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wiki:walz

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wiki:walz [2019/11/11 07:12]
norbert
wiki:walz [2019/11/11 11:08] (aktuell)
norbert
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 Winnig fühlt sich unreif: //„Es war mein Kummer, daß ich so oft in die Weise der Kindheit zurückfiel und Erlebnisse ersann, wie ich sie mir wünschte, denn ich sagte mir, daß man dem Leben seinen ganzen Ernst schuldig ist.“// ((Winnig, S. 124)) Er weiß das und will auf der Walz an Reife gewinnen: //„ein Gefühl, daß ich in den sechs Monaten meiner Wanderschaft doch nicht nur älter geworden sei, sondern ebenso irgendwie innerlich gewonnen hätte, gewonnen an Besitz und an Kräften, die mit Erfahrung und Reife wohl angedeutet, aber noch nicht erfaßt sind. Es war wohl ein Wachsen, und nun mußte ich, um weiter zu wachsen, weiter wandern und das Leben hinnehmen, wie es war und wie es zu mir kam ...“// ((Winnig, S. 125)) Man kann lange wandern und dennoch kein Wanderer sein - nach einem Jahr auf der Landstraße stellt Winnig fest:// „In Köln merkte ich zum erstenmal, wie wenig ich zum Leben unter fremden Menschen taugte. Bis zu dieser Zeit war es mir nie aufgegangen,​ daß ich auf allen Arbeitsstätten unter Fremden geblieben war ... Später war mir mein Kamerad genug gewesen.“//​ Welch ein Unterschied zu Schroeder - der tippelte zwar nur ein knappes halbes Jahr, doch nahm er die Menschen viel intensiver wahr, fühlte sich überall zuhause! ((Winnig, S. 202)) \\  Winnig fühlt sich unreif: //„Es war mein Kummer, daß ich so oft in die Weise der Kindheit zurückfiel und Erlebnisse ersann, wie ich sie mir wünschte, denn ich sagte mir, daß man dem Leben seinen ganzen Ernst schuldig ist.“// ((Winnig, S. 124)) Er weiß das und will auf der Walz an Reife gewinnen: //„ein Gefühl, daß ich in den sechs Monaten meiner Wanderschaft doch nicht nur älter geworden sei, sondern ebenso irgendwie innerlich gewonnen hätte, gewonnen an Besitz und an Kräften, die mit Erfahrung und Reife wohl angedeutet, aber noch nicht erfaßt sind. Es war wohl ein Wachsen, und nun mußte ich, um weiter zu wachsen, weiter wandern und das Leben hinnehmen, wie es war und wie es zu mir kam ...“// ((Winnig, S. 125)) Man kann lange wandern und dennoch kein Wanderer sein - nach einem Jahr auf der Landstraße stellt Winnig fest:// „In Köln merkte ich zum erstenmal, wie wenig ich zum Leben unter fremden Menschen taugte. Bis zu dieser Zeit war es mir nie aufgegangen,​ daß ich auf allen Arbeitsstätten unter Fremden geblieben war ... Später war mir mein Kamerad genug gewesen.“//​ Welch ein Unterschied zu Schroeder - der tippelte zwar nur ein knappes halbes Jahr, doch nahm er die Menschen viel intensiver wahr, fühlte sich überall zuhause! ((Winnig, S. 202)) \\ 
 Winnig sinnierte über den Sinn des Wanderns und unterschied zwischen dem Sinn für sich selbst und dem Sinn für die Gesellschaft durch //„den Austausch handwerklicher Erfahrungen,​ die Förderung im Beruf, das Kennenlernen fremder Länder und Leute. Diese Zwecke meinten wir und meinten, damit den Sinn der Wanderschaft getroffen zu haben, im Grunde aber wußten wir wohl, daß er woanders lag ... Die Wanderschaft war vom Menschen her gesehen eine Probe seines Mutes und seines Selbstvertrauens. An jeden jungen Gesellen war mit der Wanderschaft die Frage gestellt, ob er den Mut hatte, auf den Rückhalt der Heimat zu verzichten, auf die Behütung und Sicherung im Elternhause,​ auf Rücksicht und Beistand, wie die heimatlichen Verbundenheiten sie gaben, und ohne jeden Rückhalt, ohne Behütung und ohne Schonung zu leben. Denn das hieß Fremde. Die Fremde war grundsätzlich nur Verneinung der Heimat. Wer in die Fremde ging .... mußte alles, was er an Hilfsbereitschaft,​ Freundschaft und Wärme brauchte, neu erwerben. ... und wurde er mit der Fremde fertig, so kam er mit Kräften zurück, die er vorher nicht gehabt hatte und die ihn nicht nur im Beruf über die Daheimgebliebenen hinaushoben. Es war der Sinn der Fremde, daß man sie annahm und verstand.“//​ ((Winnig, S. 245)) \\  Winnig sinnierte über den Sinn des Wanderns und unterschied zwischen dem Sinn für sich selbst und dem Sinn für die Gesellschaft durch //„den Austausch handwerklicher Erfahrungen,​ die Förderung im Beruf, das Kennenlernen fremder Länder und Leute. Diese Zwecke meinten wir und meinten, damit den Sinn der Wanderschaft getroffen zu haben, im Grunde aber wußten wir wohl, daß er woanders lag ... Die Wanderschaft war vom Menschen her gesehen eine Probe seines Mutes und seines Selbstvertrauens. An jeden jungen Gesellen war mit der Wanderschaft die Frage gestellt, ob er den Mut hatte, auf den Rückhalt der Heimat zu verzichten, auf die Behütung und Sicherung im Elternhause,​ auf Rücksicht und Beistand, wie die heimatlichen Verbundenheiten sie gaben, und ohne jeden Rückhalt, ohne Behütung und ohne Schonung zu leben. Denn das hieß Fremde. Die Fremde war grundsätzlich nur Verneinung der Heimat. Wer in die Fremde ging .... mußte alles, was er an Hilfsbereitschaft,​ Freundschaft und Wärme brauchte, neu erwerben. ... und wurde er mit der Fremde fertig, so kam er mit Kräften zurück, die er vorher nicht gehabt hatte und die ihn nicht nur im Beruf über die Daheimgebliebenen hinaushoben. Es war der Sinn der Fremde, daß man sie annahm und verstand.“//​ ((Winnig, S. 245)) \\ 
-Zettler sinniert:// „Denn wie soll ein junger Mann Erfahrungen und Wissen sammeln, wenn er nicht seine Heimat verläßt und fremde Länder bereist? Wie soll er sich in seinem Berufe fortbilden, ohne die Meinung anderer Menschen gehört zu haben? ... Bin ich vielleicht anders, als die sonstigen jungen Männer meines Alters? Sollte ich ein besonders starkes Fernweh haben?“// ((Zettler, S. 53)) \\ +Zettler sinniert:// „Denn wie soll ein junger Mann Erfahrungen und [[wiki:​wissen|Wissen]] sammeln, wenn er nicht seine Heimat verläßt und fremde Länder bereist? Wie soll er sich in seinem Berufe fortbilden, ohne die Meinung anderer Menschen gehört zu haben? ... Bin ich vielleicht anders, als die sonstigen jungen Männer meines Alters? Sollte ich ein besonders starkes Fernweh haben?“// ((Zettler, S. 53)) \\ 
 Hasemann erlebt eine geschützte,​ freie Kindheit, lebt ungezügelt. Zur Qual wird ihm allerdings die Schule mit dem damit verbundenen Zwang, den Strafen und dem Arbeiten im Internat, der Presse:// „Hier war die Welt des Zwanges. ... Es kann kein Mensch begreifen, wie schmerzlich der Verlust der Freiheit auf solche Waldkinder, wie wir es doch waren, wirkte. Gefangen, eingemauert.“//​ ((Hasemann S. 2)) Er flieht, die Flucht gelingt: //„Ich wollte Maler werden oder Bildhauer oder irgend so etwas, ein Beruf mußte es sein, der keinen Zwang im Gefolge führte.“//​ \\  Hasemann erlebt eine geschützte,​ freie Kindheit, lebt ungezügelt. Zur Qual wird ihm allerdings die Schule mit dem damit verbundenen Zwang, den Strafen und dem Arbeiten im Internat, der Presse:// „Hier war die Welt des Zwanges. ... Es kann kein Mensch begreifen, wie schmerzlich der Verlust der Freiheit auf solche Waldkinder, wie wir es doch waren, wirkte. Gefangen, eingemauert.“//​ ((Hasemann S. 2)) Er flieht, die Flucht gelingt: //„Ich wollte Maler werden oder Bildhauer oder irgend so etwas, ein Beruf mußte es sein, der keinen Zwang im Gefolge führte.“//​ \\ 
 Doch es bedarf mehr, einen Gesellen zur Wanderschaft zu bewegen: persönliche [[wiki:​motive_des_reisens|Motive]] geben den Ausschlag. Begleitet werden sie von einer Neigung zum Reisen, einem Hang irgendwo im Spektrum zwischen Leidenschaft und Lust, der mehr oder minder für den Trieb, unterwegs zu sein, verantwortlich ist. Bei Hasemann wird es gar zum Lebensprinzip://​ „Nur der erwirbt das Recht aufs Jenseits, der den Kampf mit der Gottheit ausgefochten,​ der den Handschuh der Unmöglichkeit lächelnd aufnimmt.“//​ ((Hasemann, S. 9)) \\  Doch es bedarf mehr, einen Gesellen zur Wanderschaft zu bewegen: persönliche [[wiki:​motive_des_reisens|Motive]] geben den Ausschlag. Begleitet werden sie von einer Neigung zum Reisen, einem Hang irgendwo im Spektrum zwischen Leidenschaft und Lust, der mehr oder minder für den Trieb, unterwegs zu sein, verantwortlich ist. Bei Hasemann wird es gar zum Lebensprinzip://​ „Nur der erwirbt das Recht aufs Jenseits, der den Kampf mit der Gottheit ausgefochten,​ der den Handschuh der Unmöglichkeit lächelnd aufnimmt.“//​ ((Hasemann, S. 9)) \\ 
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 ==== Alois Zettler ==== ==== Alois Zettler ====
  
-(* 9.10.1854, + 9.10.1942) wandert vier Jahre, von 1872 bis 1876, durch Deutschland (München-Frankfurt),​ Schweiz, Italien, Österreich-Ungarn,​ (Zürich-Genf),​ Tschechei, Frankreich, England und die USA. Dabei sucht er gezielt Stellen, bei denen er als gelernter Elektrotechniker Neues lernen kann, unter anderem arbeitet er bei Edison. Er findet immer Arbeit in Europa und verdient gut, sein Glück verläßt ihn jedoch in Amerika: //„Es will mir nicht gelingen, eine Arbeit zu finden. ... Geld brauche ich ganz dringend. Ich hungere schon seit Tagen.“// ((Zettler, S. 91)) Zettler paßt sich an und springt auch auf Züge auf. ((Zettler, S. 103)) Auszüge aus seinem Reisetagebuch werden 100 Jahre nach seiner Reise erstmals herausgegeben und vernachlässigen gerade die reisepraktischen Hinweise, sind also für diesen Beitrag wenig ergiebig. Er reist gezielt, weiß, was er will, und nutzt seinen Mut, seine Energie und sein Wissen, indem er ein Jahr nach seiner Rückkehr eine eigene Firma gründet, die heute noch existiert. Damit hatte die Walz ihren Zweck für ihn erfüllt: //„Das Tagebuch ist gefüllt, meine Wanderjahre sind zu Ende. Was wird die Zukunft mir bringen?​“//​ ((Zettler, S. 119))+(* 9.10.1854, + 9.10.1942) wandert vier Jahre, von 1872 bis 1876, durch Deutschland (München-Frankfurt),​ Schweiz, Italien, Österreich-Ungarn,​ (Zürich-Genf),​ Tschechei, Frankreich, England und die USA. Dabei sucht er gezielt Stellen, bei denen er als gelernter Elektrotechniker Neues lernen kann, unter anderem arbeitet er bei Edison. Er findet immer Arbeit in Europa und verdient gut, sein Glück verläßt ihn jedoch in Amerika: //„Es will mir nicht gelingen, eine Arbeit zu finden. ... Geld brauche ich ganz dringend. Ich hungere schon seit Tagen.“// ((Zettler, S. 91)) Zettler paßt sich an und springt auch auf Züge auf. ((Zettler, S. 103)) Auszüge aus seinem Reisetagebuch werden 100 Jahre nach seiner Reise erstmals herausgegeben und vernachlässigen gerade die reisepraktischen Hinweise, sind also für diesen Beitrag wenig ergiebig. Er reist gezielt, weiß, was er will, und nutzt seinen Mut, seine Energie und sein [[wiki:​wissen|Wissen]] , indem er ein Jahr nach seiner Rückkehr eine eigene Firma gründet, die heute noch existiert. Damit hatte die Walz ihren Zweck für ihn erfüllt: //„Das Tagebuch ist gefüllt, meine Wanderjahre sind zu Ende. Was wird die Zukunft mir bringen?​“//​ ((Zettler, S. 119))
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