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wiki:risiko

Risiko

1. Risiken setzen Gefahren voraus

Zwischen beiden wird meist nicht unterschieden. Hier ein Beispiel: Die Gefahr, von einem Auto überfahren zu werden, kann man als Alltagsgefahr ansehen. Das Risiko, von einem Auto überfahren zu werden, ist hoch, wenn man auf der Straße steht, und gering, wenn man am gleichen Straßenabschnitt im Vorgarten sitzt. Gefahren und Risiken kann nur derjenige gut einschätzen, der damit lebt und Erfahrung im Umgang damit hat; also im obigen Beispiel der Straßenbauarbeiter auf der Autobahn. Bei allen anderen setzt Angst ein, eine sinnvolle Reaktion unbekannten Gefahren aus dem Weg zu gehen. Was Angst macht, macht aber auch Schlagzeilen. Die Medienforschung unterscheidet daher drei verschiedene Realitäten:

  • eine, die sich aus der Erfahrung ergibt;
  • eine, die sich auf gemessene Fakten zurückführen lässt;
  • eine, die sich aus dem Medienkonsum ergibt.

Reiseerwartungen beruhen für Unerfahrene im Wesentlichen auf dem medialen Bild. Dies aber verengt die Realität auf das Sensationelle und beim Sensationellen auf das Bedrohliche.

2. Ein hohes Risiko setzt eine Exposition voraus

Der Insasse einer Anstalt kann nicht vom Auto überfahren werden, weil er keinen Ausgang hat. Er ist nicht dort, wo die Gefahr droht. Allerdings kann er auch nicht lernen, mit dieser Gefahr umzugehen, denn das setzt Erfahrung voraus. Keine Erfahrung ohne Risiko. Unfälle im Straßenverkehr bilden das höchste Risiko bei Reisen. Gerade damit haben wir viel Erfahrung, denn das richtige Verhalten im Straßenverkehr lernen wir von Kindesbeinen an und fühlen uns sicher. Dieses Gefühl der Sicherheit führt zu Reflexen und Leichtsinn und kann das Risiko deutlich erhöhen, wenn sich die Umstände ändern. Wer von Deutschland beispielsweise erstmals nach Kenia fliegt, erwartet vielleicht von Schlangen gebissen und von Löwen gefressen zu werden. Beide Gefahren existieren objektiv. Viel eher wird er jedoch vor dem Flughafen angefahren, weil er vom Rechts- in den Linksverkehr wechselt und beim Überqueren der Straße in die falsche Richtung schaut.

Gefahren sind absolut, Risiken statistisch

Es ist sicher, dass jeder Mensch sterben wird: der Tod ist eine Gefahr mit dem Risiko von 100%. Im Durchschnitt wird ein Mensch 80 Jahre alt, also rund 28.500 Tage. Das bedeutet, dass jeden Tag eine Wahrscheinlichkeit von rund 35 Millionstel besteht, dass der Tod eintritt 1) durchschnittlich aufs ganze Leben gesehen. Damit beträgt das Alltagsrisiko 35 Micromort - auch wenn man nur still im Zimmer sitzt.

Die größten Zusatzrisiken birgt der Alltag mit seinen Gewohnheiten: nach 10 Zigaretten (7 Micromort) und einem halben Liter Wein (1 Micromort) und 10 km mit dem Motorrad (1 Micromort) ist das Alltagsrsiko von 35 auf 44 Micromort angewachsen. Für falsche Ernährung und mangelnde Bewegung liegen keine Zahlen vor. Autofahren führt dagegen erst nach 370 km zu einem weiteren Micromort.

Nicht alltägliche Risiken wie Tauchen (5) oder Fallschirmspringen (7) sind auch nicht gefährlicher als 10 Zigaretten mit dem Unterschied, dass nach dem Sport das Risiko vorbei ist, nach dem Zigarettenkonsum jedoch nicht.

Die Bypassoperation (16.000) birgt ein hohes Risiko; sie zu unterlassen ist vielleicht noch riskanter. Auf den Mount Everest zu steigen (35.000) ist zwar doppelt so riskant, jedoch hat der Bergsteiger durch ein gesundes Leben und viel Sport in den Jahren zuvor viele Micromorts aus anderen Risiken gespart: 13 Jahre täglich 10 Zigaretten bergen das gleiche Risiko.

Die ganze Rechnerei mag im Kleinen fragwürdig sein, zeigt jedoch im Großen, dass Menschen Risiken nicht richtig einschätzen können.


siehe
* Gefahr
* Grenze zwischen Leben und Tod

1)
Je älter man wird, desto höher diese Wahrscheinlichkeit
wiki/risiko.txt · Zuletzt geändert: 2019/06/24 15:46 von norbert