensstil und linke Politik in der Bundesrepublik Deutschland und Europa 1968–1983
Göttingen 2010, S. 115-130

Axel Schildt
Across the Border
West German Youth Travel to Western Europe
in: ders./Detlef Siegfried (Hg.)
Between Marx and Coca-Cola
Youth Cultures in Changing European Societies 1960–1980
New York 2006, S. 149-161

Nikolaos Papadogiannis/Detlef Siegfried
Introduction
in: Comparativ 24 (2014) H. 2, S. 7-17
Between Leisure, Work and Study. Tourism and Mobility in Europe from 1945 to 1989

Christopher Görlich
Urlaub vom Staat. Tourismus in der DDR
Böhlau: Köln, Weimar, Wien 2012
290 Seiten, ISBN: 978-3-412-20863-9
Dissertation Universität Münster.
Urlaub in der DDR war im doppelten Wortsinne „Urlaub vom Staat“. Der 1947 staatlich gegründete „Feriendienst“ des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes sollte den Tourismus in das neue politische System einbinden. Das, was sich die Bürger als Urlaub vorstellten traf hier auf die staatlichen Vorgaben, dessen Vorstellungen eines ›sozialistischen Urlaubs‹ sich als Utopie herausstellte.


siehe auch:
* Globetrotter
* Fahrendes Volk
* Liste der Reisestile
* Stereotypen
* Weltanschauung

1)
Makimoto, D. Manners, Digital Nomad, John Wiley & Sons 1997
2)
Leibetseder: Die Kavalierstour 2004, S. 18–23
wiki/reisegenerationen.txt · Zuletzt geändert: 2019/09/24 07:58 von norbert