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wiki:walz

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wiki:walz [2019/04/13 06:43]
norbert
wiki:walz [2019/08/13 13:53] (aktuell)
norbert [Geschichten des Individuellen Reisens]
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 Ein Wunder ist es nicht, auf andere Reisende zu treffen. 1924 haben angeblich 700.000 Reisende Italien besucht, darunter 69.000 Deutsche. Um 1900 sind in Rom etwa 1.000 Deutsche ansässig, weitere 2.000 halten sich dort zu Studienzwecken auf, mehrere tausend besuchen die Stadt als Touristen oder Pilger. ((Der Rompilger, S. 49)) \\  Ein Wunder ist es nicht, auf andere Reisende zu treffen. 1924 haben angeblich 700.000 Reisende Italien besucht, darunter 69.000 Deutsche. Um 1900 sind in Rom etwa 1.000 Deutsche ansässig, weitere 2.000 halten sich dort zu Studienzwecken auf, mehrere tausend besuchen die Stadt als Touristen oder Pilger. ((Der Rompilger, S. 49)) \\ 
 Alfred Pfarre ist es ein besonderes Bedürfnis, in Gesellschaft zu sein und kaum einmal reist er alleine. Auch in Italien trifft er immer wieder auf Gesellen, Kunden, Vagabunden. In Venedig den Luxemburger Journalisten Matthias Kientgen und einen badischen Gymnasiasten namens Wilhelm, einen dänischer Gärtner, einen deutschen Maler, dessen Freundin Helene Weil, den Sibirier, den Kanadier, den Russen, den großen Josef, den Heiland, einen Kundenphilosophen. In Rom findet er eine große Anzahl Kunden, die es sich dort heimisch gemacht haben, teilweise wohnen sie in den Katakomben, nicht so viele Kunden treiben sich in Neapel herum. Nur einmal trifft er in den vielen Monaten einen französischen Kunden, andere Nationalitäten sind etwas häufiger vertreten, doch die meisten sind Deutsche, sie sind oft //​„...eine ganze Gruppe Heimatloser ..., Kunden, versumpfte Künstler, abgemusterte und weggelaufene Seeleute aus aller Herren Länder ... einen alten Speckjäger ... den kleinen buckligen Michael.“//​ \\  Alfred Pfarre ist es ein besonderes Bedürfnis, in Gesellschaft zu sein und kaum einmal reist er alleine. Auch in Italien trifft er immer wieder auf Gesellen, Kunden, Vagabunden. In Venedig den Luxemburger Journalisten Matthias Kientgen und einen badischen Gymnasiasten namens Wilhelm, einen dänischer Gärtner, einen deutschen Maler, dessen Freundin Helene Weil, den Sibirier, den Kanadier, den Russen, den großen Josef, den Heiland, einen Kundenphilosophen. In Rom findet er eine große Anzahl Kunden, die es sich dort heimisch gemacht haben, teilweise wohnen sie in den Katakomben, nicht so viele Kunden treiben sich in Neapel herum. Nur einmal trifft er in den vielen Monaten einen französischen Kunden, andere Nationalitäten sind etwas häufiger vertreten, doch die meisten sind Deutsche, sie sind oft //​„...eine ganze Gruppe Heimatloser ..., Kunden, versumpfte Künstler, abgemusterte und weggelaufene Seeleute aus aller Herren Länder ... einen alten Speckjäger ... den kleinen buckligen Michael.“//​ \\ 
-Der Kontakt zu anderen war so ausgeprägt,​ wie man es wünschte. Im Gegensatz zu Schroeder, der fast nie allein war und Gruppen bevorzugte, floh Winnig die Gesellschaft der Handwerksburschen und Kunden: //„Ein halber Tag in Gesellschaft gewandert war eine willkommene Abwechslung,​ aber danach nahm ich mir wieder meine Freiheit, die Freiheit des Wanderns und Rastens und die Freiheit der Gedanken.“//​ ((Winnig, S. 244)) Interessant ist eine hingeworfene Bemerkung Winnigs, als ihm in der Rüdesheimer Herberge ein Fremder auffällt://​ „...er war zwar wandermäßig angezogen, aber in der Art vornehmer Leute ... daß ich ihn für einen Touristen hielt, der hier die Gelegenheit zu sozialen Studien wahrnahm, wozu sich manche Leute damals bewogen fühlten, nachdem Pastor Göhre drei Monate Fabrikarbeiter gewesen war und ein Buch darüber geschrieben hatte.“// ((Winnig, S. 248))\\ ​+Der Kontakt zu anderen war so ausgeprägt,​ wie man es wünschte. Im Gegensatz zu Schroeder, der fast nie allein war und Gruppen bevorzugte, floh Winnig die Gesellschaft der Handwerksburschen und Kunden: //„Ein halber Tag in Gesellschaft gewandert war eine willkommene Abwechslung,​ aber danach nahm ich mir wieder meine [[wiki:​freiheit|Freiheit]], die Freiheit des Wanderns und Rastens und die Freiheit der Gedanken.“//​ ((Winnig, S. 244)) Interessant ist eine hingeworfene Bemerkung Winnigs, als ihm in der Rüdesheimer Herberge ein Fremder auffällt://​ „...er war zwar wandermäßig angezogen, aber in der Art vornehmer Leute ... daß ich ihn für einen Touristen hielt, der hier die Gelegenheit zu sozialen Studien wahrnahm, wozu sich manche Leute damals bewogen fühlten, nachdem Pastor Göhre drei Monate Fabrikarbeiter gewesen war und ein Buch darüber geschrieben hatte.“// ((Winnig, S. 248))\\ ​
 Gemeinsam wurde die Zeit kürzer, man konnte sich unterhalten,​ hatte jemanden, dem man vertrauen konnte, ein Stück Heimat in der Fremde. Heinrichs und Pfarre finden richtige Freunde auf der Landstraße,​ Menschen, die ihnen viel bedeuten und von denen sie sich nur schwer trennen; Winnig dagegen fühlte sich nahezu immer unter Fremden. Kam eine Gruppe von mehreren Kunden in einen Ort, so teilte man ein, wer in welchem Haus zu fechten hatte. Hinter dem Dorf wurde zusammengeworfen und gerecht geteilt. Schroeder wird einmal unterwegs sehr krank und ohne die Kunden, die er eben erst getroffen hatte, wäre er am Wegesrand liegengeblieben:​ //„Jetzt weiß ich, was Kameradschaft ist. Wohl steht man dem Bruder näher, man tut etwas für ihn, weil er zur Familie gehört, man hintergeht ihn auch nicht, was man vielleicht bei einem fremden Menschen tun würde ... Beim Kameraden aber kommen solche Gedanken noch nicht einmal auf. Wahre Kameradschaft zerschmettert die Hölle!“//​ ((Schroeder,​ S. 212))\\ ​ Gemeinsam wurde die Zeit kürzer, man konnte sich unterhalten,​ hatte jemanden, dem man vertrauen konnte, ein Stück Heimat in der Fremde. Heinrichs und Pfarre finden richtige Freunde auf der Landstraße,​ Menschen, die ihnen viel bedeuten und von denen sie sich nur schwer trennen; Winnig dagegen fühlte sich nahezu immer unter Fremden. Kam eine Gruppe von mehreren Kunden in einen Ort, so teilte man ein, wer in welchem Haus zu fechten hatte. Hinter dem Dorf wurde zusammengeworfen und gerecht geteilt. Schroeder wird einmal unterwegs sehr krank und ohne die Kunden, die er eben erst getroffen hatte, wäre er am Wegesrand liegengeblieben:​ //„Jetzt weiß ich, was Kameradschaft ist. Wohl steht man dem Bruder näher, man tut etwas für ihn, weil er zur Familie gehört, man hintergeht ihn auch nicht, was man vielleicht bei einem fremden Menschen tun würde ... Beim Kameraden aber kommen solche Gedanken noch nicht einmal auf. Wahre Kameradschaft zerschmettert die Hölle!“//​ ((Schroeder,​ S. 212))\\ ​
 //„Die wandernden Schleifer hatten damals einen Brauch, den sie als Geheimnis behandelten:​ alle Jahre um Johannis trafen sie sich irgendwo und hielten drei Tage lang ein Lager mit Zecherei und Schmauserei. dann standen ihre Wagen, fast dreißig an der Zahl, in der Dickung, und die Schleifer lagen abseits im Grase ...“// ((Winnig, S. 249)) //„Die wandernden Schleifer hatten damals einen Brauch, den sie als Geheimnis behandelten:​ alle Jahre um Johannis trafen sie sich irgendwo und hielten drei Tage lang ein Lager mit Zecherei und Schmauserei. dann standen ihre Wagen, fast dreißig an der Zahl, in der Dickung, und die Schleifer lagen abseits im Grase ...“// ((Winnig, S. 249))
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 Künstler und Intellektuelle gingen aus ideologischen Gründen auf die Landstraße. ''​Gustav Brügel'',​ Landstreicher und Schriftsteller aus Balingen bei Stuttgart, gab 1927 die erste Zeitschrift der Vagabunden, den „Kunden“,​ heraus, Gregor Gog übernahm nach der ersten Nummer. Gog gründete die „Bruderschaft der Vagabunden“. Zusammen mit Pfarrern, Dichtern, Anarchisten und Malern, Träumern und Wanderpredigern,​ Jugendbewegten und Asozialen, alle auf der Landstraße,​ baute man Kontakte zu den Berliner „Anarcho-Syndikalisten“ und der „Gilde freiheitlicher Bücherfreunde“ auf. Sie alle trugen zum „Kunden“ bei. 1928 fand der erste öffentliche Vagabundenabend in Stuttgart statt, weitere folgten in Berlin, Mannheim, Hamburg, Dortmund. Pfingsten 1929 gab es dann das erste große Vagabunden-Treffen in Stuttgart mit 600 Teilnehmern aus Deutschland,​ Österreich,​ Böhmen, Polen, Dänemark, Finnland, Ägypten - aber keine aus Frankreich. ((Sergej Tretjakow, Der König der Vagabunden in: Trappmann, S. 329)) 1930 wird erstmals ein Vagabundenfilm gedreht, an dem Gregor Gog und zahlreiche andere Vagabunden teilhaben. Im gleichen Jahr gibt es in Deutschland acht Ausstellungen von Vagabundenkünstlern. 1933 wird Gregor Gog verhaftet, kommt in mehrere KZs und kann Ende 1933 in die Schweiz fliehen. Die Bücher der Vagabunden wurden verboten, das gesamte Archiv abtransportiert. Die folgenden zwölf Jahre genügten, um Kultur und Tradition der Vagabunden fast vollständig auszurotten. Künstler und Intellektuelle gingen aus ideologischen Gründen auf die Landstraße. ''​Gustav Brügel'',​ Landstreicher und Schriftsteller aus Balingen bei Stuttgart, gab 1927 die erste Zeitschrift der Vagabunden, den „Kunden“,​ heraus, Gregor Gog übernahm nach der ersten Nummer. Gog gründete die „Bruderschaft der Vagabunden“. Zusammen mit Pfarrern, Dichtern, Anarchisten und Malern, Träumern und Wanderpredigern,​ Jugendbewegten und Asozialen, alle auf der Landstraße,​ baute man Kontakte zu den Berliner „Anarcho-Syndikalisten“ und der „Gilde freiheitlicher Bücherfreunde“ auf. Sie alle trugen zum „Kunden“ bei. 1928 fand der erste öffentliche Vagabundenabend in Stuttgart statt, weitere folgten in Berlin, Mannheim, Hamburg, Dortmund. Pfingsten 1929 gab es dann das erste große Vagabunden-Treffen in Stuttgart mit 600 Teilnehmern aus Deutschland,​ Österreich,​ Böhmen, Polen, Dänemark, Finnland, Ägypten - aber keine aus Frankreich. ((Sergej Tretjakow, Der König der Vagabunden in: Trappmann, S. 329)) 1930 wird erstmals ein Vagabundenfilm gedreht, an dem Gregor Gog und zahlreiche andere Vagabunden teilhaben. Im gleichen Jahr gibt es in Deutschland acht Ausstellungen von Vagabundenkünstlern. 1933 wird Gregor Gog verhaftet, kommt in mehrere KZs und kann Ende 1933 in die Schweiz fliehen. Die Bücher der Vagabunden wurden verboten, das gesamte Archiv abtransportiert. Die folgenden zwölf Jahre genügten, um Kultur und Tradition der Vagabunden fast vollständig auszurotten.
 ===== 8 Und heute? ===== ===== 8 Und heute? =====
-Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der Gewerbefreiheit im 19. Jahrhundert hatte diese Bewegung ihren Zenit überschritten. Winnig kam sich 1897 in den großen Städten fehl am Platze vor. Die Industrialisierung Europas und die sich zyklisch wiederholenden Wirtschaftskrisen führten in Schüben immer mal wieder zu einem Anstieg der Massen auf den Straßen. Doch nun nahmen Arbeiter, Wanderarbeiter und Lumpenproletariat die Stelle der Gesellen ein. 1927 waren 70.000 Menschen auf den Straßen Deutschlands unterwegs, sechs Jahre später waren es bereits wieder 450.000. ((Trappmann,​ S. 15)) Immer spiegelte sich in den Wanderungsbewegungen die gesellschaftliche,​ politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Die Nationalsozialisten brachten ab 1933 die Vagabunden mit allen Mitteln von der Straße: Arbeitslager,​ Verhaftung, Razzien, Entmündigung,​ Psychiatrisierung und sechs Jahre Krieg beseitigten fast alle Spuren der Heimatlosen. ((Kadereit)) Auch für die „Nicht-Seßhaften“ von heute ist die Landstraße meist ohne Romantik, sondern hat eher mit dem Teufelskreis von Arbeitslosigkeit,​ Wohnungslosigkeit und sozialem Abstieg zu tun.\\ ​+Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der [[wiki:​grundfreiheiten|Gewerbefreiheit]] im 19. Jahrhundert hatte diese Bewegung ihren Zenit überschritten. Winnig kam sich 1897 in den großen Städten fehl am Platze vor. Die Industrialisierung Europas und die sich zyklisch wiederholenden Wirtschaftskrisen führten in Schüben immer mal wieder zu einem Anstieg der Massen auf den Straßen. Doch nun nahmen Arbeiter, Wanderarbeiter und Lumpenproletariat die Stelle der Gesellen ein. 1927 waren 70.000 Menschen auf den Straßen Deutschlands unterwegs, sechs Jahre später waren es bereits wieder 450.000. ((Trappmann,​ S. 15)) Immer spiegelte sich in den Wanderungsbewegungen die gesellschaftliche,​ politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Die Nationalsozialisten brachten ab 1933 die Vagabunden mit allen Mitteln von der Straße: Arbeitslager,​ Verhaftung, Razzien, Entmündigung,​ Psychiatrisierung und sechs Jahre Krieg beseitigten fast alle Spuren der Heimatlosen. ((Kadereit)) Auch für die „Nicht-Seßhaften“ von heute ist die Landstraße meist ohne Romantik, sondern hat eher mit dem Teufelskreis von Arbeitslosigkeit,​ Wohnungslosigkeit und sozialem Abstieg zu tun.\\ ​
 Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit Ehrbarkeit ((Früher Rotwelsch: Halsbinde, heute Krawatte)), Staude ((Hemd)), Schlapphut, Stenz ((Stock)) und schwarzen Cordhosen. Auch wenn sie nicht mehr Teil einer gesellschaftlichen Massenbewegung sind, so erhalten sie doch die Traditionen aufrecht. Sie werden „als Exoten bestaunt in einer durchtechnisierten,​ profitorientierten Welt“. ((Schiemann)) Sie tragen immer noch den Berliner mit Rasierpinsel,​ Unterwäsche,​ Schuhputzzeug,​ Hammer, Lot und Wasserwaage und scheniegeln ((Arbeiten, von Schinagole (jidd. = Schubkarre))) bei Krautern ((Krauter wird der Handwerksmeister genannt, insbesondere der zunftlose auf dem freien Land)). Etwa 3000 organisierte Gesellen gab es 1985: sie dürfen keine dreißig Jahre alt sein, weder verheiratet noch vorbestraft,​ dürfen keine Schulden haben, sollen charakterfest im Umgang mit Alkohol sein. Sogar eine „Confédération Compagnonnages“ der europäischen Gesellenzünfte gibt es.\\  Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit Ehrbarkeit ((Früher Rotwelsch: Halsbinde, heute Krawatte)), Staude ((Hemd)), Schlapphut, Stenz ((Stock)) und schwarzen Cordhosen. Auch wenn sie nicht mehr Teil einer gesellschaftlichen Massenbewegung sind, so erhalten sie doch die Traditionen aufrecht. Sie werden „als Exoten bestaunt in einer durchtechnisierten,​ profitorientierten Welt“. ((Schiemann)) Sie tragen immer noch den Berliner mit Rasierpinsel,​ Unterwäsche,​ Schuhputzzeug,​ Hammer, Lot und Wasserwaage und scheniegeln ((Arbeiten, von Schinagole (jidd. = Schubkarre))) bei Krautern ((Krauter wird der Handwerksmeister genannt, insbesondere der zunftlose auf dem freien Land)). Etwa 3000 organisierte Gesellen gab es 1985: sie dürfen keine dreißig Jahre alt sein, weder verheiratet noch vorbestraft,​ dürfen keine Schulden haben, sollen charakterfest im Umgang mit Alkohol sein. Sogar eine „Confédération Compagnonnages“ der europäischen Gesellenzünfte gibt es.\\ 
 Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher?​ Ihre Zahl nimmt zu, entsprechend der Arbeitslosenquote. 1971 lebte ein Reporter eine Woche lang als Penner, schlief im Düsseldorfer Nachtasyl der Franziskaner und in der Hamburger Mönckebergstraße. Acht Tage Betteln brachten ihm 31,88 Mark ein. Und die Gespräche im Asyl hätten auch 50 Jahre früher stattfinden können. Der eine will in den Süden, nach Spanien, //wo´s warm is´.// Eine Nutte schüttet sich die Bierreste aus den Gläsern zusammen, den //​Klapperschluck//​. ((Klappern bedeutet im rotwelschen betteln.)) 1975 ziehen wieder zwei Reporter mit den Pennern los. Da treffen sie dann beispielsweise den Ex-Söldner,​ der jedes Jahr sechs- bis achtmal kreuz und quer durch Deutschland zieht, zu Fuß, per Anhalter oder mit Zug und „Bahnbenutzungsgenehmigung“ des Sozialamtes,​ von einer der 700 Herbergen zur nächsten. Und sie werden immer noch „abgebient“,​ nach Läusen untersucht. In der Celler Herberge zur Heimat will der Diakon 1,30 Mark pro Nacht und für die Flasche Bier 1,10. Gegessen wird auf Kommando: nach sieben Minuten sind Graupensuppe und Brot verschlungen. Am nächsten Tag geht es weiter, denn in den meisten Herbergen darf man nur alle sechs bis zwölf Monate übernachten. //„Die meisten von uns wollen nicht auf die Straße, sie müssen - weil sie vor sich selbst und den anderen auf der Flucht sind. Deshalb sind die meisten Berber ((Mit Berber werden seit ein, zwei Jahrzehnten die modernen Landstreicher und Vagabunden bezeichnet. Es scheint eine Neuschöpfung des Rotwelschen zu sein.)) Einzelgänger,​ die keinem trauen.“//​ ((Holzach)) \\  Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher?​ Ihre Zahl nimmt zu, entsprechend der Arbeitslosenquote. 1971 lebte ein Reporter eine Woche lang als Penner, schlief im Düsseldorfer Nachtasyl der Franziskaner und in der Hamburger Mönckebergstraße. Acht Tage Betteln brachten ihm 31,88 Mark ein. Und die Gespräche im Asyl hätten auch 50 Jahre früher stattfinden können. Der eine will in den Süden, nach Spanien, //wo´s warm is´.// Eine Nutte schüttet sich die Bierreste aus den Gläsern zusammen, den //​Klapperschluck//​. ((Klappern bedeutet im rotwelschen betteln.)) 1975 ziehen wieder zwei Reporter mit den Pennern los. Da treffen sie dann beispielsweise den Ex-Söldner,​ der jedes Jahr sechs- bis achtmal kreuz und quer durch Deutschland zieht, zu Fuß, per Anhalter oder mit Zug und „Bahnbenutzungsgenehmigung“ des Sozialamtes,​ von einer der 700 Herbergen zur nächsten. Und sie werden immer noch „abgebient“,​ nach Läusen untersucht. In der Celler Herberge zur Heimat will der Diakon 1,30 Mark pro Nacht und für die Flasche Bier 1,10. Gegessen wird auf Kommando: nach sieben Minuten sind Graupensuppe und Brot verschlungen. Am nächsten Tag geht es weiter, denn in den meisten Herbergen darf man nur alle sechs bis zwölf Monate übernachten. //„Die meisten von uns wollen nicht auf die Straße, sie müssen - weil sie vor sich selbst und den anderen auf der Flucht sind. Deshalb sind die meisten Berber ((Mit Berber werden seit ein, zwei Jahrzehnten die modernen Landstreicher und Vagabunden bezeichnet. Es scheint eine Neuschöpfung des Rotwelschen zu sein.)) Einzelgänger,​ die keinem trauen.“//​ ((Holzach)) \\ 
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 |4|[[wiki:​Flucht|Fluchtreisen]],​ u.a. Harrer|Trotter 78|1995| |4|[[wiki:​Flucht|Fluchtreisen]],​ u.a. Harrer|Trotter 78|1995|
 |5|Die Reisen des Arthur Heye|Trotter 79|1995| |5|Die Reisen des Arthur Heye|Trotter 79|1995|
-|6|Künstlername Rox|Trotter 80|1996|+|6|[[wiki:rox|Künstlername Rox]]|Trotter 80|1996|
 |7|[[wiki:​fussreisen|Geschichte der Fußreisen]]|Trotter 93|1999| |7|[[wiki:​fussreisen|Geschichte der Fußreisen]]|Trotter 93|1999|
  
wiki/walz.1555130598.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/04/13 06:43 von norbert