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Geländefahrzeuge

Jeder erkennt auf der Straße einen Geländewagen. Aber woran? Auch umgangssprachlich glauben wir alle zu wissen, was ein Geländewagen ist. Auf den Punkt bringen lässt sich dies jedoch nicht so einfach. Wenn ein Geländewagen fähig sein soll, abseits von Asphaltstraßen mobil zu sein, gab es (viel früher) fast nur Geländewagen, weil es so wenige Asphaltstraßen gab, allerdings wurden die Fahrzeuge nicht als »Geländewagen« bezeichnet. Oder aus der anderen Perspektive: Verschwände heute der Asphalt über Nacht, würden dennoch nahezu alle Fahrzeuge mobil bleiben: langsamer, staubiger, weniger komfortabel, weniger materialschonend - doch sie kämen ans Ziel. Aber sind sie deswegen Geländewagen?

Rechtliche Kriterien

Geländefahrzeuge der EU-Fahrzeugklassen *N1/2/3 und *M1/2/3 werden definiert in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung *StVZO Anlage XXIX (zu § 20 Absatz 3a Satz 4) und in Anhang 2 zur Richtlinie 2001/116/EG. Je nach Fahrzeugklasse wird u.a. gefordert:

  • mehrere (auch abschaltbare) angetriebene Achsen
  • eine Differentialsperre oder etwas Vergleichbares
  • Steigungswinkel ⇒ 25 bzw. 30 Prozent
  • Rampenwinkel ⇒ 20 bzw. 25 Grad
  • Überhangwinkel (»Böschungswinkel«) vorn/hinten ⇒ 20 bzw. 25 Grad
  • Bodenfreiheit (»Bauchfreiheit«) unter der Vorderachse ⇒ 180 bzw. 250 mm
  • Bodenfreiheit unter der Hinterachse ⇒ 180 bzw. 250 mm
  • Bodenfreiheit zwischen den Achsen ⇒ 200 bzw. 300 mm

Das klingt präzise und ist messbar, bezieht sich jedoch nur auf »Wagen« und nicht auf »Gelände«. Offen bleibt dabei die Frage: Was taugt ein Fahrzeug, das diesen Kriterien entspricht, im Gelände? 25% Steigung auf trockenem Asphalt oder an einer Sanddüne sind nicht vergleichbar. Zeigt sich die Bodenfreiheit an Bordsteinen oder in Bachbetten?

Praktische Kriterien

Die Feuerwehr erwähnt den Untergrund in ihren Anforderungen, bleibt jedoch diffus:

  • Ein geländefähiges Fahrzeug muss in besonderem Maße Bodenunebenheiten, Steigung und Untergrundarten bewältigen können, 23° Böschungswinkel und 18° Rampenwinkel.
  • Ein geländegängiges Fahrzeug hat: Böschungswinkel 35° (vorn und hinten), Rampenwinkel 30° für Klasse M, für leichte Fahrzeuge (L) 30° bzw. 25°.

Die Bundeswehr fordert von ihren KAT-Fahrzeugen, dass sie in der Lage sein sollen Panzern im Gelände zu folgen. Gut, aber wie misst man das, außer durch Tests?

Geländewagen sollen namentlich auf schlechten Wegen, Pisten und im unbefestigten *Gelände weiter kommen als normale Fahrzeuge, jedoch nicht nur punktuell und zeitweise geländefähig oder gar *geländegängig sein, sondern für den dauerhaften Einsatz unter solchen Bedingungen konstruktiv ausgelegt sein. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen an:

Konstruktionstechnische Kriterien

Die Anforderungen an ein Geländefahrzeug unterscheiden dieses insbesondere durch

Dahinter steht die »freie Zugkraft« als zentrales Kriterium für Geländefahrzeuge. Also die Leistung des Motors (Drehmoment) bezogen auf die Fahrzeugmasse abzüglich der Reibungsverluste bis zum Bodenkontakt. Betrachtet man Geländefahrzeuge hinsichtlich ihrer Fähigkeiten freie Zugkraft zu übertragen, so ergeben sich grob folgende Forderungen:

  • maximale Zugkraft, also
    ♦ möglichst hohes Drehmoment pro kg Fahrzeugmasse
    ♦ Untersetzung, damit das übertragbare Drehmoment erhöht werden kann
  • ständige Zugkraftübertragung, also
    Allradantrieb und Differentialsperren
  • maximale Zugkraftübertragung, also
    ♦ eine angepasste Lastverteilung über Achsen und Reifen sowie ein tiefer Schwerpunkt;
    ♦ möglichst große Bodenaufstandsfläche über mehr Achsen und mehr Reifen
  • minimale unerwünschte Reibungsverluste z.B. durch Bulldozing und Spurrillenreibung, also
    ♦ möglichst geringer Bodendruck durch geeignete Reifen
    ♦ angepasster Reifenluftdruck
  • ständiger Bodenkontakt über die Reifen, also
    ♦ geländetaugliche Federung, Dämpfung, Verwindungssteifigkeit
    ♦ geländetaugliche Geometrie: Radstand, Rahmenart, Achsgeometrie …
    ♦ Schutz empfindlicher Komponenten.

Die Fahrt ins Gelände wagen

Die folgenden Einträge beginnen mit der Jahreszahl und dem Kürzel für das Land, in dem ein Entwicklungsschritt oder eine besondere Leistung stattfand; ein ★ kennzeichnet etwas Erstmaliges.

  • 1761 GB ★ Die erste Achschenkellenkung
    Dr. Erasmus Darwin 1) )) konstruierte eine Vorrichtung, bei der jedes Vorderrad um eine eigene Vorderachse geschwenkt wird (»Lenktrapez«). Diese wurde danach noch mehrfach erfunden:
    1816 von Georg Lankensperger in München (Patent), 1876 von Amédée Bollée in Le Mans/Frankreich 2), 1891 von Carl Benz (28. Februar 1893 DRP 73515).
  • 1769 FR ★ Das erste Automobil
    Der erste Wagen mit eigenem Antrieb (engl.: self-propelled) war ein dreirädriger Dampfkraftwagen aus Holz, der »Fardier«, entwickelt von Nicholas Cugnot (1725–1804). Danach wurden mehr als 100 Jahre lang Dampfwagen immer wieder neu entwickelt und verbessert, setzten sich jedoch nur auf der Schiene als Lokomotive durch. Das Original steht im Pariser Conservatoire des Arts et Métiers; Nachbauten stehen im DB Museum Nürnberg und im Tampa Bay Automobile Museum in Tampa, Clearwater, Florida.
  • 1797/1801 GB
    In London entwickelt Richard Trevithick (1771-1833) mit dem »Puffing Devil« eine vierrädrige Straßen-Dampflokomotive. Ein zwei Jahre später entwickeltes Modell steht im Science Museum in Kensington.
  • 1806/07 ★ Der erste Gasmotor
    Der Schweizer Isaac de Rivaz betrieb mit Steinkohlegas und Wasserstoff einen Zweitakt-Motor in einem Fahrzeug und baute damit den ersten bekannten Verbennungsmotor (Patent 394 1807 in Paris).
  • 1825 GB Das erste Patent für einen Allradantrieb
    William Henry James erhielt ein Patent auf Zugfahrzeuge mit Anhänger. 3)
  • 1827 GB ★ Der erste Allradantrieb: ein Transportfuhrwerk
    In England konstruierten John Hill und Timothy Burstall (*1776-1860) ein Transportfuhrwerk (die »Perseverance«) mit Dampfmotor, angetriebener Hinterachse und zuschaltbarer Vorderachse. Hier wurde erstmals das Kardangelenk im Fahrzeugbau eingesetzt. 4) Das Problem der gleichmäßigen Kraftübertragung konnte zu dieser Zeit jedoch nicht gelöst werden. 5)
    »Ein großes Problem bereiten die Räder, die auf der Straße durchrutschen, ohne voranzukommen, sobald die kleinste Steigung oder eine schwere Beladung die Reibung auf der Achse größer als die zwischen dem Rand der Räder und dem Boden macht; die ganze Kraft der Maschine dient dann nur noch dem Durchdrehen der Räder, ohne dass der Wagen auch nur einen Zentimeter vorankommt.« 6)
  • 1831 GB On-the-road 90 km ★ Erstmals besser als ein Pferdefuhrwerk; ein Dampfwagen
    Der Dampfwagen »Infant« von Walter Hancock bewältigte eine Steigung von 5% und übertraf damit erstmals die Pferdefuhrwerke. 7) Der Infant verkehrte regelmäßig zwischen Stratford und London und erreichte auch Brighton.
  • 1835 DE »Die Unmöglichkeit, Dampfwagen auf gewöhnlichen Straßen mit Vortheil als allgemeines Transportmittel einzuführen«, beschrieb Joseph Ritter von Baader 1835 in einem Buch.
  • 1859 GB Der erste Kettenantrieb
    Thomas Aveling aus Rochester war vielleicht der erste, der den Antrieb mittels Kette auf die Hinterachse übertrug.8)
  • 1863 FR ★ Das erste Automobil mit Verbrennungsmotor On-the-road 18 km
    Hippomobile nannte Étienne Lenoir sein Fahrzeug, mit dem er 1863 18 km von Paris nach Joinville-le-Pont und zurück fuhr. Er baute noch ein zweites Fahrzeug und stellte danach den Fahrzeugbau ein.
  • 1865 GB On-the-road
    Das britische Parlament verabschiedet den »Red Flag Act«. Danach muss jedem Dampffahrzeug auf öffentlichen Straßen ein Mann mit einer roten Fahne vorausgehen. Erst 1896 wird das Gesetz abgeschafft. Zwischenzeitlich bedeutet es das Aus für die britische Fahrzeugentwicklung.
  • 1875 FR On the Road 208 km
    Amédée Bollée (1844–1917) fuhr 1875 mit dem Dampfauto »l'Obéissante« in 18 Stunden von Le Mans nach Paris.
  • 1877 DE On-the-road>Institution
    unter dem Namen Dampfkesselüberwachungsverein DÜV wird der Vorläufer des TÜV Rheinland in Düsseldorf gegründet.
  • 1878 FR ★ Das erste Serien-Automobil, ein Dampfwagen
    1878 war Amédée Bollées»La Mancelle« das erste in Serie gebaute Automobil (50 Exemplare) und das vermutlich erste Motorfahrzeug mit Frontantrieb unter einer Motorhaube, mit Kraftübertragung über eine Kardanwelle auf Stirnräder und mit Ketten auf die hinteren Räder. 9)
  • 1880/85 US ★ Der erste Allradantrieb in einem Serien-Dampfwagen 4×4
    Die 1848 gegründete Wood,Taber and Morse Steam Engine Company, Eaton, New York erhielt 1884 ein Patent 10) testete 1885 eine »new four-driver steam traction engine. It was run through the streets and up the hill with great ease and little noise« 11) und auf der Industrial Exposition of Canada in Toronto präsentiert 12). Ein Exemplar steht im Henry Ford Museum, Dearborn, Michigan. 13)
  • 1880 GB Patent 4×4
    John Whittingham erhielt das Patent No 3860 auf einen Allradantrieb; John Fowler baute auf dieser Basis 1885 eine Straßenlokomotive mit Dampfmotor. 14)
  • 1870 ★ Der erste Vergasermotor
    Siegfried Markus (1831 - 1891) baute in Wien den ersten fahrfähigen Wagen mit einem Benzin-Luft-Verbrennungsmotor, jedoch als handgeführten Wagen, also ohne Kupplung, ohne Bremsen und Lenkung. Im Technischen Museum Wien steht der zweite von Marcus gebaute Wagen von 1888 und damit das älteste erhaltene Exemplar eines Wagens mit Verbennungsmotor.
  • 1886 DE ★ Das erste moderne Automobil
    Der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1886 war das erste vollständige und erfolgreiche Automobil mit Verbrennungsmotor und den wesentlichen *Hauptbaugruppen, allerdings noch dreirädrig, weil das Problem vierrädrige Fahrzeuge zu lenken, erst 1893 mit der Achsschenkellenkung gelöst wurde. Das Patent wurde 1886 eingereicht, die Serienproduktion 1894 aufgenommen.
    Ein Nachbau des Patentmotorwagens Carl Benz steht im Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim.
  • 1888 DE ★ Die erste Langstreckenfahrt On the Road 200 km
    mit einem »modernen« Automobil führte von Mannheim nach Pforzheim und zurück, rund 200 Kilometer. Unternommen wurde sie von Bertha Benz als Werbefahrt für das von ihrem Mann Carl Benz erfundene Automobil, jedoch ohne sein Wissen in dessen Benz Patent-Motorwagen Nummer 3
  • (1883)/1890 DE ★ Das erste vierrädrige Automobil mit Verbrennungsmotor
    Parallel zu Benz arbeiteten Gottfried Daimler und Wilhelm Maybach:
    1883 entwickelten sie den ersten Einzylinder-Viertakt-Benzinmotor
    1885 betrieben sie damit das erste Motorrad mit Benzinmotor und das erste Motorboot
    1886 rüsteten sie eine Kutsche mit ihrem Benzinmotor aus
    1889 stellten sie auf der Pariser Weltausstellung das erste vollständige vierrädrige Automobil mit Verbrennungsmotor vor, das »Motor-Quadricycle«
    1890 schließlich wurde die Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet;
    dort entstand 1892 der ersten Zweizylinder-Reihenmotor.
  • 1888 GB ★ Der erste Luftreifen
    John Boyd Dunlop entwickelte den ersten pneumatischen, also luftgefüllten Gummireifen, zunächst jedoch nur für Fahrräder.
  • 1891 FR ★ On-the-road: Langstreckenfahrt On the Road 2.200 km
    im »modernen« Automobil von Paris nach Brest und zurück in einem Peugeot Typ 3, gefahren von August Doriot und Louis Rigoulot.
  • 1893 GB Dampfwagen 4×4 Patent
    Der britische Ingenieur Bramah Joseph Diplock (1857-1918) aus Fulham ließ sich ein Patent erteilen für ein dampfbetriebenes System aus Allradantrieb, Allradlenkung und drei Differentiale, dies wurde von Taskers 1899 als »Straßenlokomotive« (KD1899.2.M44) gebaut.
  • 1894 DE/FR Statistik Fahrzeugbau
    Benz baute 1894 67 Automobile und war damit weltweit der größte Hersteller von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor; Peugeot baute 40 Fahrzeuge und Daimler begann gerade mit dem ersten Fahrzeug.
  • 1894 CZ>DE On-the-road > Erste Internationale Langstreckenfahrt rund 2.400 km
    Theodor von Liebieg und Franz Stransky brachen am 16. Juli 1894 im böhmischen Reichenberg auf und fuhren mit dem Benz »Victoria« 939 Kilometer nach Gondorf an der Mosel (22. Juli 1894) und mit einem Ausgflug über Verdun und Reims zurück nach Reichenberg (31. August 1894). 15)
  • 1894 On-the-road > Die erste Automobil-Rallye 126 km
    Die Zeitung Le Petit Journal veranstaltete diese vielleicht erste Automobil-Rallye am 22 Juli 1894 für »Les Voitures sans Chevaux«. Sie führte 126 km von Paris nach Rouen, 17 Fahrzeuge nahmen teil. Der Erste, le Comte de Dion, mit einem Dampfwagen, wurde disqualifiziert. Das schnellste Automobil mit Verbrennungsmotor war ein Peugeot, gefahren von Albert Lemaître. Der Preis ging zu gleichen Teilen an Panhard et Levassor und Les fils de Peugeot frères.
  • 1894 FR ★ Der erste Luftreifen für Automobile
    Die Brüder Michelin entwickelten den ersten pneumatischen, also luftgefüllten Gummireifen für Automobile. Ein Plakat zeigt die Urform des Michelin-Männchens, einen Mann aus 40 Reifen sowie den Text: Nunc est bibendum! À votre santé! Le pneu Michelin boit l'obstacle!
  • 1895 FR On-the-road>Institution
    In Frankreich fahren 350 Autombile mit Verbrennungsmotor, in Deutschland nur 75. Der Automobile Club de France (ACF) wird von Marquis Albert de Dion, Baron de Zuylen de Nyevelt und Paul Meyan am 12. November 1895 in Paris als erster derartiger Club weltweit gegründet.
  • 1895 US Dampfwagen ★ Der erste Einzelradantrieb 4×4
    Die Charles F. Caffrey Carriage Company in Camde, New Yersey, baute ein Einzelstück für den Arzt Dr. F.L. Sweaney, bei dem jedes der vier Räder durch eine eigene Dampfmaschine angetrieben wurde und einzeln gesteuert werden konnte.
  • 1895 DE ★ Der erste Omnibus mit Verbrennungsmotor
    Gebaut von Carl Benz, mit acht Sitzen auf einem verstärkten Pkw-Fahrgestell, am 18. März 1895 im Linienverkehr zwischen Siegen und Netphen erprobt, jedoch im selben Jahr wieder eingestellt.
  • 1896 GB On the Road > Rallye 90 km
    Nicht als Rennen, sondern als Demonstration (»Emancipation Run«), ist dies dennoch die älteste Automobilveranstaltung dieser Art, die bis heute durchgeführt wird. Sie führt von London nach Brighton. Teilnehmen dürfen nur Fahrzeuge, die vor 1905 gebaut wurde. Die fünf schnellsten Fahrzeuge waren 1896: Léon Bollée (1 + 2), Duryea (3) und Panhard & Levassor (4 + 5).
  • 1898 DE ★ On-the-road: Institution
    Der Württembergische Automobilclub wird von Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und Robert Bosch als erster deutscher Automobilclub gegründet; 1933 erloschen seine Aktivitäten; 1951 wurde er neu gegründet.
  • 1899 US On-the-Road > Gipfelfahrt
    Flora und Freelan O. Stanley erreichten mit einem Stanley-Steamer (»The Flying Teapot«) auf einem Kutschenweg den Gipfel des Mount Washington (1917 m).
  • 1900 AT/DE ★ Der erste Hybridwagen mit Einzelradantrieb 4×4
    1899 bis 1904 arbeitete Ferdinand Porsche (damals ein noch unbekannter 25-jähriger Ingenieur) für die Firma Lohner Electric Car Company in Wien und konstruierte dort den »Lohner-Porsche Semper Vivus« mit Elektromotoren und Vorderradantrieb, der auf der Weltausstellung in Paris 1900 präsentiert wurde und in der weiteren Entwicklung auch mit Allradantrieb über vier Elektromotoren sowie mit Allradbremse ausgestattet wurde und mit zwei Verbrennungsmotoren zum Hybridfahrzeug wurde. Ein funktionstüchtiger Nachbau steht im Porsche-Museum in Stuttgart.
  • 1900 US Patent 4×4
    Charles E. Cotta aus Shannon, Illinois, erhielt ein Patent für einen Allradantrieb mit Ketten (U.S. Patent 652,949 und 700,175), verkaufte aber die Rechte 1903 an die Four Wheel Drive Wagon Company FWD in Milwaukee (s. 1909), denen Cotta künftig Getriebe lieferte.
  • 1900 DE ★ On-the-road: Institution
    Der Auto-Schnauferl-Club wird in Nürnberg gegründet, zunächst als Auto-Spargel-Club und ist der älteste ununterbrochen bestehende Club dieser Art.
  • 1900 DE On-the-road: Institution
    Der Deutsche Automobilclub DAC (heute Automobilclub von Deutschland AvD) wird als Dachverband gegründet.
    Im selben Jahr noch organisiert er die erste Internationale Automobilausstellung in Frankfurt am Main.
    1904 organisiert er das erste internationale Autorennen in Deutschland in Bad Homburg auf der Höhe.
  • 1901 FR > Afrika ★ On-the-road > Sahara
    Die belgischen Brüder Jean und Joseph De Crawhez erreichen am 14. Februar 1901 M'Zab in der Region Ghardaïa im südlichen Algerien in zwei Automobilen von Panhard et Levassor und sind dort die ersten Automobilisten.
  • 1901 US On-the-road 4.700 km
    Arthur Jerome Eddy (1859-1920) setzte einen Rekord, indem er 2.900 Meilen in zwei Monaten fuhr; er startete am 1. August 1901 in Chicago nach Boston und kam am 30. September 1901 zurück. Unter dem Pseudonym »Chauffeur« veröffentlichte er darüber 1902 das Buch »Two thousand miles on an automobile; being a desultory narrative of a trip through New England, New York, Canada, and the West«.
  • 1901-08 US On-the-road: Weltreise 69.000 km
    Charles Jasper Glidden (1857 – 1927) verkaufte 1901 seine Firma und startet 1902 in Boston zusammen mit seiner Frau und dem englischen Ingenieur Charles Thomas in einem Napier. Bis 1908 fuhr er 43.168 Meilen durch 37 Länder. Diese »Weltreise« setzt sich allerdings aus vielen Reisen zusammen, da er zwischendurch mindestens zweimal zurück in den USA war. 16)
  • 1902 DE/GB/FR/RU On-the-road
    Edward Ernest Lehwess (1872 Sophiental - 1941 Paris) war in London Direktor des Motor Car Emporium, der Automobile Association, der Electric Vehicle Co. 1899 inseriert er seinen Plan, von Peking durch China, Russland und Deutschland nach London zu fahren. 17)
    1902 lässt er sich in Paris von Panhard dafür einen Wagen bauen 18); Spitzname »Passe-partout« 19)
    Am 29. April 1902 startet er damit in London. In St. Petersburg reißen die Zylinder und in Nijni Novgorod lässt er den Wagen im Schnee zurück. Angbelich wurde der Wagen von Charlie Friswell später wieder nach London gebracht 20)
  • 1902/03 DE>IT ★ On-the-road > Transalpina
    Die erste Überquerung des Gotthardpasses mit einem Automobil schildert Otto Julis Bierbaum in seinem 1903 erschienenen Reisebericht Eine empfindsame Reise im Automobil. Dieses gilt als erstes Autoreisebuch in deutscher Sprache. Das Ehepaar Bierbaum fuhr 1902 mit einem Adler-Cabrio von Deutschland über Prag und Wien nach Italien.
  • 1903 DE On-the-road
    In der Rheinprovinz wird eine 400 Meter lange Versuchsstrecke mit einer Teerschicht versehen.
  • 1903 NL ★ Rennwagen 4×4
    Die niederländische Firma Spyker (1889 - 1910, Jacobus and Hendrik-Jan Spijker) präsentierte 1903/1904 den Spyker 60 HP als erstes Automobil mit einem Sechszylinder-Ottomotor und Allradantrieb über ein Verteilergetriebe. Der Wagen war als zweisitziger Rennwagen konstruiert. Das Fahrzeug steht im Louwman Museum in Den Haag.
  • 1903 GB ★ Offroad-Räder
    Der bereits oben 1893 genannte britische Ingenieur Bramah Joseph Diplock entwickelte das Pedrail-System zur Fortbewegung automobiler Fahrzeuge in schwierigem Gelände; gebaut wurde es für landwirtschaftliche Maschinen.
  • 1903 US ★ On-the-road > Trans-USA ca 5.500 km
    Der Arzt Dr. Nelson Jackson aus Vermont war wohl der Erste, der die USA im Automobil durchquerte, von San Francisco nach New York in einem zweisitzigen Winton (23. Mai bis 26. Juli). Ab 1913 entstand auf dieser Route der »Lincoln-Highway« mit ursprünglich 5454 Kilometern Länge, später verkürzt auf 5057 Kilometer. Das Fahrzeug befindet sich im Smithsonian Institute in Washington. 21)
  • 1903 SE On-the-road: Polarkreis
    Charles Jasper Glidden (1857 – 1927) fährt mit einem Napier bis zum Polarkreis in Schweden.
  • 1904 AT/DE Lkw 4×4
    Ferdinand Porsche ging 1906 zur Oesterreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft (»Austro-Daimler«); dort produzierte man seit 1904 4×4-Lkw.
  • 1904 US On-the-road: Institution
    In New York wird der Explorers Club gegründet.
  • * 1904-06 US ★ Lkw 4×4
    Die Twyford Company von Robert E. Twyford in Brookville, Pennsylvania, bot den Typ A mit Allradantrieb für 2.700 USD als Transporter an. Es sollen um 1906 sechs Exemplare gebaut worden sein. Ein Nachbau des zweisitzigen Roadster steht im Jefferson County History Center in Brookville.
  • 1905 DE Lkw Dampf
    Hanomag baut seinen ersten Dampflastwagen, nach Schiffsmaschinen und Lokomotiven seit 1835.
  • 1905 GB>TR On-the-road > ★ Erste Interkontinentale Automobilfahrt
    Mit einem einzylindrigen Rover startete Robert L. Jefferson am 21. September 1905 im englischen Coventry und erreichte Istanbul am 5. November.
  • 1907 Asien>Europa On-the-road > ★ Die erste interkontinentale Automobil-Rallye 16.000 km
    Mehr als 16.000 km und kein Fahrzeug hatte Allradantrieb. 40 Teilnehmer meldeten sich an, nur fünf erreichten den Start in Peking, von diesen erreichten nur zwei Paris, nämlich Scipione Borghese/Ettore Guizzardi mit einem Itala 35/45 HP (ohne Allradantrieb) und Charles Goddard/Jean du Taillis auf Spyker. Zurück blieben Auguste Pons auf Contal sowie Georges Cormier und Victor Collignon, beide mit einem De Dion-Bouton. Der Reporter Luigi Barzini begleitete den Sieger und schrieb ein Buch darüber. Der Itala steht im Turiner Automobilmuseum. 22)
  • 1907/08 DE>Afrika ★ Der erste Geländewagen
    Daimler baute als Einzelstück den »Dernburg-Wagen« für die Verwaltung der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia: allradangetrieben, allradgelenkt, 320 mm Bodenfreiheit, drei Differentiale usw. Das dürfte der erste Wagen gewesen sein, der speziell auf Geländeanforderungen hin konstruiert wurde.
  • 1907/08 FR>Afrika On-the-road > Sandmatten
    Gaston Liégeard unternahm 1907 und 1908 Fahrten ins Maghreb (Tunesien, Algerien, Marokko, Westsahara ) mit einem Peugeot Type 93, den er für Fahrten im Sand umbauen konnte. Er setzte den Wagen in ein Rohrgestell, über das außen Kokosmatten liefen, auf denen die Räder fuhren (etwa wie ein Hamsterrad), ähnlich wie ein Raupenantrieb, nur dass die Kokosmatten nicht angetrieben wurden. Die Fahrten führten ihn bis Biskra-Touggourt, Tébessa und Gafsa.
  • 1907-09 DE>Afrika On-the-road > ★ Erste Durchquerung Afrikas im Automobil 9.500 km
    Paul Graetz startete am 10. August 1907 in Dar-es-Salaam (damals Deutsch-Ostafrika, heute Tansania) durch (heute) Sambia, Simbabwe, Südafrika und erreichte Swakopmund (damals Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia) am 1. Mai 1909. Sein Fahrzeug konstruierte dien Süddeutsche Automobil-Fabrik SAF in Gaggenau, die 1910 in der Benz & Cie aufging. 23)
  • 1907-08 AU On-the-road > ★ Die erste Süd-Nord-Durchquerung Australiens 3.360 km
    Harry Dutton und Murray Aunger fahren mit einem Talbot von Adelaide an der Südküste nach Darwin an der Nordküste. Der erste Versuch (Start am 25.22.1907) scheiterte, mit einem zweiten Wagen versuchten sie es am 30. Juni 1908 erneut und erreichten Darwin am 20. August.
  • 1908 US>FR On-the-road > ★ Die längste Rallye 28.730 km
    1908 starteten sechs Fahrzeuge aus vier Ländern zur längsten je stattgefundenen Rallye, von New York nach Paris. Keiner davon hatte so etwas wie Allradantrieb, Untersetzung oder Differentialsperre. Deutschland startete mit einem Protos, Italien mit einem Züst 28, Frankreich brachte je ein Fahrzeug von De Dion-Bouton, Motobloc und Sizaire-Naudin an den Start und die Vereinigten Staaten einen Thomas Flyer. Um 11:15 am 12. Februar ertönte der Startschuss. 41 Tage Tage später erreichte der Thomas Flyer als erster San Francisco und war damit das erste Automobil, dass die Vereinigten Staaten im Winter durchquert hatte. Am 26. Juli erreichte Hans Koeppen mit Protos nach 16.700 Kilometern als erster Paris, am 30. Juli kam George Schuster mit dem Thomas Flyer an. Im September erreichte das italienische Fahrzeug Paris, alle anderen schafften es nicht. Der Züst hatte 28.730 km zurückgelegt, der Thomas 26.200 km und der Protos 21.500 km.
    Zum Sieger wurde jedoch der Thomas Flyer erklärt, weil der Protos nicht wie gefordert über Alaska gefahren war und weil streckenweise den Wagen mit der Eisenbahn transportiert hatte.
    Der Thomas Flyer steht im National Automobile Museum, Reno, Nevada; der Protos steht im Deutschen Museum in München. 24)
  • 1908 US Patent 4×4
    Otto Zachow und William Besserdich erhalten Patente 25) für einen Allradantrieb (s. 1900 Cotta; Vorarbeiten ab 1906, Antrag 1907), z.B.: 29. December 1908 - für einen »Power-Applying Mechanism … whereby the power may be applied to front and rear axles … four-wheel braking system«. Zachow war der Schwager von Besserdich; Besserdich soll aus Österreich in die USA ausgewandert sein und in Österreich im Automobilbau gearbeitet haben (unbelegt).
  • 1909 US Four Wheel Drive Auto Company
    Otto Zachow und William Besserdich gründeten 1909 die Badger Four Wheel Drive Auto Company in Clintonville, Wisconsin. Die FWD Corporation bestand bis 2009. Das erste Fahrzeug war ein Dampfwagen mit Allradantrieb; der zweite Wagen hieß »Battleship« und hatte einen Verbrennungsmotor, beide blieben Prototypen. Das älteste erhaltene Fahrzeug, die Nancy Hank von 1911, steht im Museum der Four Wheel Drive Foundation in Clintonville.
  • 1909 RU ★ Der erste Raupenantrieb: ein Jagdwagen
    Adolphe Kégresse (1879 - 1943) war als Ingenieur für die Fahrzeuge des Zaren Niclaus II. in Sankt Petersburg zuständig. Dessen Wunsch, die Fahrzeuge zur Jagd und ganzjährig zu nutzen, führte zu Kegresses Erfindung des Raupenantriebs. Er baute 1909 bis 1912 einen Mercedes 24/26 so um, dass die Hinterachse ein Raupenband (aus Kamelleder, später Hartgummi) antrieb und stellte die Vorderräder auf Kufen; 1917 wird ein Packard Twin-6 entsprechend umgebaut. Sein Patent war Grundlage für die Raupenfahrzeuge von Russo-Balt, Renault, Rolls-Royce, Citroen und anderen Fahrzeugherstellern.
  • 1909 AT ★ Erste Offroad-Gipfelbefahrung
    Am 15. August 1909 fuhr Karl Slevogt, Ingenieur und leiter der Puch-Werke, mit einem 18/22 HP Puch-Wagen in 29 Minuten auf den 1449 Meter hohen Schöckel, in »mörderischer Fahrt durch Hohlwege und Geröll«. 26)
  • 1909/12 USA ★ Der erste Anlasser
    Charles F. Kettering entwickelt einen elektrischen Anlasser für Verbrennungsmotoren, den Cadillac ab 1912 serienmäßig verbaut. Das mühsame (und gefährliche) »Ankurbeln« entfällt. Damit vergrößert der Verbrennungsmotor seinen Entwicklungsvorsprung gegenüber dem Dampfmotor erheblich.
  • 1912 US ★ Das erste Militärgeländeautomobil 4×4
    FWD (s.o.) stellte das erste Allradfahrzeug für die US-Army her. Allein 1916 wurden 16.000 Exemplare an die US Army geliefert. Ein Modell von 1917 steht im Fort MacArthur Military Museum, San Pedro, Los Angeles, Kalifornien.
  • 1912 CA On-the-road > ★ Erste Durchquerung Kanadas
    Thomas Wilby und Jack Haney durchqueren als Erste Kanada mit einem Automobil, einem umgebauten REO, von Halifax nach Vancouver. 27)
  • 1912 AU On-the-road > ★ Die erste West-Ost-Durchquerung Australiens 4.160 km
    Francis Birtles und Syd Ferguson fahren mit dem amerikanischen Einzylinder Brush Runabout von Perth (16. März 1912) nach Sidney (13. April 1912).
  • 1913 Afrika On-the-road
    Bede J. F. Bentley und Reginald G. Wells fahren mit dem Automobil von Dschibuti nach Addis Abbeba und besuchen den Negus Menelek. 28)
  • 1913 US Quad 4×4
    Das Jeffery Quad (später Nash Quad) war allradangetrieben, allradgelenkt und allradgebremst, hatte Portalachsen, drei Differentiale, vier Gänge, Untersetzungsgetriebe. Das Quad ersetzte bei der Army die Maultier-Teams und wurde »der Willys Jeep« im ersten Weltkrieg, auch gepanzert. Hersteller in Kenosha war die Thomas B. Jeffery Company bzw deren Nachfolger Nash Motors ab 1916. Bis 1928 wurden mehr als 40.000 Exemplare gebaut. Quad wird hier nicht im heutigen Sinne verwendet, sondern entstand aus der ursprünglichen Bezeichnung Rambler Quadruple. Dennoch betont Quad die besonderen Eigenschaften durch austauschbare Aufbauten im Unterschied zur einfachen Ladefläche eines Lkw.
  • 1914 AR On-the-road > ★ Erste Trans-Südamerika-Durchquerung ca 1.500 km
    Johnson Martin und Otto Johanson starten in Buenos Aires am 31. Januar 1914 mit einem Buick 28 Roadster und erreichen via La Paz und Mendoza schließlich Santiago in Chile am 28. Februar; den höchsten Punkt bildete der Paso de la Cumbre mit 3.834 Metern. 29)
  • 1917 US Lkw 4×4
    William R. Besserdich und Bernhard A. Mosling gründeten in Clintonville die Duplex Power Car Company, die noch im gleichen Jahr umzog nach Oshkosh, Wisconsin und sich nach dem Ort benannte. Die Firma baut bis heute schwere Geländefahrzeuge; das erste Fahrzeug, die Old Betsy, ist erhalten und bis heute fahrfähig. Ein frühes Exemplar der Militär-Lkw steht im Fountainhead Antique Auto Museum in Fairbanks.
  • 1919-20 IT > Afrika ★ Erste Durchquerung der Sahara im Automobil, mehr als 3.000 km
    23 Militär-Lastkraftwagen Fiat 15 Ter (gebaut 1913-23), Spitzname »Libia«, durchqueren ohne Alltradantrieb die Sahara (Touggourt-Tamanrasset-Touggourt); sie starten am 18. Dezember 1919 unter Général Nivelle.30)
  • 1921 bis 1925 USA/China
    Der amerikanische Zoologe Roy Chapman Andrews organisiert mehrere motorisierte paläontologische Expeditionen durch die Gobi, unter anderem mit Fulton Lastwagen und Dodge Personenwagen. 31)
  • 1922 FR > Afrika ★ On-the-road > Transahara mit Raupenantrieb 3.500 km
    Adolphe Kégresse (s. 1909) entwickelte für Citroën Halbkettenfahrzeuge fürs Gelände. Fünf Fahrzeuge des Typ B2 10HP durchqueren die Sahara via Touggourt und Timbuktu (3.500 km, 17. Dezember 1922 bis 7. Januar 1923). Geleitet wird die Fahrt von Georges-Marie Haardt und Louis Audouin-Dubreuil.
  • 1923 FR Lkw 6×4
    Spezialanfertigung auf Basis eines Renault 10 CV, ein Dreiachser mit Zwillingsreifen rundum und zwei angetriebenen Hinterachsen. Gebaut wurde er für die Durchquerung der Sahara 1926.
  • 1923 DE Lkw-Dreiachser
    Büssing baut den ersten serienmäßigen dreiachsigen Lastkraftwagen.
  • 1924-25 FR > Afrika ★ On-the-road > Erste Afrika-Durchquerung mit Raupenantrieb 28.000 km
    Als »Croisière Noire« fahren acht Citroen-Halbkettenfahrzeugen 28.000 km von Colomb-Béchar in Algerien über Timbuktu nach Antananarivo auf Madagaskar. Geleitet wird die Fahrt von Georges-Marie Haardt und Louis Audouin-Dubreuil.
  • 1924 Afrika>GB ★ On-the-road > Erste Afrika-Durchquerung mit Radfahrzeugen von Kapstadt nach Kairo
    Hauptmann Chaplin Court Treatt mit zwei R.F.C. Crossleys, deren Aluminiumdächer zu einem Ponton zusammengebaut werden konnten. Sie starteten am 23. September 1924 und erreichten London im Februar 1926.
  • 1926-28 DE Militär 4×4
    Die erste Mercedes-Benz G-Serie (W103) mit Allradantrieb als Geländewagen fürs Militär, es wurden nur sieben Exemplare gebaut, weil Horch die Ausschreibung gewann (6×4-Geländewagen Horch 8 Typ 40).
  • 1927 DE Offroad
    Der Kieler Ingenieur Johann Christoph Bischoff entwirft (auf dem Papier) ein »Wüstenschiff« mit 60 Metern Länge und Rädern mit 15 Metern Durchmesser.
  • 1927-29 ★ On-the-road > Erste Weltreise mit dem Automobil: 46.063 km
    Die Rennfahrerin Clärenore Stinnes und ihr Ehemann Carl-Axel Söderström fuhren 1927 bis 1929 als erste in einem serienmäßigen Personenwagen um die Erde, in einem Adler Standard 6 ohne Allradantrieb, jedoch mit Rahmen und Starrachsen.
  • 1928 US Offroad-Song
    1928 singen die Red Fox Chasers mit Wreck On The Mountain Road den ersten Song über einen Lkw-Fahrer.
  • 1929 DE ★ Der erste (?) Kübelwagen
    Der als Feuerwehrwagen gebaute Wanderer W11 ist als Kübelwagen entworfen und steht im Fahrzeugmuseum Chemnitz.
  • 1929 Afrika: Libysche Wüste Erstbefahrung der Darb el Arbain
    Die 1.800 km lange Karawanenroute, die »Straße der 40 Tage« (marked by white camel bones) von Ägypten nach Kordofan befuhr 1929 Almásy als Erster mit dem Automobil
  • 1931/32 FR > Asien ★ On-the-road: Transasien mit Raupenantrieb
    Sechs Citroën-Halbkettenfahrzeugen fuhren als »Croisière Jaune« von Beirut nach Peking. Sieben weitere Fahrzeuge starteten in Tien Tsin Richtung Himalaya. Geleitet wurde die Fahrt wieder von Georges-Marie Haardt und Louis Audouin-Dubreuil.
  • 1933 DE Kübel-Rennwagen
    Opel baute Prototypen und Sonderanfertigungen für Rallyes auf der Basis des Opel 4 mit 1,8 Liter Maschine.
  • 1933-34 China On-the-Road\\ Sven Hedin hat den Auftrag, eine Straßenroute zu erkunden, die von China nach Sinkiang führt. Am 31.10.1933 verlässt die motorisierte Expedition die Eisenbahnstation Kwei-hwa, fährt über Urumtschi und folgt der alten Seidenstraße nach Sianfu (7. Februar 1934). 32)
  • 1933-41 DE Kübelwagen Militär
    Der Wanderer W11/I mit dem 3-Liter-Motor des Wanderer W14 wird für die Wehrmacht gebaut, mindestens 4500 Fahrzeuge.
  • 1934 AT > Transalpina On-the-Road Erstbefahrung des Großglockners
    Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße am 22. September 1934 durch Dr. Franz Rehrl, Salzburger Landeshauptmann, mit einem Steyr 100.
  • 1934 FR > Antarktis On-the-road > Raupenantrieb
    Andrè Citroen stellte dem Expeditionsleiter Admiral Byrd drei C6-Kettenfahrzeuge zur Verfügung. Diese wurden von Byrd später in seinem veröffentlichten Bericht gelobt im Unterschied zu ebenfalls verwendeten Fahrzeugen von Ford und der Cletrac-Raupe von Cleveland.
  • 1934-37 JP Militär-Tourenwagen 4×4
    Mitsubishi baute den ersten Wagen mit Allradantrieb in Japan; es entstanden jedoch nur vier Prototypen des PX33 als Tourenwagen. 1989 nahm ein Nachbau auf der Basis eines Pajero an der Rallye Paris-Dakar teil und erreichte das Ziel.
  • 1934 DE Einheitswagen 4×4
    1934 entstand ein Entwicklungsprogramm für Einheitsfahrgestelle für Fahrzeuge der Reichswehr und der Wehrmacht, dem die dabei zugelassenen deutschen Automobilhersteller und Zulieferer nachkommen mussten: Stoewer, BMW, Hanomag, Auto-Union (DKW, Audi, Horch), Opel, Ford. Gefordert wurden fünf Fahrzeugkategorien, beginnend mit einem »leichten geländegängigen Personenkraftwagen« (LEPKW); für alle Kategorien waren Allradantrieb und Einzelradaufhängung vorgeschrieben. Daher sind Fahrzeuge nicht zuzuordnen; das gleiche Fahrzeug entstand als Stoewer R 180 Spezial in Stettin und als BMW 325 in Eisenach. Diese Pkw wurden in den Kriegsjahren alle als geländeuntauglich bewertet (Rahmen, Achsen, Federn, Radaufhängung zu schwach)
  • 1934-39 DE Geländewagen 4×4
    Mercedes baute den G4 (W31) mit Allradantrieb und 3 Achsen; es wurden nur 57 Exemplare gebaut. Jeweils ein G4 steht im Auto- und Technikmuseum Sinsheim, in der Automobilsammlung des spanischen Königshauses und in Hollywood.
  • 1934-37 DE Kübelwagen Militär
    Horch baute den 830 R (»schwerer geländegängige PKW«) für den Einsatz im Gelände mit Starrachsen, etwa 4.500 Stück.
  • 1934 DE On-the-road: Wohnwagen
    Heinrich Hauser fuhr mit der selbstgebauten Arche (gezogen von einem Ford Packard) als einer der ersten mit einem Wohnwagen 134 Tage durch Deutschland.
  • 1935-43 DE Lkw mit Einzelradantrieb
    Der Tempo G1200 war das erste Fahrzeug mit Allradantrieb, bei dem jede Antriebsachse durch einen eigenen Verbrennungsmotor angetrieben wurde; 1253 Exemplare wurden hergestellt.
  • 1935–1936 AT>Asien On-the-road ★ Erste Durchquerung Hinterindiens ca 40.000 km
    Max Reisch und Helmuth Hahmann fahren mit einem Steyr 100 um die Erde und befahren dabei als Erste mit einem Automobil die Strecke durch Hinterindien nach China, 26.000 Kilometer bis Shanghai. Das Fahrzeug steht heute im Familienweingut in Bozen.
  • 1935–41 DE Lkw
    Büssing baute den allradangetriebenen Lkw Typ 504 V-A (4×4) 6–6,25
  • 1935 DE Kübelwagen zivil > Militär
    Daimler-Benz entwickelte den militärischen Kübelwagen 170 VK (Baureihe W 133 II) fürs Gelände aus dem zivilen Typ 170 V.
  • 1936-44 JP Geländewagen 4×4
    Tokyu Kurogane Kogyo baute den dreisitzigen Typ 95 (»Yonki«, »Daruma«) für den militärischen Einsatz, fast 5.000 Exemplare, allerdings mit Einzelradaufhängung. Vier Exemplare stehen in Museen, u.a. im Motorcar Museum von Japan, Retro Auto Museum in Moskau, im Redball Military Transport Club in Pennsylvania, USA.
  • 1937 US On-the-road: ★ Dachzelt
    Das »Car Top Carries Collapsible Tent« erscheint erstmals in der Zeitschrift Popular Science, Seite 38, January 1937.
  • 1937-40 DE Kübelwagen 4×4
    Ab 1936 baute BMW den 325 als leichten geländegängigen Kübelwagen mit Allradantrieb und drei Sperrdifferentialen.
  • 1937-41 DE Kolonial- und Jagdwagen
    Daimler-Benz baute 375 Exemplare des wenig erfolgreichen G5 (W152), der 1938 auf der Londoner Automobilausstellung als Kolonial- und Jagdwagen vorgestellt wurde.
  • 1938 RU ★ Der erste geschlossene Geländewagen
    In Russland entwickelte das Gorky Automobilwerk ab 1938 mit dem GAZ-61 das erste Geländefahrzeug mit geschlossenem Aufbau und produzierte den GAZ-61-73 ab 1941 in Serie.
  • 1939-45 DE Kübelwagen Militär
    Aus dem KdF-Wagen, der von Ferdinand Porsche ab 1934 entwickelt wurde, entwickelte Porsche 1939 den Typ 62 KdF-Gelände-Fahrzeug sowie »VW-Kübelwagen« VW Typ 82. Dieser war 41 cm länger als Willys MB (Jeep), jedoch 300 kg leichter, hatte aber keinen Allradantrieb.
    1940-1945 wurden mehr als 55.000 Exemplare hergestellt.
    Der Typ 87 war dann auch mit Allradantrieb ausgestattet und wurde 1940 zum Typ 128/166 »VW-Schwimmwagen« weiterentwickelt.
    1940 wurden vier Kommandeurwagen mit Allradantrieb auf der Basis des Typ 87 gebaut. Einer stand Generalfeldmarschall Erwin Rommel in Afrika zur Verfügung. Ein Exemplar steht heute im Porschemuseum Helmut Pfeifhofer in Gmünd in Kärnten.
  • 1939 CH>AF On-the-road
    Am 6. Juni 1939 fahren zwei Frauen in einem Ford Cabriolet von Genf nach Afghanistan. Annemarie Schwarzenbach (1908-42, Journalistin, Schriftstellerin, Fotografin) begleitet Ella Maillart (1903-97, Olympiaseglerin, Stuntwoman, Ethnologin). 33)
  • 1940 DE Militär Lkw 4×4
    Ab Juli 1940 wurde der Opel Blitz 3,6-6700 A mit Allradantrieb für die Wehrmacht produziert.
  • 1940 US Militär
    370.000 Willys MB produzierte die Firma Willys-Overland Company in Toledo (Ohio), intern bezeichnet als ¼-ton 4 × 4 truck, später als »Jeep« bezeichnet.
  • 1940 US Militär: Quad
    Die Firma Willys-Overland Company stellte zwei Prototypen als »Quad« vor.
  • 1941 RU Militär
    V. A. Grachev entwickelte über den GAZ-64 den GAZ-67 (93.000 Stück) und 1944 den GAZ-67B.
  • 1944-86 US ★ Der erste zivile Geländewagen
    Der Jeep CJ, Civilian Jeep, wurde in sieben Generationen gebaut, vom Wrangler 1987 abgelöst, jedoch weiterhin mit Leiterrahmen und Starrachsen.
  • 1945 DE On-the-road: Offroad
    Georg Höltl gründet die Firma Rotel-Tours in Tittling. Das spätere Konzept: allradtaugliche rote Hotelbusse auf Lkw-Fahrgestellen sind geeignet für Offroadtouren, siehe 1962 und 1969.
  • 1945 GB On-the-road: Institution
    Norman Ford gründet in London den Globetrotters' Club.
  • 1946 DE Geräteträger
    Mercedes Benz baute den Unimog serienmäßig ab 1949
  • 1946-54 DE Lkw 4×4
    Magirus-Deutz baut die Eckhauber der 1. Generation auch in Allradversionen (A3000, A3500).
  • 1948 GB Geländewagen
    Der Land Rover wird bei der Amsterdam Motor Show vorgestellt. Der erste Geländewagen mit Aluminiumkarosserie (»Fahrende Opferanode«).
  • 1950 FR Transporter 4×4
    Der Lieferwagen Renault Colorale wurde auch in einer 4×4-Version gebaut und war damit das erste Allradserienfahrzeug von Renault.
  • 1950-61 DDR Militär Lkw 4×4
    Der 4×4 Granit 27 A wurde 1953-55 als Granit 30k A gebaut, und danach als Garant 30 k AW/Zg in neuem Design hergestellt. Aus dem Phänomen Granit wurde der Robur Garant.
  • 1951-67 DE Lkw 4×4
    Magirus-Deutz baut die Rundhauber mit den Planetennamen.
  • 1951 - heute
    Der Toyota Jeep BJ, der Urahn des Landcruisers, wird entwickelt.
  • 1952-58 DDR Kübelwagen 4×4
    Der IFA P2M war ein kleiner Geländewagen für Militär, Polizei und Feuerwehr, entwickelt aus dem Horch P2, einem »mittelschweren geländegängigen Pkw« der Wehrmacht.
  • 1952 DE On-the-road: Wohnmobil
    Westfalia baut die »Camping-Box« auf der Basis eines VW-Busses T1
  • 1953-71 DE Lkw 4×4
    Rund 6.000 Hanomag A-L 28 werden in dieser Zeit gebaut.
  • 1953-57 DE Militär Geländewagen
    Die Bundeswehr beschließt, anstelle eines Motorrads mit Beiwagen ein kleines geländegängiges Allradfahrzeug (Kübelwagen) in der 0,25t-Klasse anzuschaffen. Drei Firmen bewarben sich:
    Borgward mit dem Goliath 31 und 1957 mit dem verbesserten Goliath 34
    Porsche mit dem Jagdwagen Typ 597
    Auto-Union mit dem DKW Munga. Nach umfangreichen Tests überzeugte alleine der Munga.
  • 1954 DE Militär
    Porsche entwickelt den Typ 597 »Jagdwagen« als schwimmfähiges Allradfahrzeug, jedoch bleibt es bei einer Vorserie von 71 Exemplaren. Ein Exemplar steht im Porsche Automuseum Gmünd von Helmut Pfeifhofer.
  • 1954 FR>Amerika
    Roger Courteville behauptet in seinem Buch »La première traversée de l'Amérique du Sud en automobile, de Rio-de-Janeiro à Paz et Lima« (Paris, Barrère 1954) als Erster auf dieser Strecke Südamerika mit dem Automobil durchquert und unterwegs den vermissten Percy Fawcett getroffen zu haben. Beides wird angezweifelt.
  • 1955-56 GB>Singapur On-the-road 29.000 km
    »The Oxford and Cambridge Far Eastern Expedition« startete mit zwei Land Rovern am 1. September 1955 in London und erreichte Singapur am 6. März 1956 nach 18.000 Meilen Fahrt. 34)
  • 1955-58 RU ★ Der erste Pkw mit selbsttragender Karosserie und 4×4
    Der GAZ-M72 (»Sieg«) verband Komponenten des (militärischen) GAZ-69 mit der Karosserie des (zivilen) GAZ-M20 Pobeda und war damit der erste Geländewagen, der eine selbsttragende Karosserie mit einem Allradantrieb verband, allerdings nicht für den zivilen Markt bestimmt. Gefertigt wurden 4.677 Stück für das Militär.
  • 1956 RU On the Road: Transsibirien 15.000 Kilometer
    Im Sommer 1956 fuhren die drei Journalisten, V. Urin, I. Tichomirov und A. Lomakin auf GAZ-M72 von Moskau nach Wladiwostok. 35)
  • 1955-68 BRD Kübelwagen 4×4
    Der Borgward B 2000 A/O mit Allradantrieb als Neunsitzer für die Bundeswehr.
  • 1956 DE On-the-road: Weltreise mit dem Goggomobil 44.000 km
    Am 21. Juni 1956 starten die Reporter Eitel und Ilse Lange mit ihrem Goggomobil T 300 und kehren 12 Monate später nach rund 44.000 Kilometern zurück.
  • 1956-61 DE Militär
    DKW Munga als Kübelwagen für die Bundeswehr.
  • 1957- US Militär: Quad
    Das M274 Mechanical Mule der US Army gilt als eines der Ur-Quads, siehe auch 1913.
  • 1957-75 DE Militär Lkw 4×4
    Der Ford G398SAM (»Nato-Ziege«) wurde von der Bundeswehr eingesetzt und basierte auf Vorkriegsentwicklungen. Untersetzung und Allradantrieb waren zuschaltbar. In der Kategorie der geländegängigen 3t-Klasse beschaffte die Bundeswehr nach 1975 keine neuen Fahrzeuge.
  • 1958 NZ>Antarktis Erste Fahrt zum Südpol
    Der Neuseeländer Edmund Hillary erreichte am 3. Januar 1958 als dritter Mensch über Land den Südpol und als erster mit einem Automobil, einem Kettenfahrzeug. Hillary war Teilnehmer der Commonwealth Trans-Antarctic Expedition CTAE von 1955 bis 1958, die erstmals die Antarktis mit Fahrzeugen (Ferguson TE20, SNO-CAT) durchquerte.
  • 1958-67 FR Geländewagen
    Der Citroen 2CV-Sahara, später 2CV 4×4, auch Bimoteur genannt, hatte zwei Motoren, zwei Getriebe, zwei Tanks, zwei Zündschlüssel.
  • 1958-59 FR On-the-road: Weltreise mit einem 2CV
    Die beiden Studenten Jean-Claude Baudot und Jacques Séguéla fahren mit einer »Ente« um die Erde. 36)
  • 1958 DE Lkw 4×4
    Der MAN 630 L2A (»Emma«) wurde in großen Stückzahlen für die Bundeswehr gefertigt und gehört zu den ersten Radfahrzeugen, die für die Bundeswehr hergestellt wurden. Als »Allesfresser« konnte der Vielstoffmotor auf unterschiedlichste Treibstoffe eingestellt werden.
  • 1959-74 AT Geländewagen 4×4
    Der Haflinger von Steyr/Puch wiurd zivil und militärisch gebaut und an das Österreichische Bundesheer und an die Schweizer Armee geliefert. Sein Nachfolger ist der Pinzgauer ab 1971.
  • 1959-88 US Militär-Geländewagen
    Der M151A2 wurde von Ford, Kaisers und AMG produziert, löste den Willys M38A1 ab und wurde ab 1988 vom »Hummer« abgelöst.
  • 1960 PA>CO On-the-road: ★ Erstdurchfahrung des Tapón del Darién (engl. Darién Gap) 430 km
    Richard Bevis (England) und Terence Whitfield (Australien) mit einem Land Rover sowie Otis Imboden (USA) und Kip Ross (USA) mit einem Jeep bewältigen die 430 Kilometer in zwei Monaten mit Hilfe von neun panamesischen Holzfällern (6. Februar bis 13. Mai 1960); 26 Flüsse wurden überquert, 180 Gräben und Engstellen passsierbar gemacht, 125 Brücken gebaut.
  • 1960-84 JP Geländewagen
    Der Toyota Land Cruiser Jeep 40 mit Allradantrieb wurde für den zivilen Markt hergestellt und weltweit vertrieben; bis 1973 wurden mehr als 300.000 Exemplare hergestellt.
  • 1961-80 US ★ Der erste SUV
    International Harvester entwickelte den Scout nicht fürs Militär und nicht in erster Linie fürs Gelände, sondern für ein Marktsegment, in dem es bisher nur den Jeep gab. Der Begriff SUV war noch nicht verbreitet, aber das Ziel war ein »four-wheel drive recreational vehicle«.
  • 1962 DE Offroad: Quad
    Die Zweirad Union entwickelte und fertigte den Kraftkarren »Kraka« für die Land- und Forstwirtschaft und für den Katastrophenschutz. Eine weiterentwickelte Version verwendete die Bundeswehr bis 1990 insbesondere für den Abwurf an Fallschirmen. Vorgänger-Quads siehe 1957 (M274 Mechanical Mule) sowie 1913 (Jeffrey-Quad) und 1940 (Willys Quad).
  • 1962 DE on-the-road: Institution
    Rotel fährt erstmals über Land nach Indien, siehe auch 1945 und 1969.
  • 1964-heute US ★ Der erste Offroad Spaßwagen
    Bruce Meyer baute den Meyers Manx auf der Basis eines VW Käfers als dune buggy, also geländetauglich durch Umbau eines normalen Pkw, in erster Linie durch Leichtigkeit, Bodenfreiheit und Motor auf der angetriebenen Achse.
  • 1964-74 FR Pkw 4×4
    Renault 4, in Kleinserie als Sinpar 4×4 (»Quatrel«), als Pkw und Pick-up, war der erste Serienkleinwagen mit Allradantrieb. Ein solcher wurde 1979 Zweiter bei der Rallye Paris-Dakar.
  • 1966-71 GB ★ Der erste Serien-Pkw mit 4×4
    Jenson FF, Straßen-Pkw (Sportwagen) mit permanentem Allradantrieb in Kleinserie (320 Stück). FF steht für den Entwickler des Allradantriebs, Ferguson Formula.
  • 1966-96 US Geländewagen/SUV 4×4
    Ford produziert den Bronco als »Compact-SUV«, abgeleitet von der Technik der F-100 Pick-ups.
  • 1967 MX ★ Rallye 1.000 km
    Die vermutlich erste Cross-Country-Rallye »Mexican 1000 Rally, später: Baja 1000« führt von Tijuana nach La Paz.
  • 1967-68 JP Offroad-Spaßwagen
    Die Hope Motor Company entwickelt den HopeStar ON360 und verkauft in einem Jahr rund 15 Exemplare. Der Zweisitzer hatte keine Türen und nur 360 ccm Hubraum.
  • 1968 DE Geländewagen
    Der Begriff »Buschtaxi« erscheint im deutschen Sprachgebrauch.
  • 1968-87 JP Offroad-Spaßwagen 4×4
    Der Citroën Méhari (»Plastikdromedar«) entstand aus der Dyane, dem Nachfolgemodell des 2CV. Als Freizeitwagen war er sehr leicht, eine nicht selbsttragende Kunststoffkarosserie saß auf einer Bodenwanne, einem Kübelwagen vergleichbar. Fast 150.000 Exemplare wurden produziert, davon gut 1.200 mit Allradantrieb sowie rund 5.000 für die französische Armee.
  • 1968-heute JP Offroad-Spaßwagen
    Suzuki übernimmt die Hope Motor Company und entwickelt aus deren ON360 den LJ10 (light Jeep, auch: Jimny 360 oder Brute IV), den ersten Geländewagen in der kleinsten Klasse (590 kg, 27 PS) in Großserie, als Dreisitzer. Er wird ab 1970 bis heute gebaut, die vierte Generation wird vorbereitet.
  • 1968 - heute JP Pickup 4×4
    Der Toyota Hilux bot ab 1979 Allradantrieb, wurde 1975 stark überarbeitet und 1976 in den USA zum »Truck of the Year«. Er gilt auch als »african workhorse«. 1968 entstand er aus dem Hino Briska, einem Pick-up, der wiederum im Renault 4CV wurzelt.
  • 1968 GB Militär Geländewagen
    Mit der Tarnfarbe »Mountbatten pink« für den Wüsteneinsatz wurden 72 Exemplare als Sonderserie des *Land Rover an die SAS geliefert.
  • 1969 DE on-the-road: Offroad
    Rotel fährt erstmals durch die Sahara, siehe auch 1945 und 1962.
  • 1969-80 DE Kurierwagen Militär > zivil 4×4
    Der Typ 181 wurde für die Bundeswehr entwickelt aus dem VW Typ 82, jedoch zeitgleich erfolgreich zivil vermarktet (mehr als 64.000 Stück).
  • 1970-73 MM Militär 4×4
    Mazda baute den Pathfinder XV-1 für das Militär in Burma; ein Exemplar steht in Freys Mazda Museum in Augsburg.
  • 1970 GB Geländewagen 4×4
    Der Range Rover lehnt sich als Geländewagen an den Land Rover an, zielte jedoch auf zivile Nutzung und dem entsprechende Anforderungen, war also ein Schritt hin zum SUV. Er bot mehr Luxus und dennoch weiterhin die klassischen Komponenten eines Geländewagens, wie etwa den Leiterrahmen. F. Genestier gewann mit einem Range Rover die Rallye Paris-Dakar 1983.
  • 1971-heute AT Militär 4×4
    Der Pinzgauer von Steyr/Puch wird als Nachfolger des Haflinger 4×4 und 6×6 gebaut und ist das Standardfahrzeug des Österreichen Bundesheeres.
  • 1971/72 DE On-the-road: Reiseführer
    Im Abstand weniger Monate erscheinen die ersten Reiseführer für Fernmobilreisende im Selbstverlag. Diese einfachen Typoskripte mit Schwarzweißkopien spiegeln das Bedürfnis eines Aufbruchs und stehen am Anfang einer Entwicklung, die den Reiseführermarkt der kommenden 30 Jahre verändert und explodieren lässt
    Bernd Tesch: Aachen – Kapstadt. 1971 Aachen http://d-nb.info/760433542
    Ludmilla Tüting: Die Traumstrasse der Welt. 1972 Hagen 69 S. http://d-nb.info/770618928
  • 1972-94 JP ★ Der erste Großserien-Pkw 4×4
    Subaru Leone Kombi, der erste Straßen-Pkw mit (in Deutschland permanentem) Allradantrieb in Großserie.
  • 1973 US SUV
    Jeep stellt neben seinem Geländewagen eine SUV-Version vor, den Jeep Cherokee; dieser wird ausdrücklich als SUV beworben.
  • 1973-83 DE On-the-road: Reiseführer
    Die 22 Bände der Reihe Globetrotter schreiben für Globetrotter erscheinen in den Selbstverlagen der Autoren. Sie fassen ihre Erfahrungen der meist jahrelangen Reisen rund um die Welt zusammen; viele waren mit dem VW-Bus unterwegs.
  • 1974 DE On-the-road: Institution
    Die Deutsche Zentrale für Globetrotter dzg e.V. wird gegründet. Die dzg veranstaltet seither Globetrottertreffen und gibt die Zeitschrift Der Trotter heraus. Norbert Lüdtke ist Vorsitzender von 1999-2015.
  • 1975 DE On-the-road: Institution
    Der Deutsche Land Rover Club DLRC e.V. wird gegründet.
  • 1976 Afrika ★ Rallye
    Die Côte-Côte Rally findet als erste »cross-country-Rally« in Afrika statt.
  • 1976-heute RU Pkw 4×4
    Der Lada Niva (russ. Niva: Feld), hergestellt von AwtoWAS in Toljatti, Russland, eigentlich WAS-2121 Niwa, mit permanenten Allradantrieb, sperrbarem Mitteldifferenzial und selbsttragender Karosserie.
  • 1978 GB On-the-road: Institution
    Der 153 Club wird in London gegründet. Mitglied kann werden, wer im Bereich der Michelinkarte 153 (heute 953) gereist ist. Diese umfasst im Wesentlichen die Sahara, also Nord- und Westafrika.
  • 1978-82 AU Militär > zivil 4×4
    Suzuki baute den LJ 80 (light jeep) ursprünglich für das australische Militär, zum zivilen Erfolg wurde er aber ab 1980 in Deutschland.
  • 1978-88 DE Militär
    Der VW Iltis (von Audi) in der Kategorie LKW 0,5 t tmil gl war Nachfolger des DKW Munga. Die vier bei der Rallye Paris-Dakar 1980 gestarteten Iltis erreichten die Plätze 1, 2, 4 und 9. Der Gewinnerwagen steht im VW-Museum in Wolfsburg.
  • 1979-heute DE Geländewagen Militär > zivil 4×4
    Die G-Klasse wird von Mercedes in Kooperation mit Steyr-Puch seit 1979 hergestellt als W460, ab 1990 als W461 für Behörden, Kommunen und Streitkräfte mit zuschaltbarem Allradantrieb und als W463 mit gehobener Ausstattung und permanentem Allradantrieb: die militärischen Varianten des W460 heißen »Wolf«, »Serval« und »Enok«.
    Gunther Holtorf fährt seit 1988 mit einem Mercedes G300 »Otto« um die Welt und legte rund 900.000 Kilometer zurück.
  • 1979 AT Offroad: Institution
    Der Expedition Club Austria wird gegründet
  • 1979 Afrika ★ On-the-road > Rallye
    Die erste Rallye Paris-Dakar findet statt, die Idee entwickelte Thierry Sabine ab 1977.
  • 1979/80 DE ★ Offroad: Institution
    »Sahara«-Willy Janssen gründet nach einem ersten privaten Treffen in seinem Garten 1979 das Fernreisemobiltreffen 1980 als Hanomag-AL28-Treffen. Es ist das erste Treffen dieser Art in Deutschland, vielleicht auch in Europa und vermutlich das größte privat organisierte Fernreisemobiltreffen weltweit und wird nach dem Tod von Willy Janssen 2009 von einem vierköpfigen Team fortgeführt; federführend ist Norbert Lüdtke.
  • 1980-91 DE Pkw 4×4
    Audi Quattro, Sportwagen, (mehr als 11.000 Stück); abgeleitet wurde der Allradantrieb von dem im selben Werk produzierten Iltis (s. 1978).
  • 1980-86 IT Pkw 4×4
    Fiat baut den Panda auch mit Allradantrieb, Spitzname »Die tolle Kiste«
  • 1981 DE On-the-road: Reiseführer
    Der erste Reiseführer der »großen« Verlage, der für Fernmobilreisende geschrieben ist:
    Wolfgang & Ursula Eckert Algerische Sahara 1981 Köln DuMont http://d-nb.info/810862506
  • 1982-heute JP Geländewagen 4×4
    Mitsubishi vertreibt den Pajero weltweit unter verschiedenen Namen, etwa als Shogun oder Montero, baugleich als Dodge Raider und Hyundai Galloper. Ein Pajero hat erstmals 1992 die Rallye Paris-Dakar gewonnen und seither weitere elf Male. Kein anderer Geländewagen war in der Rallye auch nur annähernd so erfolgreich.
  • 1983 FR Pkw 4×4
    Der Renault 18 Combi 4×4 ist der erste Mittelklasse-Pkw von Renault mit zuschaltbarem Allradantrieb. Ein mit der Technik des Renault 18 modifizierter Renault 20 wurde 1982 Sieger bei der Rallye Paris-Dakar.
  • 1984 DE Sportwagen 4×4
    Ein Porsche 911 Carrera 4×4 gewinnt die Rallye Paris-Dakar.
  • 1984 DE Transporter 4×4
    Der VW-Transporter T3 ist mit dem neuen VW-Syncro-Allradantrieb erhältlich.
  • 1984 DE On-the-road: Institution
    Der Sahara-Club wird am 21. Juni 1984 gegründet. »Sahara«-Willy Janssen ist erster Vorsitzender des vierköpfigen Vorstandes.
  • 1984-93 JP Transporter 4×4
    Der Subaru Libero E10 bzw 1200 (»Überraschungs-Ei«) war ein Raum- und Größenwunder mit zuschaltbarem Allradantrieb, jedoch ohne Mittendifferential.
  • 1985- US Militär 4×4
    AM General entwickelte den HMMWV (Humvee), den Vorfahren des Hummer, für die US Army.
  • 1986 JP Geländewagen
    Nissan baut den Navara als Pickup-Variante des Pathfinder
  • 1993 DE On-the-road: Institution
    Der Unimog-Club Gaggenau UCG wird gegründet und wurde seither zum größten derartigen Club weltweit.
  • 1996 DE Transporter 4×4
    Mercedes-Benz bietet seine Transporter (Vario) erstmals mit Allradantrieb an (BM670.45: 813 DA-KA – 818 DA-KA)
  • 1997 DE On-the-road: Institution
    Das erste AMR-Treffen findet statt.
  • 1999 DE On-the-road: Institution
    Die Messe Abenteuer & Allrad findet erstmals statt.
  • 2002 DE On-the-road: Institution
    Das erste Buschtaxitreffen findet statt.
  • 2007 GB>Nordpol Offroad> ★ Erstes Automobil am Nordpol
    Zwei Toyota Hilux 3.0 D4-D mit Doppelkabine, ein Toyota Land Cruiser 120 sowie ein Anhänger auf 38″-Rädern erreichten am 2. Mai 2007 den magnetischen Nordpol. Die Fahrzeuge waren stark modifiziert. Die Fahrer, Jeremy Clarkson und James May, waren Moderatoren Automagazins Top Gear. Diese Episode wurde am 25. Juli 2007 auf BBC Two gesendet.
  • 2018 DE Die letzten »richtigen« Geländewagen?
    Jeep Wrangler, Suzuki Jimny, Mitsubishi Pajero, Toyota Land Cruiser, Lada Taiga, SsangYong Rexton

Entwicklungsgeschichte

Die Suche nach dem einen Urahn aller Geländewagen muss aus mehrerlei Gründen erfolglos bleiben, denn

  1. Ursprünglich war zwar die Mehrzahl der *Wagen seit etwa 3.550 vor Christus Geländewagen, wurden aber (meist) von Ochsen gezogen.
  2. Die Vorstellung von Gelände im Gegensatz zu guten Straßen und einem ausgebauten *Straßennetz war zu verschiedenen Zeiten anders als heute.
  3. Geländetauglich mussten lange Zeit alle Fahrzeuge sein, die außerhalb der Städte verkehrten. Ohne Allradantrieb erreichte man dies durch große Bodenfreiheit, große Räder, Zwillingsbereifung.
  4. Allradantrieb, Allradlenkung und Allradbremsung brachten durch den dafür nötigen zusätzlichen technischen Aufwand entsprechende Nachteile mit sich, siehe auch *Low-Tech.
  5. Die Technik aus dem Fahrrad- und Kutschenbau genügte für ein selbst angetriebenes Fahrzeug nicht: die Kardanwelle verdrängte die Antriebskette; Metallfelgen verdrängten Holzspeichenräder; Luftreifen verdrängten Vollgummireifen; die Achsschenkellenkung verdrängte die Drehschemellenkung; Kugellager verdrängten Wälzlager; geformte Stahlbleche verdrängten die Holzarbeiten usw.
  6. Erst nach und nach entstanden technische Möglichkeiten mit Eigenschaften, die ein Geländewagen besonders benötigt: homokinetische Kraftübertragung, kleinere Wendekreise, Dämpfung der Fahrdynamik, Kontrolle der Seitenkräfte …, siehe auch *Räder & Reifen.

Technischer Fortschritt verläuft nicht geradlinig von der Innovation zur Invention 37). Eine Idee kann super sein, jedoch fehlen die Möglichkeiten sie umzusetzen. Ein Patent kann schlummern, bis es gebraucht wird. Ein Prototyp ist technisch überzeugend, aber andere bekommen den Auftrag für die Großserie. Etwas wird produziert, kommt aber zehn Jahre zu früh oder wird schlecht verkauft. Teure Einzelstücke (Jagdwagen, Rennwagen) dienen als Schmuck für Einzelne. Die Frage nach dem Ersten ist dann kaum zu beantworten. Ist die Zeit reif, entstehen ähnliche Ideen nicht nur einmal; es wird gleichzeitig an unterschiedlichen Orten entwickelt, getestet, produziert und wer sich erfolgreich durchsetzt, lässt sich vorher nicht sagen.

  • Erfolgreiche Entwicklungen orientierten sich an Anwenderbedürfnissen, boten also Lastwagen mit Allradantrieb, die sich im Betrieb rechneten. Damals wie heute rechnet man dort in Kosten pro Frachttonne und Kilometer.
  • Die immer wieder treibenden Anforderungen kamen vom Militär, dort brauchte man nicht zu rechnen.
  • Der klassische Geländewagen mit Leiterrahmen, Allradantrieb und Starrachsen ist schwer, weil er von der Lkw-Technik abgeleitet wurde. Der Urtypus ist der Dernburg-Wagen (1907).
  • Die ersten Ansätze, Geländewagen für einen zivilen Markt und in Serie zu produzieren, werden erst ab 1934 sichtbar und blieben lange erfolglos; zivile und militärische Bedürfnisse lagen zu weit auseinander. Willys Jeep war der erste Geländewagen der bei beiden Zielgruppen Erfolg hatte.
  • Die Kübelwagen waren militärisch erfolgreich durch Weglassen: keine Türen, keine Fahrgastzelle, nichts, was der Bequemlichkeit oder Sicherheit im Straßenverkehr dient. Den Urtypus stellt der Wanderer W11 (1933) dar.
  • Den ersten zivilen Erfolg hatten leichte Geländefahrzeuge, sie kombinierten: Kübelwanne, offener Aufbau, nur die nötigsten Bauteile, das Motorgewicht auf der angetriebenen Achse, zunehmend Alu & Kunststoff. Urtypus ist der VW Typ 82 (1939) ohne Allradantrieb, der aus Porsches KdF-Wagen entstand. 30 Jahre später wurden solche Wagen zum erfolgreichen Funcar, als Dune-Buggy oder Citroen Mehari.

Mit den Bedürfnissen verbreiten sich die Produkte und erzeugen ein System: Die Möglichkeit etwas zu nutzen, bedarf im Falle eines Automobils eben auch entsprechende Strukturen: ein Straßenverkehrsnetz, ein Werkstättennetz, Ersatzteilversorgung, Tankstellen und all das zugehörige Know-How. Das entsteht langsam und kann nur noch schwer durch ein anderes System ausgetauscht werden, wie der Versuch zeigt, Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren zu ersetzen. Das System erzwingt zunehmend systemgerechte Fahrzeuge. Nicht das Beste setzt sich durch, sondern das Passende: survival of the fittest.

Bauformen & Kategorien

Entwicklungsgeschichtlich gab es natürlich zuerst den zivilen Pkw, dann als wichtigste Nutzanwendung den Lkw und erst danach militärische Fahrzeuge. Diese wurden also ursprünglich vom zivilen Fahrzeugbau abgeleitet. Der Typ des Geländewagens dagegen entwickelte sich in der militärischen Nutzung; daraus entstanden die zivilen Versionen erst mit dem Jeep ab 1948. Geländewagen mit mehr Fahrkomfort wurden zuerst für die militärische Führung gebaut; diese Entwicklung endete bei den SUV.
Die nachfolgende Tabelle ist ein Versuch, Struktur in die Vielfalt zu bringen. Das kann man natürlich auch anders lösen, es gibt Mischformen und unscharfe Begriffe. Als Urahn ist nicht die Erfindung genannt, sondern das erste erfolgreich und massenhaft gebaute Fahrzeug:

PrioritätenBauartAntriebmilitärischzivilUrahnJahr
Gelände & Straße Leiterrahmen 4×4 Lkw Lkw FWD 1912
Geräteträger, Motorleistung Leiterrahmen variabel Variabler Aufbau Nutzfahrzeug Jeffrey Quad 1913
Transport Leiterrahmen 4×4, 6×4, 6×6 Variabler Aufbau Nutzfahrzeug Oskosh 1917
Gelände & Transport Leiterrahmen Ketten Variabler Aufbau Nutzfahrzeug Citroen 1924
schnell & beweglich Kübelwagen 2×4, 4×4 Motor auf Antriebsachse Kurierwagen Spaßwagen Wanderer W11 1933
Fahrkomfort Aufbau geschlossen, selbsttragend2×4, 4×4 Kommandeur-wagen SUV GAZ61 1938

Wie erkennt man einen »richtigen« Geländewagen?

Ob ein Fahrzeug ein Geländewagen oder ein SUV ist, bestimmt der Laie durch Augenschein, die Behörden durch die Einstufung des KBA, der Verkäufer durch seine Marketingstrategie und der Konstrukteur durch grundlegende technische Entscheidungen. Dabei ist jede Kombination möglich. Zur Verwirrung trägt bei, dass im amerikanischen Englisch jeder Geländewagen als SUV bezeichnet wird.

Für einen Geländewagen spricht die funktionale Ausstattung:

  • Leiterrahmen
  • Starrachsen oder Portalachsen
  • Untersetzungsgetriebe
  • Allradantrieb
  • Differentialsperren: Längs (Mittendifferential), Hinterachse, Vorderachse (selten)
  • kurzer Radstand, wegen Wendigkeit und besseren Überhangs- und Rampenwinkeln
  • Unterfahrschutz

Anzeichen, die darauf hinweisen, dass das Fahrzeug konstruktiv für den harten Einsatz konzipiert ist, sind:

  • Kein Aufpreis für Geländewagentechnik
  • ABS, ASR usw abschaltbar
  • Vollwertiges Reserverad
  • Spurgleiche Bereifung
  • Eine enge hintere Sitzbank und als Dreitürerversion erhältlich
  • Flache Scheiben, weil gut zu reparieren
  • Kantige Karosserie, da beste Geländesicht

Umgekehrt wird ein SUV daraus.

Geländewagen

Geländewagen werden für Kompromisse produziert, denn zwischen ihren Geländeeinsätzen fahren sie in der Regel Straße. Sie müssen den Fahrer unterstützen, die besonderen *Fahrsituationen im Gelände zu bewältigen.
Die technischen Prioritäten liegen gleichwohl auf den Geländeeigenschaften, also finden sich Starrachsen und Rahmenbauweise, Allradantrieb, Untersetzung, mehrere Differentialsperren usw. Militärische und zivile Varianten sind nicht grundsätzlich verschieden, jedoch machen letztere Zugeständnisse an den Fahrkomfort. Es ist kein Zufall, dass Fahrzeuge wie der Toyota Hilux als »Technical« eingesetzt werden.

  • Geländewagen mit geschlossener Fahrgastzelle bilden den ersten und auffälligsten Schritt in Richtung Fahrkomfort, daher militärisch als Kommandeurswagen zu finden.
  • Einen Schritt weiter ging 1976 der Lada Niva, immer noch ein Geländewagen, aber ohne Starrachse vorn.
  • Als vollwertige Geländewagen begannen der Toyota Land Cruiser Jeep 40 von 1960 und der Range Rover von 1970, die Zugeständnisse an Fahrkomfort nahmen zwar zu, führten jedoch erst 2003 bei Toyota zum Verzicht auf die Starrachse, während der Range Rover 2002 zum SUV mit Einzelradaufhängung und selbsttragender Karosserie wurde.
  • Der Jeep wurde ab 1941 als Militärfahrzeug produziert, jedoch bereits ab 1945 auch in ziviler Version und blieb bis heute als Wrangler JL ein vollwertiger Geländewagen; anders als sein kleiner Bruder Cherokee, der als SUV produziert wird.

SUV

*Sport Utility Vehicles SUV dagegen sind consumer brands für zivile Märkte. Dort definiert sich Erfolg an Absatzzahlen, also massenhaften Bedürfnissen, also am Fahrkomfort, Bequemlichkeit, dem Alltagsbetrieb auf Straßen und der Familientauglichkeit für »soccer moms and dads«.
Die technischen Prioritäten sind denen sportlicher Personenwagen ähnlich. Konsequenterweise wird der technische Aufwand auf das für den Marketingnutzen definierte Profil hin reduziert, also auf optische Merkmale von Geländewagen. Entwicklungsgeschichtlich entstanden die SUV naturgemäß nach Geländewagen und Pkw, daher sind Übergänge in beide Richtungen zu beobachten; im Englischen wird dieses Spektrum kategorisiert als full-size SUV, midsize und crossover als letzte Stufe zu den einfachen Pkw.

Pkw mit Allradantrieb

Ein Pkw mit Allradantrieb ist weder ein Geländewagen noch ein SUV. Er besitzt Vorteile beim Fahren auf nasser Fahrbahn, auf Wiesen oder im Schnee. Sein wirtschaftlicher Erfolg begründet sich durch sein Pkw-Image, weder durch Geländetauglichkeit noch durch Nützlichkeit (Utility).
Die technischen Prioritäten unterliegen starken und widersprüchlichen Forderungen nach Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, Umweltvorschriften. Gewichtsersparnis und geringerer Luftwiderstand zeigen sich konstruktiv und äußerlich und sind meist unvereinbar mit den Forderungen bei der Geländewagenkonstruktion. Hier fallen als Pioniere auf:

  • Der Jensen FF von 1966 war ein Sportwagen mit Allradantrieb, allerdings ohne wirtschaftlichen Erfolg.
  • Diesen Erfolg hatte 1972 der Subaru Leone Kombi, der erste Straßen-Pkw, den es in einer Allradvariante mit (in Deutschland permanentem) Allradantrieb in Großserie gab.
  • Legendären Ruf erwarb sich der Audi Quattro ab 1980 als Straßen-Pkw, auch ohne Geländewagenoptik.

Anmerkungen

Road Music

Fussnoten

1)
Erasmus Darwin's improved design for steering carriages––and cars. D. King-Hele. Notes Rec. R. Soc. Lond. 2002 56 41-62; DOI: 10.1098/rsnr.2002.0166. Published 22 January 2002
2)
Ein Jahrhundert Automobiltechnik – Nutzfahrzeuge, Seite 15, 175. VDI-Verlag 1987
3)
Olaf von Fersen: Ein Jahrhundert Automobiltechnik. Personenwagen. VDI-Verlag, Düsseldorf 1986, ISBN 3-18-400620-4
4)
Patent England 5090 vom 3.2.1825; siehe auch Feldhaus: Die Technik, S. 871
5)
The Morning Chronicle (London, England), Friday, July 27, 1827; Caledonian Mercury (Edinburgh, Scotland), Thursday, December 20, 1827
6)
The Times vom 31. Dezember 1827
7)
The Bury and Norwich Post: Or, Suffolk and Norfolk Telegraph, Essex, Cambridge, & Ely Intelligencer (Bury Saint Edmunds, England), Wednesday, February 16, 1831
8)
Ronald M. Dell, Patrick T. Moseley, David A. J. Rand: Towards Sustainable Road Transport. Academic Press 2014
9)
Nationales Automobilmuseum (Hrsg.): Die großartigsten Autos des Jahrhunderts. Edition Belles Terres, Straßburg 2005, ISBN 2-913231-12-8, S. 125
10)
US patent 294930 für L. C. Taber 11. März 1884
11)
Madison Observer, 12. Januar 1885
12)
The Toronto Globe, 25. August 1885
14)
„A neat, totally enclosed system of gimbal joints and differential gearing which were the subject of a further patent filed by Whittingham, Alfred Greig, and Richard Shaw, transmitted the drive to the front wheels, which were steerable and free to tilt as required by the inequalities of the road. The front wheels were provided with driving pins, which when removed allowed the wheels to rotate independently of the driving gear, converting the engine back to a conventional traction engine“.
15)
Der Auto-Pionier auf Viktoria von Karl Benz, Mannheim / Theodor von Liebieg ; nach dem Tagebuch der beiden Benzfahrer bearb. von Paul Rainer. Reichenberg : Franz Kraus, 1937. 117 S.
16)
https://www.gracesguide.co.uk/Charles_Jasper_Glidden#cite_note-1
Andrew M Jepson: Around the world in a Napier : the story of two motoring pioneers. Stroud : The History Press, 2013.
17)
Croydon Guardian and Surrey County Gazette - Saturday 16 September 1899
18)
Herbert O Duncan, The World on Wheels, privately published in Paris, 1923, pp. 1060-63
19)
vielleicht mit Bezug auf den gleichnamigen Diener von Phileas Fogg, dem Protagonisten in Jules Vernes Werk In 80 Tagen um die Welt
20)
The Autocar 27.05.1905 S. 725
21)
The Vindicator 20. April 2003 Seite G5
23)
Paul Graetz: Im Auto quer durch Afrika. Verlag Gustav Braunbeck & Gutenberg, Berlin 1910
http://www.paulgraetz.de
24)
Hans Koeppen: Im Auto um die Welt. Ullstein, Berlin 1908. Neubearbeitung. Ullstein, Hamburg 1935 George Schuster, Tom Mahoney: Das längste Autorennen aller Zeiten. New York – Moskau – Paris Motorbuch Verlag, Stuttgart 1997
25)
U.S. Patents 907,940; 882,986
26)
Karl Slevogt arbeitete für die Firma Spyker in Amsterdam, August 1905 - März 1906; http://www.karl-slevogt.de
27)
Thomas W. Wilby: A Motor Tour Through Canada . 1914
28)
Clifford Halle: To Menelek in a motor-car 1913
29)
Automobile Topics, Band 34, May 30, 1914. S. 205: »MARTIN TELLS OF TRANS-ANDINE TRIP«, E.E. Schwarzkopf, NEW YORK 1914
31)
Roy Chapman Andrews: Auf der Fährte des Urmenschen. Abenteuer und Entdeckungen dreier Expeditionen in die mongolische Wüste. F.A. Brockhaus, Leipzig 1927
32)
Sven Hedin: Die Flucht des Großen Pferdes. F. A. Brockhaus, Leipzig 1935 Die Seidenstraße. F. A. Brockhaus, Leipzig 1936 Der wandernde See. F. A. Brockhaus, Leipzig 1937
33)
Annemarie Schwarzenbach/Ella Maillart/Nicolas Bouvier: „Unsterbliches Blau“. Reisen nach Afghanistan. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Roger Perret. Verlag Scheidegger und Spiess, Zürich 2003. 272 S.
34)
Slessor, Tim (1957), First Overland: The Story of the Oxford and Cambridge Far Eastern Expedition, The Companion Book Club, London
36)
La Terre en rond. Par carnet de voyage autour du monde en 2 CV, 1960 éd. Flammarion, coll. «L'Aventure vécue»
wiki/willywikimigration260.txt · Zuletzt geändert: 2018/11/21 07:10 von norbert