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Sprachen

Wenn uns etwas »spanisch vorkommt« dann sind es oft »böhmische Dörfer«. Dagegen spricht man im Tschechischen von „spanischen Dörfern“ (španělské věsnice), während den Spaniern eher chinesisch zumute ist: »es como si me hablaran en chino«.
Was man nicht versteht, kommt von weit her, etwa aus der Walachei 1). Dort spricht man natürlich Kauderwelsch 2). Solche Leute »brabbeln« eine Art »Blah-Blah« und man versteht nur »Rhabarber, Rhabarber«.
Ein Barbar war im antiken Griechenland jemand, der kaum Griechisch sprach. Das Wort fand Eingang in fast alle europäischen Sprachen. Dabei ist es so alt, daß es sich auch im Sanskrit findet (barbarāh), im Persischen, Armenischen, Arabischen (Berber) … Auf drei Kontinenten bezeichnen sich also Völker mit dem gleichen Wort gegenseitig als sprachunkundig und wählen dafür paradoxerweise ein Wort, das von allen verstanden wird.

Die dahinter erkennbare Haltung scheint universal gültig zu sein, denn weltweit bezeichnen sich viele Ethnien in ihrer Eigenbezeichnung schlicht als »Menschen« 3).
Die Slawen nennen sich selbst die Sprechenden (slovene), für die Goten waren es die Schweigenden (slavan). Die Anderen sind eben Stotterer, Stammler, Stumme, also nemec, niemka, njemka wie die Deutschen im Tschechischen, Polnischen, Russischen heißen. Und weil man ihnen nichts erklären kann, verstehen sie auch nichts und benehmen sich barbarisch.

Wörterbücher für andere Sprachen (und für die eigene) finden sich online.


R.W.B. McCormack
Travel Overland
Eine anglophone Weltreise
11. immer wieder durchgesehene Auflage (=Beck’sche Reihe 1297)
Ins Deutsche übertragen vom Babelfisch
München: C.H. Beck 1999. 12,5x19cm: 124 S., 18 Textabb.

In Rajasthan und Ostafrika kann man sich prima auf Englisch verständigen (siehe Trotter 90, S. 64: Aurr frennd fromm Pakißtahn), nur in London versteht einen keiner. Ham wir alle schon erlebt.

Nun hat ein Experte diesem Phänomen in 43 Ländern nachgelauscht. R.W.B.McC. versteht als Ethnolinguist nicht nur viel von Völkern und vom Babbeln, sondern als Ichthyologe auch einiges vom Schweigen. Sein Reisetagebuch zeigt Beispiele von Hinglisch über Eurobabble und Franglais bis zum Bamboo English.

Ich hoffe für ihn, daß dieser Feldversuch keine Blasen in den Ohren oder gar Schlimmeres nach sich gezogen hat, vielleicht die »murgha position… Der Übeltäter muß sich hinhocken, die Arme von hinten durch die Beine führen und sich die Ohren zuhalten.« (Pakistan)

Allerdings kann die Lektüre dieses kurzweiligen Buches unseren Verlegern wertvolle Tips geben, wie sich der Umfang von Reisesprachführern erheblich vermindern läßt. So antwortet ein Malaye auf die Frage »Can you read newspapers in Chinese.« mit einem klaren »Can.« – Versteht doch jeder, ebenso wie die Verdoppelungstaktik: Ein »hot-hot-curry« ist – na, was wohl – natürlich besonders scharf! »now-now« heißt dann »sehr bald«, ein »now-now-Girl« (Kenia) ist – na? Und nebenbei erfahren wir noch viel über Hintergründe: »Australier reden flach, bewegen Lippen und Unterkiefer nur minimal, um Staub und Fliegen keine Chance zu lassen.« Reisetechnisch an jeder Grenze der Erde wertvoll: »I didn’t say that I didn’t say it. I said that I didn’t say that I said it.« Mein Fazit: Ein Survival-Handbuch der Kommunikation. (Rezension im Trotter von Norbert Lüdtke)

Mark Twain (1835 - 1910) verzweifelte an der deutschen Sprache, deren Sätze er als seitenlange Monumente beschrieb, die in der Regel enden mit »haben sind gewesen gehabt haben geworden sein«. Eine Broschüre dazu bietet der DAAD zum Download an. In »A Tramp Abroad« lästerte er: »I can understand German as well as the maniac that invented it, but I talk it best through an interpreter.«

Mark Twain
The Awful German Language. Die schreckliche deutsche Sprache
Reclam Verlag, Stuttgart 2018. 78 S. 

Wer solche Probleme mit Sprachen hat, kann mit dem folgenden Schmöker üben:

ain buch fon zé do rock
fom winde ferfeelt
Berlin: Edition diá 1995, 12,5x20,5cm: 280 S.

Auch eine Weltreise, wie vorhin das Buch. Ein sprachbegabter Deutsch-Brasilianer reist vom »land der farblich rausgeforderten menshen« in den »ser naen osten« und erzählt von »de abentoia in de land fo de 1000 slizaugen«. Schnell erkennt er, daß man mit Sprachen viel flexibler umgehen muß, z.B.: »in Camerun is alles milda, nur die straszen sind härta. es gibt kein asfalt mer und die strasze is ein löchameer.«

Das ist Poesie! Und im Norden: »wier gen zum baanhoof und wollen bis zum näächsten taach warten. um 1 uur nachts komt de baanbeamte und wil uns rausschmeissen. (Holland) … daenisk is kurt und abartig, svedisk längar und sviriger in de gramatik, finis hat viilä vokaalä … als vyrde ma opp en berg klettern… (Norwegen) … gott sai dank varen scheaun cranquenvagen zour stellé, die misch zoum cranquenhaous transportierten (Frankreich) «.


Würste der Hölle
Übelsetzungen. Neue Sprachpannen aus aller Welt
Langenscheidt Berlin und München 2008
Einband mit Fadenheftung 12,5x18 cm
128 Seiten, durchgehend farbig illustriert 9,95 €

»Brauchst Du mer als 10 Brötchen den nexten Morgen, bitte kommen hinein und erzählen es zu uns. Dan haben wir ihren Früstück den näxten Morgen gepäct.« Kennen wir alle, solche freundlich gemeinten, aber ausdrucksmäßig starken »Übelsetzungen«, meist auf Speisekarten, Aushängen und Schildern. Hier ist ein ganzes Büchlein voll davon, und da das Thema unerschöpflich ist, liegt bereits Band 2 vor.

1)
Walachen bezeichnet romanischsprachige Volksgruppen in Südosteuropa. Die Bezeichnung kommt wohl aus dem Germanischen, das entsprechende Wurzelwort „welsch/walch“ ist wahrscheinlich von einem keltischen Volksnamen abgeleitet und findet sich auch in Wales und Wallis
2)
Vermutlich »die welsche (romanische) Sprache der Einwohner von Chur in Graubünden« (Wikipedia)
3)
Inuit, Khoi Khoin (Menschen der Menschen), Roma, Na-Uni (= Komantschen, erste Menschen), Ainu (Japan), Kanaken (Hawaii), Nenzen (Ural), Zulu, Bantu, Kikuyu (Kenia), Malaien (Orang Melayu = umherschweifende Menschen), Yamana und Shelk’enan (= Jaghan und Ona auf Feuerland: vernunftbegabte Wesen), Orawelat (= Tschuktschen), Numang-Kake (= Mandan-Indianer), Odulpa (= Jukagieren in Nordost-Sibirien), Andamanen (= Oenge), Alemannen, Hunnen, Magyaren
wiki/sprachen.txt · Zuletzt geändert: 2019/02/15 10:12 von norbert